Spitzen , die ihren Busen umgaben und den Saum ihres Kleides bildeten , erhöhten den Neid , den ihre persönliche Anmuth bereits in den meisten anwesenden Damen erregt hatte . Alexander kämpfte mit sich selbst , ob und wie er sie anreden solle . Sie an ihre frühere Bekanntschaft mit ihm zu mahnen , konnte nur bittere Erinnerungen in ihrer Seele zurückrufen , und gleichwohl ihrer gar nicht zu erwähnen , hätte ihm den Schein einer Oberflächlichkeit des Sinnes gegeben , den er wie alles was ihm fortan in ihrer Meinung schaden konnte , fürchtete . Er gründete auf die Neigung , die sie ihm einst so unbefangen verrathen hatte , die schönsten Hoffnungen seines Herzens , und gehoben , und gleichsam schon veredelt durch die zum erstenmal empfundenen Gefühle einer edlen , wahren Liebe , nahm er sich vor , wahr zu seyn , ihr bei der ersten schicklichen Veranlassung offen seine damaligen , so wie seine jetzigen Gesinnungen zu entdecken , um durch seine Reue über das Vergangene sich ihrer Verzeihung werth zu machen , und seinem Charakter ihr verlorenes Zutrauen wieder zu erwerben . Für jetzt aber beschloß er , die fröhliche Tendenz des Abends nicht durch so ernste Erklärungen zu unterbrechen , und sich mit strenger Selbstbeherrschung innerhalb den Schranken zu erhalten , mit denen die Convenienz die Hochgefeierte umbaute . V Unstreitig war Alexander der beste Tänzer der Residenz . Nicht Eitelkeit oder der ihm sonst so gewöhnliche Hang zu glänzen , sondern der Wunsch , in irgend eine leise Beziehung mit ihr zu kommen , erweckte das Verlangen in ihm mit Erna zu tanzen , und schon wollte er bittend sich ihr nähern , als sie aufstand , und - einem Glücklicheren bereits versagt - an ihm vorüber ging . Als Zuschauer blieb er , an eine Säule sich lehnend , stehen , und war so vertieft in ihrem Anblick , daß er die Annäherung der Gräfin Tannow , nicht bemerkte . Er schrack ein wenig zusammen , als ihre scherzhafte Anrede ihm bewies , daß er beachtet worden sei . Doch schien sie kein Arg aus seinem , jede Bewegung Erna ' s verschlingenden Anschauen zu haben , sondern es nur auf sein Interesse an einer Kunst zu beziehen , in der er selbst Meister war , und als sie gleich darauf äußerte , daß er ihren Gästen durchaus das Vergnügen verschaffen müsse , ihn mit Fräulein Willfried tanzen zu sehen , weil außer ihm kein Tänzer ihr völlig an Geschicklichkeit gleich sei , erfüllte sie , ohne es zu ahnen , den brennendsten Wunsch seines Innern , indem sie auf seine etwas schüchterne Einwendung , daß er ihr noch gar nicht vorgestellt sei , und daher nicht wage , sie aufzufodern , sich - um des allgemeinen Bestens willen , wie sie sagte , das durch den Genuß eines solchen Schauspiels gewinnen werde - zu seiner Fürsprecherin erbot . Mit ihrem Tuche sich Kühlung zuwehend , saß Erna nach geendigtem Tanz in der Reihe der Damen , als die Gräfin ihr nahte , und Alexandern ihr vorstellend , seinen Namen nannte . Der Klang desselben schien sie keineswegs zu erschüttern , wie er erwartet hatte . Sie erhob sich von ihrem Sitze , ihn zu begrüßen , doch würdigte sie ihn nur eines kurzen , ruhig an ihm vorübergleitenden Blickes , und seine Anrede gleichsam überhörend , wandte sie sich von ihm ab , zur Gräfin , mit Feinheit und völliger Unbefangenheit ein heiteres Gespräch beginnend . Da stand er jetzt , der sonst so kühne übermüthige Jüngling , die Gluth der Verlegenheit auf seinen Wangen , und den schmerzenden Stachel der Demüthigung tief und immer tiefer in die Brust gedrückt . Welch ein Empfang ! - Ihm war , als müsse die ganze Versammlung wahrgenommen haben , wie gleichgültig und beschämend sie ihn aufgenommen hatte , sie , deren Herz er bei ' m Wiedersehn vom Blitz zärtlicher Erinnerungen getroffen , vom Weh mühsam bekämpfter , aber nicht erstickter Liebe bestürmt glaubte . Er biß sich grimmig in die Lippen , während er mit den Augen unstät umherschweifte , und mit Anstrengung aller seiner Kraft sich bestrebte , durch äußerliche Fassung den innern Aufruhr seines Wesens zu verschleiern . Die Gräfin drang freilich nicht in die eigentliche Tiefe seines bitter gereitzten Gefühls ein , aber ein wenig zu oberflächlich , um höflich zu seyn , schien ihr doch das Benehmen des Fräuleins gegen ihn , wenn sie es gleich nur für zufällig hielt , und um die Empfindlichkeit zu mildern , die sie sehr wohl an ihn bemerkte , sprach sie in der Hoffnung , das Unangenehme seiner Situation zu vermitteln , die Bitte aus , daß Erna ihm , der ein ihrer Kunst würdiger Tänzer sei , zur Freude sämmtlicher Zuschauer eine Française schenken möge . Ruhig , ohne ein Zeichen des Unwillens oder der persönlichen Abneigung erklärte sie , daß der Wunsch der Gräfin ihr Befehl seyn würde , wenn sie nicht bereits das Maas im Tanzen überschritten hätte , das ärztliche Vorschrift ihr ihrer Gesundheit wegen vorgezeichnet habe . Eine lang anhaltende , heftige Bewegung vertrage sich nicht mit ihrem Wohlbefinden , und sie sei zu erhitzt und ermüdet , um diesen Abend noch wieder tanzen zu dürfen . Da ihre Entschuldigungsgründe von ihrer Gesundheit hergeleitet waren , konnte die Gräfin nichts dagegen einwenden , und mit der feinen Geschliffenheit der großen Welt , die bei keinem Gegenstand so lange verweilt , daß er langweilig wird , gab sie dem Gespräch sogleich eine andere Wendung . Indeß begann ein neuer Tanz , und die beiden Damen , zwischen welchen Erna gesessen , folgten der Aufforderung , daran Theil zu nehmen . Die Gräfin wurde abgerufen , und Erna , sich jetzt nicht ohne einige Verlegenheit ihm allein gegenüber findend , setzte sich wieder mit gesenktem Auge auf ihren Platz , während er mit klopfender Brust sich zu dem Entschluß ermuthigte , sich kühn an ihrer Seite niederzulassen ,