solches Lied aber erfüllt meine Seele mit der lieblichsten Stimmung , keine Mahnung , keine weise Lehren könnten mir je so viel Gutes einflößen ; es befreit mich von aller Selbstsucht , ich kann andern alles geben und gönne ihnen das beste Glück , ohne für mich selbst etwas zu verlangen ; das macht , weil es vom reinen edlen Stil ist . So könnte ich noch manches seiner Lieder hersetzen , die mich über alles erheben und mir einen Genuß schenken , der mich in mir selber reich macht . Das Lied : Die schöne Nacht , hab ich wohl hundertmal dies Jahr auf spätem Heimweg gesungen : Luna bricht durch Busch und Eichen , Zephyr meldet ihren Lauf , Und die Birken streun mit Neigen Ihr den schönsten Weihrauch auf . Wie war ich da glücklich und heiter in diesem Frühjahr , wie die Birken während meinem Gesang rund um mich her der eilenden Luna wirklich ihren duftenden Weihrauch streuten . Es soll mir keiner sagen , daß reiner Genuß nicht Gebet ist . Aber in der Kirche ist ' s mir noch nimmer gelungen , da hab ich geseufzt vor schwerer Langenweile , die Predigt war wie Blei auf meinen Augenlidern . O je , wie war mir leicht , wenn ich aus der Klosterkirche in den schönen Garten springen konnte , da war mir der geringste Sonnenstrahl eine bessre Erleuchtung als die ganze Kirchengeschichte . Das zweite Kunstwerk , welches ich Ihr beschreibe , ist ein Delphin aus einem großen Elefantenzahn gemacht ; er sperrt seinen Rachen auf , in den ihm zwei Amoretten das Gebiß einlegen ; ein andrer , der auf dem Nacken des Delphins sitzt , nimmt von beiden Seiten den Zaum ; auf der Mitte des Rückens liegt ein goldner Sattel mit einem Sitz von getriebener Arbeit , welches Laubwerk von Weinreben vorstellt ; inmitten desselben steht Bacchus von Elfenbein ; ein schöner , zarter , schlanker Jüngling mit goldnen Haaren und einer phrygischen Mütze auf ; er hat die eine Hand in die Seite gestemmt , mit der andern hält er einen goldnen Rebstock , der unter dem Sattel hervorkommt und ihn mit schönem , feinem Laub überdacht ; auf beiden Seiten des Sattels sind zwei Muscheln angebracht wie Tragkörbe , darin sitzen zwei Nymphen von Elfenbein in jedem und blasen auf Muscheln ; die breiten Floßfedern , so wie der Schwanz des Fisches sind von Gold und Silber gearbeitet ; unmittelbar hinter dem Sattel schlängelt sich der Leib des Fisches aufwärts , als ob er mit dem Schweif in die Lüfte schnalze ; auf dem Bug desselben sitzt ein zierliches Nymphchen und klatscht in die Hände ; dieses kommt etwas höher zu stehen und sieht über die Gruppe des Bacchus herüber ; die Floßfedern des Schweifes bilden ein zierliches Schattendach über der Nymphe ; der Rachen des Fisches ist inwendig von Gold ; man kann ihn auch mit Wein füllen , der dann in zwei Strahlen aus seinen Nüstern emporspringt ; man stellte dieses Kunstwerk bei großen Festen in einem goldnen Becken auf den Nebentischen auf . Dieses ist nun ein Kunstwerk vom erhabenen Stil , und ich kann auch sagen , daß es mich ganz mit stummer heiliger Ehrfurcht erfüllte . Noch viele dergleichen sind da ; alles hat Bezug auf den Rhein , unter andern ein Schiff von Zedernholz , so fein gemacht , mit schönen Arabesken ; ein Basrelief umgibt den Oberteil des Schiffes , auf dessen Verdeck die drei Kurfürsten von Köln , Mainz und Trier sitzen und zechen ; Knappen stehen hinter ihnen mit Henkelkrügen . Dies hat mir nicht so viel Freud gemacht , obschon viel Schönes daran ist , besonders die Glücksgöttin , die am Vorderteil des Schiffes angebracht ist . Ich beschreib Ihr noch einen Humpen , das ist ein wahres Meisterstück und stellt eine Kelter vor . In der Mitte steht ein hohes Faß , das ist der eigentliche Humpen ; auf beiden Seiten klettern in zierlichen Verschlingungen Knaben hinauf mit Butten voll Trauben über die Schultern von Männern , um an den Rand zu gelangen und ihre Trauben auszuschütten ; in der Mitte , als Knopf des Deckels , der etwas tief in den Rand des Humpens paßt , steht Bacchus mit zwei Tigern , die an ihm hinanspringen ; er ist im Begriff , die Trauben , deren gehäufte Menge mit einzelnen Ranken dazwischen , den Deckel bilden , mit den Füßen zu keltern . Die Knaben , die von allen Seiten herüberreichen , um ihre Gefäße mit Trauben auszuleeren , bilden einen wunderschönen Rand ; die starken Männer am Fuß der Kelter , die die kleinen Knaben auf ihre Schultern heben und auf mannigfache Weise heraufhelfen , sind ganz außerordentlich herrlich , nackt , einem oder dem andern hängt ein Tigerfell über dem Rücken , sonst ganz ungeniert . Am Humpen sieht man auf einer Seite das Mainzer Wappen , auf der andern das von Köln . Der ganze Humpen steht auf einem Aufsatz , der wie ein sanfter Hügel gestaltet ist ; auf diesem sitzen und liegen Nymphen im Kreis ; sie spielen mit Tamburinen , Becken , Triangel , andre liegen und balgen sich mit Leoparden , die ihnen über die Köpfe springen ; es ist gar zu schön . - Das hab ich Ihr nun beschrieben , aber hätte Sie es erst gesehen , Sie würde vor Verwunderung laut aufgeschrieen haben . Was überfällt einem nur , wenn man so etwas von Menschenhänden gemacht sieht ? Mir rauchte der Kopf , und ich meinte in der trunkenen Begeistrung , ich werde keine Ruhe finden , wenn ich nicht auch solche schöne Sachen erfinden und machen könne . Aber wie ich hinauskam und es war Abend geworden und die Sonne ging so schön unter , da vergaß ich alles , bloß um mit den letzten Strahlen der Sonne meine Sinne in dem kühlen Rhein zu baden . Eine Mutter gibt sich alle erdenkliche Mühe , ihr