ein Busen , in dem die Glut des Aetna kocht , pocht an dem ihrigen ! - Arme Lucia ! Den Morgen darauf lag ich wirklich im Fieber . Eine Nacht voll Sinnlichkeit und trunkener Träume hatte mich zum Katholiken gemacht ; ein wilder phantastischer Himmel brannte in meinem Gehirn , ich glaubte an jedes Wunder , Lucia war mir eine Heilige , von ihren Lippen erwartete ich Genesung . Durch Matteo erfuhr sie meinen angeblichen Traum und das andächtige Mädchen glaubte an ihn und versprach zu kommen . Sie kam . « - Robert blickte mit einem dunkeln , bedeutsamen Blicke hinauf . » Meine Erzählung ist aus , « rief er dann kurz und schnell . » Ja wohl , « sagte der Abt mit Lächeln , » nur die drei Dublonen fehlen , die Fra Bartholo bekam . « - » Dergleichen Geschichten , « sagte Massiello , » will ich mir einmal nur von meinem Freunde Boccaz vorerzählen lassen ; in ihm allein herrscht eine gesunde Sinnlichkeit , überall anderswo mischt sich was krankhaftes bei . « Beide Mädchen sahen schweigend und verstimmt vor sich hin . In Eduards Seele war ein Funke jenes Feuers gefallen , das von Roberts Lippen gesprüht , seine Blicke suchten Romeo , langsam glitten sie herab und blieben an dem Goldnetz der Husarenjacke hängen . Massiello lockte den Abt aus Piano , beide stürzten sich in eine dunkle sinnliche Tonflut , aus welcher nur hier und da einzelne Spotttöne , wie nackende badende Knabenköpfe , auftauchten . Robert war ganz Muthwille , er schlürfte aus dem Becher an der Stelle , wo Romeo ' s Lippen den Rand berührt , er flocht Jokondens Goldlocke mit Romeo ' s schwarzem Haar zusammen , und sprach über beide einen wunderlichen Segen aus . Als sich die Gräfin dem schönen Engländer zuneigte , fühlte sie ihren Fuß umklammert ; es war Enzio , der unter dem Tisch auf seinen Knien lag und die heiße Wange an den Schuh drückte , so daß seine glühenden Thränen den Strumpf durchdrangen und auf dem kleinen Fuß brannten . » Was ist Dir , « rief Romeo und zuckte mit dem Fuß , » steh auf , wunderlicher Knabe , was soll das , wozu das ? « Er erhob sich und indem er fortschlich , trocknete er sich mit den langen seidnen Locken die Augen . Der Wagen der Gräfin fuhr vor , Massiello trieb zum Fortgehen und die Gesellschaft zerstreute sich . - Eduard , Gotthold und der Fürst führten ein Gespräch über die Schönheit in der Kunst . Massiello hatte Abgüsse von den Bildsäulen der Apostel von Bernini gesehen , und in seiner Weise kurz geäußert , sie seyen ihm zu vornehm . Der Fürst griff diesen Tadel begierig auf und brachte ihn zum Diskurs . » Und ist er nicht vollkommen gegründet ? « fragte er lebhaft , » kann wohl ein gerechterer Vorwurf dem Maler oder Bildner gemacht werden , der uns jene armen , verkannten und mißhandelten Männer , die nichts anderes waren als Bettler , Taglöhner oder Fischer , als schöne prächtige Leute , gleichsam als irdische Fürsten hinstellt ? « Der Graf trat hinzu und sagte : » Freilich , das ist christlich gesprochen , der alte Adam , der uns in den Nacken schlägt . « » Und doch wie natürlich , « rief der Fürst , » was der Mensch liebt , verehrt , das stellt er so hoch , wie er es vermag , dem wirft er den Purpurmantel um , er legt ihm gleichsam die süßesten Schmeicheleien in Ton und Farbe zu Füßen , und liebkost ihm mit den zärtlichsten , schönsten Lauten seiner Sprache ; liegt darin eine Verwirrung ? « » Doch wohl , « nahm Gotthold das Wort , » denn der Mensch zieht , obwohl unbewußt , das Hohe herab und stellt sein Ich in kecker Vertraulichkeit nebenan . Hier scheidet sich Heidenthum vom Christenthum , oder noch strenger , Protestantismus und Katholizismus . « Der Fürst : » Wir Protestanten sollten also eigentlich gar keine Bilder vom Höchsten haben ? « Gotthold : » Eigentlich nicht , denn wir sollen ihn anbeten im Geist und in der Wahrheit . « Der Fürst : » Das verstehe ich nicht ; heißt das nicht eben so viel als : der unendliche , prachtvolle Himmel mit seinen zahllosen Sternen breitet sich vor uns aus , der menschliche Geist erschrickt vor der Größe , um sie zu fassen , um den Himmel menschlich zu umgrenzen , faßt er die Sterne in einzelne Bilder zusammen ; nun weiß er sich zu finden , jetzt hat er gleichsam den Himmel gewonnen , da kommt eine Hand und raubt ihm die Bilder , und läßt ihm den bilderlosen , unverständlichen Himmel und gebietet ihm , an den fernen , zu fernen Stern zu glauben . « Gotthold : » Nicht unrichtig , das Licht des Sternes ist das Symbol des Unauffaßbaren , Unbegreiflichen . « Der Fürst : » Wie kalt , wie streng ! « Gotthold : » Doch soll die Malerei es immer wagen , in Demuth und Selbsterkenntniß nach einem sichtbaren Bilde des Ewigen zu streben , da er auftrat in sichtbarer Gestalt unter uns . Hemling , Schoreel , Van Eyck , auch Dürer sind Christusmaler , und Bilder , wie sie sie gemalt , befahl Luther in unsern Kirchen Aufzuhängen . « Der Graf und der Fürst drehten sich unwillig weg , und Gotthold sagte eifriger : » Auch wir haben eine Schönheit , doch sie ist nicht jene falsche , gleisnerische , die Kupplerin des Lasters , die Schmeichlerin der Welt , sondern eine ernste , große , durch Schmerzen verherrlichte . Die Magdalena des Coreggio fährt fort zu verführen , indeß sie bekehren sollte . « » O diese rührende Gestalt , « sagte der Fürst lebhaft , » dieses süße bleiche Antlitz , über das die herbe Thräne rollt