in wenigen Minuten war der Tisch gedeckt . Cornelie nahm mit der Kelle die Eier aus dem Wasser , setzte sie auf , ging in die Krankenstube , kehrte , ein neues Schürzchen vorgebunden , zurück , und nötigte , zierlich sich verneigend , ihren Gast zum Essen . Hermann hatte mit Behagen den lieblichen Gestalten zugesehn , wie sie sich geschäftig vor dem Feuer des Herdes hin und her bewegten . Es war , als führten sie seit Jahren eine Wirtschaft , so geschickt war alles Häusliche von ihnen besorgt worden . Nun setzte er sich mit seinen jungen Wirten zu Tische , nicht neben Cornelien , denn zwischen sie und ihn hatte sich Bruder Ferdinand geschoben . Hermann mußte über die kindische Eifersucht lächeln . Der Knabe genoß , obgleich er vorher sehr hungrig getan hatte , nun fast gar nichts , hing mit seinen Blicken an Cornelien , und drückte ihr verstohlen die Hand , sooft sie dieselbe vom Tische nahm . Sie litt es einige Male , dann aber zog sie dieselbe hinweg , und sah verschämt nach Hermann hinüber . Nur das Feuer des Herdes leuchtete zu dem kleinen Mahle , Kerzen hatten die Kinder nicht zu finden gewußt . Sie plauderten allerlei ; vom Vater und dem nach ihm geschickten Boten , daß der Vater gewiß morgen kommen werde , daß nun alles gutgehe , da die Mutter nur das Flußfieber habe . Dieses Wort , und die Gegenwart Hermanns hatte sie beruhigt , sie schienen ihre Angst vergessen zu haben . Die Kranke war auch still geworden , und lag in einem tiefen Schlummer . Hermann fühlte sich in dieser Stille ungemein wohl . Er kam sich wie ein Hausvater vor ; alles war so heimlich , traut und natürlich , der kleine Tisch , die schönen Kinder , manch ländliches Gerät umher im ungewissen Feuerschein . Um die Ekloge zu vollenden , erhoben sich ein paar breitgestirnte Kühe , durch das späte Geräusch aufgestört , von ihrer Schlummerstätte und streckten über die Krippe ihre Köpfe dumm und zutraulich nach den Menschen hinüber . Endlich hieß Hermann die Kinder , welche , überwacht , noch munter fortschwatzen wollten , sich niederlegen . Er versprach ihnen , wach zu bleiben , und auf die Mutter zu achten . Die Wanduhr hatte Eins geschlagen . Ferdinand ging , Cornelie machte noch ein Glas Brotwasser für die Kranke zurecht . Dann wollte sie dem Bruder folgen , und wünschte ihrem Beschützer wohl zu schlafen . Dieser umfaßte sie , und wollte ihr unbefangen , wie man mit Kindern zu tun pflegt , einen Kuß geben . Aber sanft entwand sie sich ihm , und flüsterte ängstlich : » Ach nein , lassen Sie das doch ! « Indem sie ging , kam sie ihm länger vor , er wußte nicht , wo er zuerst die Augen gehabt hatte , daß sie ihm so gar klein erschienen war . Eilftes Kapitel Nun war er mit sich allein , in tiefster nächtlichster Stille , die nur von dem einförmigen Schlage des Perpendikels belebt wurde . Er ging in die Krankenstube , wo er jetzt erst in einer Ecke allerhand aufgespeichertes Reisegerät : Koffer , lederne Behälter , Körbe und dergleichen bemerkte . Was diese Zusammenhäufung von Dingen in einem Wohnzimmer , denn das schien jene Stube zu sein , bedeuten sollte , war ihm unerklärlich . Einige Bücher lagen unter den Sachen umher , eins derselben nahm er zur Hand . Er wollte versuchen , am Herde , dessen Glut er mit einigen Kienscheiten erfrischte , zu lesen . Es waren die Schriften von Novalis . Blätternd stieß er auf das schöne Märchen von Hyacinth und Rosenblütchen , welches so lieblich die Lehre ausspricht , daß wir mit allem Suchen nur unsre Kindheitswonne wiederzufinden streben . In den Fragmenten umhersehend , fand er den Satz : » Wer rechten Sinn für den Zufall hat , der kann alles Zufällige zur Bestimmung eines unbekannten Zufalls benutzen . Auch der Zufall ist nicht unergründlich , er hat seine Regelmäßigkeit . « Ihm schmerzten die Augen , er tat das Buch hinweg . » Kann man doch alles behaupten , wenn man nur den Mut dazu hat « , sagte er . » Wir haben so ziemlich jegliches Ding nach Schnur und Maß geordnet , nur der Zufall hatte sich noch seine weltalten Launen vorbehalten . Nun will uns der schlafengegangne Magus überreden , daß wir auch diesen äußersten dunkelsten Winkel der Welt mit unsrem Lichte erleuchten können . Wohlan , welche Regel ist in dem Gastmahle , vom Zufall mir in diesen letzten vierundzwanzig Stunden aufgetischt ? Was für eine Lehre hat mir das Begegnen Flämmchens , das sonderbare Benehmen der Herzogin , und meine letzte improvisierte Hausvaterschaft geben wollen ? « Noch einmal das Buch in die Hand nehmend , schüttelte er ein Blatt , lose eingelegt , heraus . Er hob es auf . Es war eine kolorierte Zeichnung ; ein tiefes gewundnes Tal , mit weißen langen Gebäuden besetzt . Er las mühsam die Unterschrift ; wie erstaunte er , als er den Namen der Fabriken seines Oheims fand ! » Wie mag diese Landschaft sich hieher verloren haben ? « fragte er . » Willst du mir vielleicht ein Zeichen deiner Regelmäßigkeit geben , rätselhafter Gott Zufall ? Lauscht hinter den Geldsäcken des Oheims mein Rosenblütchen ? « Die Augen sanken ihm vor Müdigkeit zu . Er fand einen Lehnstuhl , in dem er sich bequem zurechtsetzte . Doch schlief er nicht ein . Er befand sich in dem überreizten Zustande , worin die Phantasie , unwillkürlich , aus eigner , losgebundner Kraft nicht müde wird , ihr mischbuntes Arabeskengedicht zu spinnen . Die Figuren des Tages wuchsen ihm aus Blumen entgegen , zerstäubten in Flocken , setzten sich aus den Flocken wieder zusammen , strichen hinüber und herüber . Zwischen allen diesen Phantasmen kehrte eine Erscheinung am öftersten wieder . Aus weiter Ferne sah ihn