, meinte Madame Meier , gehört aber die stille Sabbathfeier zu den Gesetzen der jüdischen Religion , die mir sehr gefallen und zusagen - obgleich wir sie nicht mehr halten . Ich finde es auch sehr schön , sagte Jenny , aber es ist doch nicht für alle Menschen , eigentlich nur für Juden gemeint ; denn ich habe bei Madame Steinheim selbst gesehen , daß ihr christliches Dienstmädchen die Lichter putzte , was sie selbst nicht that . Also meinen Sie , fragte Steinheim , der sich neben Jenny ' s Stuhl hingesetzt hatte , da das Dienstmädchen Licht putzen darf , so kann das Pferd auch ziehen ? Ja ! sagte Jenny leise , während sich bereits eine andere Unterhaltung in der Gesellschaft entsponnen hatte . Ja ! die Pferde könnten wohl arbeiten , da sie nicht Juden sind . Und was sind sie denn ? fragte Steinheim ebenfalls leise , um die Andern nicht zu stören . Weiß ich ' s ? war die Antwort , vermuthlich Christen ! - oder Heiden ! fügte sie schleunig hinzu , bemerkend , daß Reinhard , der an ihrer andern Seite saß , jedes Wort dieser kindischen Unterhaltung gehört hatte , und sich unwillig abwendete , als Steinheim in ein laut schallendes Gelächter verfiel , dessen Grund er aber , auf Jenny ' s eifriges Bitten , nicht sagen wollte , so sehr man auch in ihn drang . Durch Reinhard ' s Brust waren die letzten Worte wie ein fliegendes Weh gezogen , wie ein eisiger Frost über die ersten schönen Blüthen des Frühlings . Diese Leichtfertigkeit , dies Scherzen mit Allem , was Andern heilig ist , das war es eben , was oft so trennend zwischen Jenny und seiner Liebe gestanden hatte . Er liebte ihre reiche , schöne Natur , ihr lebhaftes Gefühl , und wurde es doch nur zu häufig mit Betrübniß gewahr , daß Jenny , in Folge ihrer Erziehung und der Verhältnisse , in denen sie aufgewachsen war , eine Richtung genommen hatte , die seiner ganzen Seele widerstrebte , die auch Eduard mißbilligte , die aber zu ändern ihren beiderseitigen Bemühungen bis jetzt nicht gelungen war . Reinhard glaubte an ihr Herz , er liebte sie , wie ein kräftiges Gemüth nur zu lieben vermag - und doch fühlte er eine Scheidewand zwischen sich und der Geliebten ; doch konnte er die bange Ahnung nicht unterdrücken , es stehe ein Etwas trennend zwischen ihm und ihr . Jetzt bei Jenny ' s letzten Worten erwachte das Gefühl aufs Neue und heute um so schmerzlicher in ihm . Trüb und verstimmt nahm er , als sich die Gesellschaft trennte , von der Geliebten Abschied , trüb und verstimmt schritt er an seiner Mutter Seite heim , während Jenny in ihrem Zimmer Thränen der bittersten Reue vergoß . Sie wußte , was sie ihm angethan hatte , aber so hatte sie heute doch nicht von ihm zu scheiden geglaubt . - Er hatte keinen Blick für sie gehabt , und jetzt wußte er es doch , daß sie ihn liebte . Die schöne Clara lag , während sich dies Alles begab , von Schmerzen gepeinigt auf ihrem Krankenlager . Jung , schön und gut , umgeben von Reichthum und Luxus , hatte sie doch niemals das Glück gekannt , für das allein sie geschaffen schien . In ihrem väterlichen Hause war die unglückliche Ehe ihrer Eltern eine Quelle des Leidens für sie geworden . Nur der Wunsch , sich in der Welt vorwärts zu bringen , hatte ihren Vater einst dazu vermocht , um seine Gattin zu werben , die , wie schon früher erwähnt , einer der angesehensten Familien der Kaufmannsaristokratie angehörte . Die Commerzienräthin war einige Jahre älter als ihr Gatte , hatte aber , als sie sich mit ihm verband , noch vollen Anspruch auf die Bewunderung ihrer regelmäßigen kalten Schönheit zu machen , und glaubte , ein Recht auf die Verehrung ihres Mannes , auf seinen Dank zu besitzen , weil sie sich entschlossen , zu einer Verbindung zu schreiten , die damals noch keine glänzende Aussicht geboten hatte . Liebe brachten beide Theile nicht in das neugegründete Hauswesen ; und als bald darauf der herrschsüchtige Charakter der Frau dem jungen Manne sein Haus zur Plage machte , und er sich immer mehr von ihr zurückzog , artete ihre Stimmung in eine Bitterkeit , in eine starre Kälte aus , die vollends dazu beitrug , die Gatten von einander zu entfernen . Die Geburt ihres Sohnes schien eine Zeitlang das Herz der Mutter mildern Gefühlen gegen den Vater des Kindes zu öffnen . Es war aber zu spät , um den Frieden herzustellen . Horn hatte sich , fortgerissen von andern Männern und einem sinnlichen Temperamente , einer Lebensart überlassen , welche seiner Frau gerechten Grund zur Klage bot , und als einige Jahre später Clara geboren wurde , fehlte schon an ihrer Wiege das Lächeln beglückter Elternliebe . Ihr Sohn war das einzige Wesen , an dem die Mutter hing . Ihm wurde , sobald er nur im Stande war , seinen Willen zu äußern , jeder Wunsch erfüllt ; und eben so schwach und nachsichtig gegen den Sohn , als streng gegen alle Andere hatte die Commerzienräthin den jungen Mann zu dem weichlichen , kalten und hochmüthigen Stutzer erzogen , als welchen wir ihn am Anfang dieser Erzählung zuerst erblickten . - Um die liebliche Clara hatte die Mutter sich wenig nur gekümmert . Die Kleine war früh einer Gouvernante übergeben worden , die glücklicher Weise ganz dazu geschaffen war , die Seele des jungen Mädchens zu bewahren und auszubilden . Von den Eltern nicht mehr als nothdürftig beachtet , geneckt und geplagt von den eigensinnigen Launen des Bruders , gewöhnte sich Clara schon in erster Kindheit an eine Fügsamkeit und Anspruchslosigkeit , die später der edelste Schmuck der schönen Jungfrau wurden . Nicht ohne Stolz sah der Vater auf die Bewunderung , die das erste Auftreten Clara