möglich dem Pfarrer die nöthigen Mittheilungen zu machen und den gewünschten Beistand von ihm zu erbitten . Der Geistliche bekämpfte eine Zeitlang den Entschluß des Grafen , ein Stück des Waldes abzutreten , indem er ihm auseinandersetzte , daß die Ansprüche des Barons sich auf leere Einbildungen gründeten ; da er aber sah , daß der Graf entschlossen war , ein kleines Opfer zu bringen , um Weitläuftigkeiten zu vermeiden , so übernahm er gern den gegebenen Auftrag und versicherte im Voraus , daß dies Anerbieten sehr bereitwillig vom Baron würde angenommen werden . Der Graf dankte ihm vorläufig und stand auf , um Abschied zu nehmen . Ich fahre morgen nach Heimburg , sagte der Pfarrer , und komme dann übermorgen zu Ihnen und bringe Ihnen die Antwort . Zufrieden , dies Geschäft so eingeleitet zu haben , trabte der Graf heiteren Muthes nach seinem Schlosse zurück und kam noch zeitig genug an , um zu Mittag zu speisen . VI Versprochener Maßen fand sich der Pfarrer auf dem Schlosse ein , um die Antwort des Baron Löbau zu überbringen , die so ausgefallen war , wie er es vorhergesagt hatte , und schlug nun in dessen Namen vor , die Grenze in der künftigen Woche zu führen . Der Graf war dazu bereit , doch bemerkte der Geistliche , daß sein Betragen nicht so offen war wie sonst . Es schien ihn etwas zu beunruhigen , worauf seine Gedanken unwillkührlich immer wieder zurück kamen . Der Pfarrer blieb zu Mittag auf dem Schlosse , und der Arzt machte bei Tische Mittheilungen über den Zustand des Kranken , die ungemein günstig lauteten ; man konnte aber bemerken , daß der Graf , so lebhaft er auch daran Theil nahm , doch nicht dadurch erheitert wurde . Auch die Gräfin schien verstimmt , und die Unterhaltung wurde nur mühsam fortgeführt . Da ich doch einmal auf Heimburg war , fing der Pfarrer nach einer Pause an , während welcher Jedermann mit sich beschäftigt war , so wollte ich auch gleich versuchen , ob ich nichts für den Schulzen thun könne , und erzählte dort den Todesfall der alten Schenkwirthin und auch die Verlegenheit wegen der Ausmittelung seiner Base . Die Frau Baronin versicherte mir , fuhr er fort , indem er sich an die Gräfin wendete , ich würde von der Frau Gräfin die beste Auskunft erhalten können . Von mir ? fragte die Gräfin verwundert . Sie wissen , ich bin hier wie eine Fremde zu betrachten , wie könnte ich Auskunft über den Schulzen oder seine Base geben ? Ich hatte erfahren , erwiederte der Pfarrer , daß die Miterbin des Schulzen einmal bei Ihrer seligen Frau Mutter gedient hatte , und theilte dies der Frau Baronin mit . Da beide Häuser immer in vielfachem Verkehr mit einander gestanden haben , so hoffte ich mit Recht etwas Näheres zu erfahren . Die Frau Baronin ließ ihre alte Dienerschaft rufen , und darunter sind noch manche , die sich recht gut der Zeit und der Person erinnern , und sie versicherten alle einstimmig , als die Frau Gräfin mit ihrer verstorbenen Frau Mutter vor einigen zwanzig Jahren nach fremden Ländern verreist sei , hätte sie diese Lore Breitler zu ihrer Bedienung mitgenommen , und sie würde sich also wahrscheinlich erinnern , ob sie gestorben , oder wo sie sonst geblieben sei . Die Gräfin schrak ein wenig zusammen , als sie den Namen hörte , und eine feine Röthe färbte die blassen Wangen ; Beides entging dem beobachtenden Geistlichen nicht , eben so wenig , als die Bewegung in der Stimme , mit welcher die Gräfin nach einer kleinen Pause sagte : Es ist wahr , wir hatten diese Person zu unserer Bedienung mit uns genommen , sie hat uns aber nachher verlassen , und ich weiß nicht mehr , ob sie in Frankreich oder in der Schweiz von uns gekommen ist , auch habe ich nie wieder etwas von ihrem Schicksale erfahren . In welchem Jahre hat sie wohl Ihren Dienst verlassen ? fragte der Pfarrer , indem er den Blick fest auf die Gräfin heftete . Ich vergesse so leicht Jahrzahlen , sagte die Gräfin , ich kann mich in der That nicht erinnern . War sie noch bei Ihnen , fragte der Pfarrer im Ton eines Polizeibeamten , der eine Untersuchung zu führen hat , nachdem Sie mit dem Herren Grafen vermählt waren ? Nein , antwortete die Gräfin mit Beklemmung , ungefähr ein halbes Jahr vorher war sie von uns weggekommen . Nun , dann läßt sich ja das Jahr ausmitteln , bemerkte der Pfarrer mit unbescheidenem Lächeln , denn die Frau Gräfin werden ohne Zweifel sich des Jahres Ihrer Vermählung erinnern . Es sind in diesem Herbst fünfzehn Jahre gewesen , sagte der Graf mit mehr Stolz in Haltung und Mienen , als man gewöhnlich an ihm bemerkte , daß ich so glücklich gewesen bin , mich mit der Gräfin zu verbinden , und ich glaube , fuhr er mit einem Tone der Stimme fort , der offenbar den Geistlichen in seine Schranken zurückweisen sollte , Sie werden nun die Nachforschungen nach der Base des Schulzen fortsetzen können , ohne daß die Gräfin ferneren Antheil daran zu nehmen braucht . Der Pfarrer wurde empfindlich , doch fühlte er auch zugleich , daß er selbst zu weit gegangen war , und wollte sein Verhältniß zum Grafen nicht verderben . Emilie suchte einigemale ein Gespräch anzuknüpfen , die Unterhaltung aber wollte kein Leben gewinnen , und Jedermann athmete freier , als die Tafel aufgehoben wurde . Die Gräfin und Emilie verließen den Saal sogleich , der Arzt entfernte sich , um einige Kranken zu besuchen , und der Graf ging mit dem Pfarrer einige Zeit stillschweigend im Gesellschaftszimmer auf und ab . Ich habe heute unsern Verwundeten noch nicht besucht , sing der Pfarrer nach langem Schweigen an ; wenn der Herr Graf erlauben , möchte ich wohl jetzt sehen , wie er sich befindet .