ich ihr etwas einbliese , worauf mein gnädiger Herr , Herzog Philippus auf deutsch sagete : wenn du groß geworden bist und einmal heirathen wilt , so sags mir , dann solltu von mir wieder einen Ring haben und was sonsten noch vor eine Braut gehöret , denn du hast mir heute einen guten Dienst gethan , angesehen mir dieser Ring ein groß Kleinod ist , da ich ihn von meiner Frauen empfangen . Ich blies ihr darauf ein , Sr : fürstlichen Gnaden vor solches Versprechen die Hand zu küssen , was sie auch thät . ( Aber , ach , du allerliebster Gott , versprechen und halten , seind zweierlei Ding ! Wo ist jetzt Se : fürstlichen Gnaden ? Darumb laß mich immer bedenken : nur Du bist allein wahrhaftig und was Du zusagst hälltstu gewis . Ps . 33 , 4. Amen . ) Item als Se . fürstliche Gnaden nunmehro auch nach mir und meiner Pfarren gekundschaftet und gehöret , daß ich alt adlichen Geschlechtes und mein Salarium fast zu schwach sei , rief sie dero Canzler D. Rungium , der draußen an dem Sonnenzeiger stund und schauete , aus dem Fenster und befahle ihme , daß ich vom Kloster zu Pudgla , item von dem Kammergut Ernsthoff eine Beilage haben sollte , wie oben bemeldet . Aber Gott seis geklagt , habe selbige niemalen erhalten , obwohl das Instrumentum donationis17 mir bald hernach auch durch Sr : fürstlichen Gnaden Canzler gesendet ward . - Daraufgab es vor mich auch Blinschen , item ein Glas wälschen Wein aus einem gemalten Wappenglas , worauf ich demüthig mit meinem Töchterlein meinen Abtritt nahm . Umb nun aber wieder auf meine Kaufmannschaft zu kommen , so kann männiglich vor sich selbsten abnehmen , welche Freude mein Kind empfand , als ich ihr die schöne Dukaten und Gulden wiese , so ich vor den Birnstein erhalten . Der Magd aber sagten wir , daß wir solchen Segen ererbet durch meinen Bruder in Holland , und nachdem wir abermals dem Herrn auf unsern Knieen gedanket , und unser Mittagsbrod verzehret , hielten wir gute Kaufmannschaft an Fleisch , Brode , Salz , Stockfisch , item an Kleidern , angesehen ich vor uns drei von dem Wandschneider die Winternothdurft besorgete . Vor mein Töchterlein aber kaufte noch absonderlich eine gestrickte Haarhaube und ein roth seidin Leibichen mit schwarzen Schurzfleck und weißem Rock , item ein fein Ohrgehänge , da sie fast heftig darumb bat , und nachdem ich auch bei dem Schuster die Nothdurft bestellet , machten wir uns endiglichen , da es fast schon tunkel ward , auf den Heimbweg , kunnten aber fast nit alles tragen , so wir eingekaufet . Derohalben mußte uns ein Bauer von Bannemin helfen , so auch zur Stadt gewesen war , und als ich von ihm erforschet , daß der Kerl , so mir die Schnede Brod gegeben , ein Katenmann , Namens Pantermehl gewest , und an der Dorfstraßen wohne , schobe ich ihm zwo Brode in seine Hausthüre , als wir davor gekommen , ohne daß er es gemerket , und zogen darauf unserer Straßen bei gutem Mondschein weiter , so daß wir auch mit Gotts Hülfe umb 10 Uhren Abends zu Hause anlangeten . Dem andern Kerl hatte ich auch vor seine Mühe ein Brod geben , obwohl er es nit verdient , angesehen er nit weiter als bis zum Zitze mit uns gehen wollte . Doch laß ihn laufen , habs ja auch nit verdienet , daß mich der Herr so gesegnet ! - Fußnoten 1 Dorf auf der Hälfte des Weges zwischen Coserow und Wolgast , jetzt Zinnowitz geheißen . 2 In dem hiesigen Pfarrarchiv sind auch noch einige , obgleich sehr kurze und unvollständige Andeutungen von seinen Leidenstagen während jenes Schreckenskrieges vorhanden . 3 Bude , davon Büdner , eine Hütte . 4 Der alte Herr hat sie sogar unter die noch vorhandenen Kirchenrechnungen gesetzt , und mögen ein Paar davon zur Probe hier stehen : auf 1620 / VsqVe qVo DoMIncCerIs , sIs nobIs pater ! auf 1628 / InqVe tVa DeXtra fer operaM tV ChrIste benIgne ! 5 Auch Micraelius im alten Pommernlande , v. 171 , 12. gedenket dieses Umstandes , sagt aber blos : » Die nach Stralsund überliefen waren ganz schwarz vom erlittenen Hunger anzusehen . « Daher wohl die seltsame Uebertreibung des Wirths und der noch seltsamere Schluß unsers Autors . 6 vergl . Hellers Chronik der Stadt Wolgast , S. 42 ff. die Unordnung rührte wohl daher , weil der Nachfolger von Philippus Julius ( 6ten Febr . 1625 ) und zugleich der letzte Pommersche Herzog , Bogislaus XIV. in Stettin residirte . Zur Zeit ist das Schloß eine gänzliche Ruine , und nur noch mehrere große mit Kreuzgewölben versehene Keller sind vorhanden , in welchen die dortigen Kaufleute zum Theil ihre Waaren-Niederlagen haben . 7 besonders , privatim . 8 Räuber . 9 Auch Micraelius gedenket dieser holländischen Handelsleute , a.a.O.V. , S. 171 , behauptet aber , die Ursache ihres Todes sei zweifelhaft gewesen , und habe der Stadtphysikus Dr. Laurentius Eichstadius in Stettin , einen eigenen medizinalischen Discurs darüber geschrieben . Doch nennt er einen derselben Kiekepost anstatt Kiekebusch . 10 Gestrenge Fürsten , wer von Euch hat diesen Ring verloren ? 11 ich bin die Tochter des Pfarrers zu Coserow . 12 Der Vater von Philippus Julius zu Wolgast den 17ten Junius 1592 . 13 mein süßes Mädchen , ich habe ihn verloren . 14 Aber wer bist du und woher kömmst du ? 15 Vielleicht Plinze , eine Art Kuchen . 16 Anna Maria Schurmann geb . zu Cöln am 5ten Novbr . 1607 , gestorben zu Wiewardin d. 5ten May 1678 wär nach dem übereinstimmenden Zeugniß ihrer Zeitgenossen ein Wunder der Gelehrsamkeit und vielleicht das gelehrteste Weib , das je auf Erden lebte . Der Franzose Nande urtheilt von ihr ; was die Hand bilden und der Geist fassen kann , trifft man bei