, indem er sie fest anschaute , » in diesem Moment mache ich von meinen Augen den mir liebsten Gebrauch . « » Und welchen ? « fragte lachend die Tänzerin . » Dich anzusehen , mein Kind ; das ist Trost und Licht in meinen Tagen . Heute Abend sieht dein Kopf aus wie der einer Fürstin , und wenn ich mein Bischen Phantasie zusammennehme , so könnte ich mir eine Zeit vorstellen , wo du ein wirkliches Diadem trägst und diese falschen Brillanten in deinem Haar echt und von großem Werthe sind . « » Wenn ich je dergleichen wünschte , « versetzte Clara , während sie eine der weißen mageren Hände ihres Vaters nahm und sie küßte , » so thäte ich es nur um deinetwillen . Welch ' schönes Leben würden wir führen ! - Aber warum haben die Kinder vorhin geweint ? Haben sie dich geärgert , muß ich sie zanken ? « » O nein ! o nein ! « erwiderte der alte Mann , » sie haben den Abend über recht artig gespielt ; ich habe mich selbst an ihren Kindereien ergötzt , « setzte er mit einem fast unmerklichen Seufzer hinzu , und lehnte sich in den Stuhl zurück ; » es ist eigenthümlich , sie haben sich große Gastmahle zubereitet und von herrlichem Essen und Trinken gesprochen . « » Während ihr zu Nacht gespeist ? « » Das könnte ich eigentlich nicht sagen , « antwortete der Vater . » Richtig , jetzt fällt mir etwas ein , was ich fast ganz vergessen hätte . « » Doch nicht , das Geld von dem Buchhändler holen zu lassen ? « fragte ängstlich das Mädchen . » O nein ! den Versuch habe ich wohl gemacht , « entgegnete schmerzlich lächelnd der alte Mann ; » aber der Herr Blasser sei nicht zu Hause , sagte man mir . « » Und darauf bekamt ihr kein Geld ? « » Natürlicher Weise , « antwortete gutmüthig der Vater . » Wenn man nicht zu Hause ist , kann man auch nicht bezahlen . « » Und euer Nachtessen ? - Ich hatte das so gut angeordnet . « » Ja , das hattest du , liebes Kind ; aber der Mensch denkt , Gott lenkt , und wo nichts ist , hat der Kaiser sein Recht verloren . Uebrigens hatte ich mich an den Phantasien der Kinder gelabt , und während wir gemeinschaftlich ein schwarzes , sehr gutes Brod aßen , träumten wir von Torten und Pasteten und allerlei köstlichen Leckerbissen . « » Halb und halb habe ich mir das gedacht , « sagte Clara , indem sie zu lächeln versuchte , » und wenigstens einiges Weißbrod mit nach Hause gebracht ; ich will geschwind zur Nachbarin gehen , ich sah noch Licht , als ich die Treppen herauf kam , und will mir etwas Milch von ihr geben lassen , dann mache ich euch in aller Geschwindigkeit eine kostbare Suppe . « Diese letzten Worte sprach sie mehr gegen das kleine Bettchen gewendet , worauf die Kinder sie mit strahlenden Blicken ansahen und mit dem Kopfe nickten ; der kleine Bub stand sogar auf , als Clara eilig das Zimmer verließ , und versuchte es , ihr nachzuschauen , was einen äußerst komischen Anblick gab , da seine Kehrseite nicht gehörig bekleidet war . Der alte Mann hatte sein Buch aufgeschlagen , die Feder eingedunkt und fing wieder an emsig zu schreiben . Clara ging mit einigem Widerstreben zu der Nachbarin , von der sie vorhin gesprochen . Es war dies eine Wittwe mit zwei Töchtern , von , wenigstens äußerlich , sehr frommem und gottesfürchtigem Lebenswandel ; so versäumte sie für ihre Person fast keinen Gottesdienst , und wenn ein Buh- und Bettag angesetzt war , so schlich sie zerknirscht über die Straßen und man hätte darauf schwören sollen , sie , obgleich frei von eigenen Lastern und groben Fehlern , habe sich aus Barmherzigkeit eine tüchtige Sündenlast ihrer Mitmenschen aufgeladen und helfe so aus christlicher Liebe die allgemeine Verderbniß geduldig mittragen . Was ihre Töchter anbelangte , so gingen diese nur in die Garnisonskirche und nur Vormittags von Zehn bis halb Zwölf , zur gleichen Zeit , wo auch fromme Soldaten , von gläubigen Lieutenants geführt , auf hohen und höchsten Befehl zum wohlgefälligen Wandel angehalten wurden . Die Wittwe mit ihrer Familie gehörte in die Klasse der » verschämten Hausarmen , « und wurde von Glaubensgenossen so reichlich unterstützt , daß sie alle ihre Zeit der Beschaulichkeit zuwenden konnte und nicht viel zu arbeiten brauchte . Sechstes Kapitel . Die Familie Wundel . Als Clara auf höfliches Anklopfen in das Zimmer trat , das , obgleich ebenfalls im vierten Stock , doch recht wohnlich und angenehm eingerichtet war , drang ihr der angenehme Duft eines guten Nachtessens entgegen , der von gerösteten Kartoffeln und Bratwürsten herzurühren schien , ein kräftiger Geruch , welcher der müden Tänzerin einen einzigen und stillen Seufzer abpreßte . Die Wittwe hatte sich eben zu Tische begeben und saß in einem guten Stuhle ; die eine , ihrer Töchter hatte ebenfalls Platz genommen , die andere befand sich noch vor dem Spiegel , um ihre Frisur wieder in Ordnung zu bringen , die durch Abnahme des Hutes einigermaßen Schaden gelitten . Das Zimmer war von einer lieblichen Wärme erfüllt , denn in dem Ofen krachte und prasselte ein gutes Holz . » Ei , Fräulein Clara , « sagte die Wittwe , indem sie die ergriffene Gabel wieder niederlegte , » was verschafft uns noch so spät das Vergnügen ? « » Ich wollte Sie nur freundlichst bitten , Madame Wundel , « entgegnete das Mädchen , » mir mit ein wenig Milch auszuhelfen ; die unsere ist alle geworden und ich bin so spät aus dem Theater gekommen , daß der Laden im Nachbarhaus bereits geschlossen war . « » So , so , Milch wollen Sie haben ? - Du