gewiß bei seinen Novellen von Walseth und Leith und den vier Norwegern und Malcolm dem Buchbinder eine gleiche Vergünstigung eingeräumt . Vor ein sieben , acht Jahren hätte mir noch keiner so etwas bieten dürfen , aber ich bin - - - - müde geworden , hatte ich geschrieben , lieber Herr Buchbinder , und recht im Vertrauen auseinandergesetzt , warum man in der Welt jetzt so müde werden kann . Zwei Damen aber , denen ich den Brief vorlas , sagten , das dürfe durchaus nicht stehen bleiben ; der müde und weinerliche Ton zieme sich platterdings nicht für mich . Sie haben recht . Mag die Welt uns alles versagen , die Geschichte und die Natur kann sie uns nicht versperren . Ich will die Buben heulen und greinen lassen über das Elend , welches sie doch eben hauptsächlich machen helfen . Nein , Herr Buchbinder , unsere Augen sollen wacker bleiben , und die Wunden sollen uns schön stehen . Aber was halten Sie von dem » Münchhausen « , und was meinen Sie , das aus ihm werden wird ? IV. Der Buchbinder an den Herausgeber Ew . Wohlgeboren , aus dem » Münchhausen « wird nichts ; da Sie denn doch meine Meinung wissen wollen . Dieses tut indessen nichts . Ein Buch , aus dem nichts wird , mehr oder weniger in der Welt , verschlägt nichts . Und dann können wir den einzelnen Abschnitten doch noch in etwa nachhelfen . Für diesen ersten habe ich schon so ein Hausmittelchen in Gedanken . Der ich übrigens usw. V. Der Herausgeber an den Buchbinder Welches Hausmittelchen , lieber Herr Buchbinder ? Ich bin äußerst gespannt auf Ihre ferneren Mitteilungen . Mit Achtung usw. VI. Der Buchbinder an den Herausgeber Ew . Wohlgeboren , Briefwechsel sind jetzt beliebt , wenn sie auch nur Nachrichten von Schnupfen- und Hustenanfällen der Korrespondenten enthalten . Lassen Sie unsern Briefwechsel im ersten Buche mit abdrucken ; der hilft ihm auf . VII. Der Herausgeber an den Buchbinder Auch unsre letzten Zettel ? VIII. Der Buchbinder an den Herausgeber Jawohl . IX. Der Herausgeber an den Buchbinder Wohl ! X. Der Buchbinder an den Herausgeber ( Kuvert um die Briefe des Herausgebers ) Erstes Kapitel Von dem Schlosse Schnick-Schnack-Schnurr und seinen Bewohnern In der deutschen Landschaft , in welcher ehemals das mächtige Fürstentum Hechelkram lag , erhebt sich eine Hochebne , von braunem Heidekraute überwachsen . Hin und wieder sticht aus dieser dunkeln Fläche ein spitziges Gestein hervor , mit weißstämmigen Birken oder dunkeln Tannen umsäumt . Nach Mitternacht rücken die Steinlager so nahe aneinander , daß sie für eine kleine Gebirgskette gelten können . Verschiedne Fußpfade laufen durch die Ebne , vereinigen sich aber in der Nähe der beiden höchsten Felsen zu einem breiteren Wege , der zwischen diesen Felsen sacht bergan führt . Nach einigen Windungen fällt derselbe in eine Straße , welche ehemals bepflastert gewesen sein mag , nun aber durch ausgerissene Steine und grundlose Geleise mehr das Ansehen eines gefährlichen Klippenweges erhalten hat . Nichtsdestoweniger ist diesem holprichten und halsbrechenden Wege bis auf die neuesten Zeiten der Name der Schloßstraße verblieben . Denn man sieht oder sah , kurz nachdem man sie betreten , das Schloß , welches die Überschrift dieses Kapitels nennt , auf einem ziemlich kahlen Hügel liegen . Je näher man demselben kommt , oder kam , denn am heutigen Tage ist davon nur noch ein Trümmerhaufen übrig , desto deutlicher springt , oder sprang die ungemeine Baufälligkeit des Schlosses in das Auge . Was zuvörderst die Pforte betrifft , oder betraf , so standen zwar deren beide steinerne Pfeiler noch , und auf dem rechten hatte sich sogar der statuarische Löwe als Wappenhalter zu behaupten gewußt , während sein Partner von dem linken Pfeiler hinab in das hohe Gras gesunken war , allein das eiserne Pfortengegitter selbst war längst weggebrochen und zu andern Zwecken verwendet worden . Die Gefahr , welche hieraus für das Gebäude von räuberischen Überfällen zu besorgen stand , war aber nur bei trocknem Wetter vorhanden . Wenn es regnete ( und es pflegt oft in jener Gegend zu regnen ) , so verwandelte sich bald der Burghof in einen undurchwatbaren Sumpf , auf welchem , wenn die Geschichte nicht Lügen berichtet , zuweilen selbst Schnepfen sich hatten betreten lassen . Völlig entsprechend diesem Zugange war das Äußere und Innere des Schloßgebäudes selbst . Die Wände hatten ihre Tünche , ja zum Teil ihren Bewurf verloren . Nach einer Seite hin war die Giebelwand bedeutend ausgewichen und durch einen Balken gestützt worden , der aber am unteren Ende auch schon zu morschen begann , und daher nur eine geringe Zuversicht gewährte . Ließ man sich nun durch diesen Anblick nicht abschrecken , in das Gebäude eintreten zu wollen , so bot die Türe immer noch ein großes Hindernis dar . Denn die Feder war in dem alten verrosteten Schlosse längst untätig geworden , und die Klinke gab nur wiederholtem und gewaltsamem Drücken nach , bei welchem sie aber nicht selten aus ihrer Mutter fuhr und dem Klinkenden in der Hand sitzen blieb . Die Bewohner pflegten sich daher auch mehr eines nach und nach sehr erweiterten Loches in der Wand zum Ein- und Ausgange zu bedienen , und dieses nur für die Nachtzeit durch vorgesetzt Tonnen und Kasten zu versperren . Wenn man die Fenster die Augen eines Hauses nennen darf , so konnte man dieses sogenannte Schloß mit gutem Rechte zum Teil erblindet heißen . Denn nur vor wenigen und den notwendigsten Zimmern waren jene Augen noch ersichtlich , viele andere Gelasse waren für immer durch die zugemachten Läden in Dunkelheit versetzt worden , weil sich die Scheiben nach und nach aus den Rahmen verloren hatten . Zwischen so morsch gewordnen vier Pfählen und in kahlen , vernutzten Zimmern Lauste noch vor wenigen Jahren ein bejahrter Edelmann , den sie in der ganzen Gegend nur den alten Baron nannten , mit seiner gleichfalls verblühten nachgerade vierzigjährigen Tochter Emerentia .