nahete , als Caraiskakis den Fremd abholte und mit ihm durch die mäandrischen Windungen der Straßen hinauf zum Bazar stieg , in dessen weiten Kreuzgängen sich alle Schätze des Morgenlandes und Abendlandes vereinigen . Züge von Kameelen begegneten ihnen , Menschen aller Zonen und Farben drängten sich nach dem Weltmarkt . Nach und nach wurden der Mittagshitze wegen die Gänge leerer . Welland kaufte einige Gegenstände in den verschiedenen streng gesonderten Abtheilungen des Bazars , unter Anderm einen vollständigen orientalischen Anzug und von einem Turkomannen einen trefflichen Handjar , und sandte die Sachen durch die Kaufleute in sein Quartier . Schon während des Handelns war es dem Deutschen aufgefallen , daß ein Knabe in zerlumpter türkischer Kleidung sie unablässig verfolgte und aufmerksam beobachtete . Als sie nun durch die leeren Gänge zurückkehrten , trat ihnen der Bursche an einer Biegung nochmals entgegen . Welland glaubte , es sei ihm um den Bakschis - ein Trinkgeld - die gewöhnliche Forderung im Orient bei allen Gelegenheiten , bei denen man mit Türken verkehrt , zu thun und reichte ihm einige Para ' s , doch der Knabe schüttelte den Kopf und zeigte ihnen ein Stück schmuziges Papier , auf dem in griechischer , doch kaum leserlicher Schrift der Name » Caraiskakis « geschrieben stand . » Aha , wohl von Ihrem geheimnißvollen Freund , « meinte der Doctor und wies den Boten an den Gefährten . Gregor , den ganzen Morgen über zerstreut und noch düsterer als am Tage vorher , fragte ihn kurz nach seinem Begehr . » Ich soll Euch bitten , Effendi , « sagte der Junge , » Ihr möchtet heute mit Eurem Freunde die Marina ( den Quai ) meiden und um Sonnenuntergang an der Karavanenbrücke sein , dort würde Jemand Eurer warten . « » Thorheit , « entgegnete der Grieche , » meine Zeit ist gemessen und ich kann unbekannten Botschaften keine Folge leisten . Nach der Marina gehen wir eben . « » Sie sollten die Botschaft doch nicht so leicht von sich weisen , « sagte Welland , » vielleicht betrifft sie einen Gegenstand , der Ihnen gerade von Wichtigkeit ist . « » Das ist nur einer , - und von dem kann jener Mann Nichts wissen . Ich bitte Sie , hören Sie mich weiter , denn ich muß meine Geschichte von gestern vollenden und Ihre Ansicht hören , um so mehr , als Sie morgen schon , wie Sie mir sagten , Smyrna und mich wieder verlassen wollen . « Er legte seinen Arm in den des Freundes und Beide gingen an das Ufer , wo sie , vom Seewind gekühlt , auf der kurzen Strecke umherwandelten . Später begegnete ihnen der Ungar Costa , nickte aber nur , da er sie im eifrigen Gespräch sah , dem Deutschen zu und setzte sich an einem entfernteren Kaffeehaus am Ufer nieder , eine Zeitung zu lesen und seinen Kaffee zu schlürfen . » Ich habe Ihnen bereits gesagt , « erzählte der Grieche , » wie meine Schwester Diona hierher gekommen und welches Unglück uns betroffen hat . Als ich gestern zu meinen armenischen Verwandten kam , bei denen sie sich aufgehalten , fand ich sie dort nicht mehr vor . Die Familie war bestürzt über meine Ankunft und wollte offenbar nicht mit der Sprache heraus . Erst durch lange Bitten und Drohungen erfuhr ich endlich , daß meine Schwester vor etwa drei Monaten die Bekanntschaft eines Engländers gemacht , der sich hier aufhielt und daß sich das Verhältniß heimlich weiter gesponnen , bis die Familie dahinter gekommen und Diona strenger bewacht gehalten habe . Vor einer Woche etwa sei sie plötzlich verschwunden , mit ihr zugleich der Brite , und es sei alle Anstrengung vergebens gewesen , ihre Spur aufzufinden . Manche Umstände der Erzählung schienen mir verdächtig und nach einem heftigen Auftritt mit der Familie verließ ich das Haus . Ich kannte Smyrna von früher und wußte , daß hier für Gold Alles zu erlangen ist . Nach kurzem Besinnen nahm ich meine Wohnung bei jenem Speisewirth Andrea , einem berüchtigten Schurken , der aber die Fäden der meisten Verbrechen hier in der Hand hat - bei Gott , « unterbrach er sich , » da geht der Bursche eben wieder bis an die Zähne bewaffnet mit Einigen seines Gelichters umher ! - Ich nahm also bei ihm meine Wohnung und schickte sein Weib auf Kundschaft aus . Bald wußte ich Alles ! Meine Verwandten hatten , durch das verschleuderte Gold des Briten geblendet , die Bekanntschaft des Mädchens mit diesem begünstigt , ja , er kam täglich in ihr Haus und der Jungfrau Ruf war vernichtet , wahrscheinlich eher , als sie es wirklich verdient hatte . Erst als sie von meiner Ankunft auf Chios Nachricht erhielten , fanden sie es für gut , meine Rache fürchtend , dem Umgang ein Ende zu machen und Diona einzusperren . Es war zu spät ; in einer Nacht waren Beide , das Mädchen und ihr Liebhaber , entflohen und meine Kundschafterin betheuerte mir , daß die Kuppler selbst keine Ahnung hatten , wohin . Verschiedene kleine Umstände , namentlich daß man den Verführer noch vor drei Tagen hier gesehen haben will , ließen mich argwöhnen , daß das Paar noch in der Nähe sich aufhält und ich bot nun alles Mögliche auf , seine Spur zu verfolgen . Der Schurke Andrea war mir förderlich ; gestern Abend führte er mir den Mann zu , der das Paar über den Golf nach Bournabat in einer Barke geführt hatte . Hier bewohnten sie oder bewohnen sie noch ein wohlverwahrtes Landhaus , das dem englischen Viceconsul gehört , einem Mann von schlimmen Ruf , dem für Geld Alles feil ist und der für blanke Dublonen schon die ärgsten Schurken vom Galgen gerettet hat . « » Und haben Sie seit gestern Abend bereits Schritte gethan ? « » Heute Morgen führte mich derselbe Fährmann hinüber nach der Villeggiatura . Ich forderte Einlaß am