er nach seinen Schlachten und Siegen vor dem Bilde des Gekreuzigten hinkniete und Gott um Verzeihung bat für den Fall , daß durch seine Schuld zu viel Blut vergossen sei . Und welch Andenken , glauben Sie , bewahrt die Geschichte ihm auf ? Als ein blutdürstiger Unmensch , mit dem man schon Kindern in der Schule Grauen erregt , wird er dargestellt , und wandelt er fluchbeladen seit zweihundert Jahren durch die sogenannte unparteiische Geschichte . Es ist der berühmte Feldherr des traurigen dreißigjährigen Krieges : Tilly . « » Aber wie kann die Entstellung eines solchen Charakters eine Feder finden ? « fragte Kunigunde . Weil manche Feder im Dienste einer Partei , statt im Dienste der Wahrheit schreibt , und weil die Parteiwut das Auge so krank macht , daß es im Spiegel seiner eigenen Verzerrtheit des Gegners Tugenden als Laster sieht . Ist ein großer Gegner ein gläubiger Christ , so können Sie sich leicht vorstellen , daß er bei den Glaubenslosen keine Gnade findet . « » Ach , lieber Onkel , wie schmerzlich ist doch dieser Haß des Unglaubens und des Abfalles gegen den heiligen Glauben und gegen alles , was wir mit unsterblicher Liebe lieben . « » Bestes Kind , das Kreuz ist ein Zeichen , dem widersprochen werden wird ; dies sagt uns die heilige Schrift . Meinen Sie , es sei nur gesagt für die ersten Tage des Christentums ? nur für jene Zeiten , als die Welt heidnisch war ? O nein ! jene ersten Tage werden dauern bis zum jüngsten Tage , denn in der Welt ist immer ein Stück Heidentum zu finden : die Selbstvergötterung - und auch in unser Herz ist sie immer bereit , sich einzuschleichen . Manche Zeiten sind ganz besonders von ihr überwuchert , Zeiten wilder Kämpfe , leidenschaftlicher Aufregung sowohl , als Zeiten voll materiellem Segen . Jene erhitzen und verwirren , diese erschlaffen die Gemüter , und solchen ist die Lehre vom Kreuze unwillkommen und der Götzendienst des Ich ' s äußerst bequem . Haben sie sich aber recht fest darin zurecht gesetzt , so kommen Stürme und Erschütterungen und all ' die kleinen Götterchen krachen zusammen und mancher , der sich selbst als seinen Götzen verloren hat , sieht sich um nach einem Gott , der unverlierbar ist . « » Bester Onkel , « sagte Kunigunde , » wenn ich künftig die scharfen , ja oft so barbarischen Urteile der Welt höre , will ich immer denken an Tillys Herz in der Gnadenkapelle zu Altötting . « - - Im nächsten Jahr war große Freude im Schloß Windeck . Der Tag Mariä Geburt war der Geburtstag eines Kindes , das Kunigunde in zärtlicher Dankbarkeit für die Gnade der Himmelskönigin Maria Regina nannte . Sie war glückselig ! all ' die Innigkeit , die Wärme , die Zartheit der Empfindung , für die sie bei ihrem Manne kein Verständnis fand , übertrug sie auf das Kind , das freilich jetzt im Morgenschlaf seines kleinen Lebens bewußtlos diese Liebe hinnahm , aber allmählig mit den erwachenden Kräften seines Herzens an das Mutterherz sich schlingen würde . Kunigunde freute sich unsäglich , daß es gerade eine Tochter war . Die behielt sie immer an ihrer Seite ; die ging auf keine Universität , auf keine Reisen , auf keine Jagden , in keinen Krieg ; die gehörte ihr , mit der richtete sie sich fürs Leben ein . Es gab keine Tugend , keinen Vorzug , kein Talent , womit sie nicht im Geiste ihre Tochter schmückte - vor allem aber mit jener fleckenlosen Reinheit , welche vor jeder Beleidigung Gottes zurückschaudert . Deshalb stellte sie das Kind unter den besonderen Schutz der seligsten Jungfrau Maria und nahm sich vor , es immer in Weiß zu kleiden , um auch äußerlich an die innere Lauterkeit zu mahnen . Zwischen Kunigunde und Walburg war jetzt ein beständiger fröhlicher Streit , wer von ihnen die glücklichste Mutter sei und die glänzendsten Hoffnungen habe . Wenn Walburg mit ihrem Knabenkleeblatt ein wenig prahlen wollte , so pflegte Kunigunde zu sagen : » Warte nur ein paar Jahre ! dann wirst Du gleichsam eine kinderlose Mutter sein . Dann sind die Bübchen in alle vier Winde verstreut , während ich mit meiner Regina äußerst behaglich hier sitze und Du zu uns kommst , um zu sehen , wie das ist , wenn man ein Kind hat . So geht ' s mit den Söhnen . « » Und dann , « sagte Walburg lachend , » kommt eines Tages statt meiner irgend ein charmanter Jüngling , wirbt um das Töchterchen und führt es nach Oft- oder Westindien ; und das Töchterchen , das bisher nie einen Tag von der Mutter getrennt war , geht urplötzlich löwenkühn mit dem fremden Mann an ' s Ende der Welt . So geht ' s mit den Töchtern ! « » Das ist eine schauerliche Vorstellung , « seufzte Kunigunde . » Nun , ich will Dir etwas sagen , « fuhr Walburg beruhigend fort , » Uriel muß Regina heiraten ; dann behalten wir beide in unserer Nähe . « » Uriel muß ein sehr ausgezeichneter Mensch werden , wenn er Regina haben will , « sagte Kunigunde höchst ernsthaft , obwohl Regina erst sechs Monat alt und Uriel im sechsten Jahre war . » Du sagst wohl mit Schillers Wallenstein : Meinen Eidam will ich mir auf Europa ' s Thronen suchen , wenn Du mit meinem Uriel nicht zufrieden bist , « sagte Walburg scherzend . » Die Ehe ist ein herber Stand , liebe Schwester ! « » Freilich ! Aber der ehelose ist noch herber , ist so einsam . « Der Ordensstand war zu jener Zeit etwas so Fremdartiges unter den höheren Ständen , weil man nur solche klösterliche Institute duldete , welche sich dem Unterrichtswesen oder der Krankenpflege widmeten , daß Kunigunde seufzte : » Und wenn sie Ursulinerin oder Salesianerin würde ,