vor dem Mittag gewesen , und ich war durch das Wandern wieder hungrig geworden . Ich genoß daher von dem Aufgesetzten . Mein Beherberger setzte sich zu mir , leistete mir Gesellschaft , aß und trank aber nichts . Da ich fertig war und die Eßgeräte hingelegt hatte , bot er mir an , wenn ich nicht zu müde sei , mich in den Garten zu fahren . Ich nahm es an . Er läutete wieder mit dem Glöcklein , um den Befehl zu geben , daß man abräume , und führte mich nun nicht durch den Gang , durch welchen wir herein gekommen waren , sondern durch einen mit gewöhnlichen Steinen gepflasterten in den Garten . Er hatte jetzt ein kleines Häubchen von durchbrochener Arbeit auf seinen weißen Haaren , wie man sie gerne Kindern aufsetzt , um ihre Locken gleichsam wie in einem Netze einzufangen . Als wir in das Freie kamen , sah ich , daß , während ich aß , die Sonne auf das Haus zu scheinen aufgehört hatte , sie war von der Gewitterwand überholt worden . Auf dem Garten so wie auf der Gegend lag der warme , trockene Schatten , wie er bei solchen Gelegenheiten immer erscheint . Aber die Gewitterwand hatte sich während meines Aufenthaltes in dem Hause wenig verändert , und gab nicht die Aussicht auf baldigen Ausbruch des Regens . Ein Umblick überzeugte mich sogleich , daß der Garten hinter dem Hause sehr groß sei . Er war aber kein Garten , wie man sie gerne hinter und neben den Landhäusern der Städter anlegt , nämlich , daß man unfruchtbare oder höchstens Zierfrüchte tragende Gebüsche und Bäume pflegt und zwischen ihnen Rasen und Sandwege oder einige Blumenhügel oder Blumenkreise herrichtet , sondern es war ein Garten , der mich an den meiner Eltern bei dem Vorstadthause erinnerte . Es war da eine weitläufige Anlage von Obstbäumen , die aber hinlänglich Raum ließen , daß fruchtbare oder auch nur zum Blühen bestimmte Gesträuche dazwischen stehen konnten , und daß Gemüse und Blumen vollständig zu gedeihen vermochten . Die Blumen standen teils in eigenen Beeten , teils liefen sie als Einfriedigung hin , teils befanden sie sich auf eigenen Plätzen , wo sie sich schön darstellten . Mich empfingen von je her solche Gärten mit dem Gefühle der Häuslichkeit und Nützlichkeit , während die anderen einerseits mit keiner Frucht auf das Haus denken , und andererseits wahrhaftig auch kein Wald sind . Was zur Rosenzeit blühen konnte , blühte und duftete , und weil eben die schweren Wolken am Himmel standen , so war aller Duft viel eindringender und stärker . Dies deutete doch wieder auf ein Gewitter hin . Nahe bei dem Hause befand sich ein Gewächshaus . Es zeigte uns aber gegen den Weg , auf dem wir gingen , nicht seine Länge , sondern seine Breite hin . Auch diese Breite , welche teilweise Gebüsche deckten , war mit Rosen bekleidet , und sah aus wie ein Rosenhäuschen im kleinen . Wir gingen einen geräumigen Gang , der mitten durch den Garten lief , entlang . Er war anfangs eben , zog sich aber dann sachte aufwärts . Auch im Garten waren die Rosen beinahe herrschend . Entweder stand hie und da auf einem geeigneten Platze ein einzelnes Bäumchen , oder es waren Hecken nach gewissen Richtungen angelegt , oder es zeigten sich Abteilungen , wo sie gute Verhältnisse zum Gedeihen fanden und sich dem Auge angenehm darstellen konnten . Eine Gruppe von sehr dunkeln , fast violetten Rosen war mit einem eigenen zierlichen Gitter umgeben , um sie auszuzeichnen oder zu schützen . Alle Blumen waren wie die vor dem Hause besonders rein und klar entwickelt , sogar die verblühenden erschienen in ihren Blättern noch kraftvoll und gesund . Ich machte in Hinsicht des letzten Umstandes eine Bemerkung . » Habt Ihr denn nie eine jener alten Frauen gesehen , « sagte mein Begleiter , » die in ihrer Jugend sehr schön gewesen waren und sich lange kräftig erhalten haben . Sie gleichen diesen Rosen . Wenn sie selbst schon unzählige kleine Falten in ihrem Angesichte haben , so ist doch noch zwischen den Falten die Anmut herrschend und eine sehr schöne , liebe Farbe . « Ich antwortete , daß ich das noch nie beobachtet hätte , und wir gingen weiter . Es waren außer den Rosen noch andere Blumen im Garten . Ganze Beete von Aurikeln standen an schattigen Orten . Sie waren wohl längst verblüht , aber ihre starken grünen Blätter zeigten , daß sie in guter Pflege waren . Hie und da stand eine Lilie an einer einsamen Stelle , und wohl entwickelte Nelken prangten in Töpfen auf einem eigenen Schragen , an dem Vorrichtungen angebracht waren , die Blumen vor Sonne zu bewahren . Sie waren noch nicht aufgeblüht , aber die Knospen waren weit vorgerückt und ließen treffliche Blumen ahnen . Es mochten nur die auserwählten auf dem Schragen stehen ; denn ich sah die Schule dieser Pflanzen , als wir etwas weiter kamen , in langen , weithingehenden Beeten angelegt . Sonst waren die gewöhnlichen Gartenblumen da , teils in Beeten , teils auf kleinen abgesonderten Plätzen , teils als Einfassungen . Besonders schien sich auch die Levkoje einer Vorliebe zu erfreuen , denn sie stand in großer Anzahl und Schönheit , so wie in vielen Arten da . Ihr Duft ging wohltuend durch die Lüfte . Selbst in Töpfen sah ich diese Blume gepflegt und an zuträgliche Orte gestellt . Was an Zwiebelgewächsen , Hyazinthen , Tulpen und dergleichen , vorhanden gewesen sein mochte , konnte ich nicht ermessen , da die Zeit dieser Blumen längst vorüber war . Auch die Zeit der Blütengesträuche war vorüber , und sie standen nur mit ihren grünen Blättern am Wege oder an ihren Stellen . Die Gemüse nahmen die weiten und größeren Räume ein . Zwischen ihnen und an ihren Seiten liefen Anpflanzungen von Erdbeeren . Sie schienen besonders gehegt , waren häufig