zu werden . Der Alte vertraute nun dem ehrlichen Fingerling die eine Hälfte des Geheimnisses , daß nämlich sein Pflegesohn einen schönen Schatz an barem Gelde habe , der aber nach seinem Vorgeben in der Kiste gelegen , mit der er ihn empfangen habe . Da sprang Fingerling vor Vergnügen in die Höhe , kein Tag sollte versäumt werden , er wolle gleich morgen ausreisen , die Weber aus Augsburg zu holen , während Berthold den Bau eilig fördern müßte . Sie kamen die Nacht gar nicht von einander , denn Fingerling war ein unermüdlicher Erzähler und beschrieb von der Dachrinne bis zur Plinte das neue Haus der Fugger in Augsburg , die ebenfalls durch Webereien ihren Reichtum verdient hätten . Was aber mehr als alles den jungen Berthold tröstete , das war die Hoffnung , die er ihm erweckte , wenn erst die Handlung in Flor stände , so würde ihn der Bürgermeister mit allen zehn Fingern für Apollonia als Eidam zu sich hinziehen . Der Vertrag war vom Alten noch vor Sonnenaufgang geschrieben , unterzeichnet und bei einem Kruzifix Hildegards , in welchem ein heiliger Knochensplitter eingelegt , von allen beschworen . Schon am andern Tage hatte Fingerling seine Wanderung angetreten , während der junge Berthold seine Schreibereien dem neuen Schreiber übergab und bei dieser Gelegenheit zu seinem Leidwesen erfuhr , daß sowohl Apollonia , als die beiden Vogtstöchter , in das Nonnenkloster der Stadt zur Erziehung gegeben worden . Er hatte aber keine Zeit zur Trauer , denn mit rascher Eile ging ' s an den Bau . Ein alter Mauermeister , mit Namen Bauer , und der Zimmermeister Mathis , beide des alten Bertholds Ratskellerbrüder , waren sehr erfreut , als sie bar Geld sahen , um ihre Gesellen , die eben feierten , beschäftigen zu können . Sie waren gar verwundert über den jungen Berthold , daß der ihnen so geschickt mit Feder und Lineal auf Papier vorreißen konnte , wie der Seitenflügel , der als die kleinere Arbeit zuerst ausgebaut werden sollte , eigentlich beschaffen gewesen , aber Berthold hatte sich das alles in der Kapelle genau gemerkt , es stand wie eingegraben vor seinen innern Augen . Nichts durfte an Baustoffen , an Holz , Steinen und Kalk herbeigeschafft werden , das er nicht vorher als trefflich erkannt hatte , und keine Arbeit wurde unternommen , von deren Zweck er sich nicht unterrichtet hätte , so daß er bald mit Einsicht über die Vollendung Aufsicht führen konnte . Er sparte kein gutes Wort bei den Gesellen , wenn sie zu lange Zeit mit Messen und mit Essen zubrachten , mancher Trunk Wein zur rechten Zeit sparte ihm viel Geld und der fröhliche Tag des Richtens war schon vor dem Herbste erreicht und ehe der Winter die Arbeit hemmte , alles mit Dach und Fenstern geschlossen . Aber der rachsüchtige Bürgermeister sah die Arbeit mit Neid an . Er mochte wohl vernommen haben , daß der alte Berthold laut und öffentlich gegen ihn zur Verteidigung seines Sohnes rede , und wollte sein Ansehen nicht sinken lassen , so brachte er einen Verdacht gegen beide in Umlauf , als ob sie die öffentlichen Truhen möchten heimlich geöffnet haben und jetzt davon gut bauen hätten ; aber die beiden Bertholds hörten nichts davon , oder ließen sich dadurch nicht stören . Während des Winters kam Fingerling mit seinen Webern angezogen , brachte sie in kleinen Häusern unter , die er wohlfeil erstanden , und brachte die Wollenniederlage in das neue Haus . Eine verfallene Mühle an der Rems wurde zum Walken eingerichtet , ein Nebengebäude zur Färberei , zu der die Gegend manche Farbestoffe seit lange baute , aber sonst weit verschicken mußte . Der junge Berthold wollte nicht nachstehen in seinem Fleiß , und benutzte jede Stunde , die der Frost ihm frei gab , zur innern Einrichtung des Hauses , zum Ankauf und zur Anfuhre der Baumaterialien für das Hauptgebäude . Bald war der Seitenflügel belebt und die Schornsteine rauchten , die Wolle wurde da nach ihrer Güte abgesondert , die Wolle zum Spinnen verteilt und wieder eingenommen und zur Weberei ausgegeben , die Gewebe sorgfältig durchsehen , gereinigt , späterhin hier auch geschoren . Die Bürger sagten von den Bertholds : » Mögen sie das Geld , auf welche Art es sei , gewonnen haben , es bringt der Stadt mehr Nutzen , als der Bürgermeister mit allem Gelde geschaffen , das er zu seinen eingestürzten Bauwerken beigetrieben hat . « Der alte Berthold bekam ein neues Leben , seine Feder war unermüdlich , er knüpfte überall Verbindungen an , die Städte standen einander gern bei und Fingerling hatte die Freude , im Frühling den ersten Einspännerwagen nach Augsburg mit Tüchern abzusenden , ehe noch die Leute in der Stadt selbst zu dem Tuche ein Zutrauen faßten , daß es wie Augsburger Tuch halten könne . Wohl mochte auch der Bürgermeister Schuld haben , denn er setzte in Umlauf , die Tücher wären in der Farbe verbrannt , aber die Wahrheit mußte bald auch bei den Landleuten sich bewähren und wie der Mut unsrer Bertholds nicht sank , so stieg ihr Glück . Gegen den Sommer legte Berthold sein Türmeramt nieder , nachdem die Arbeiter in der Walkmühle eine starke Winde eingerichtet hatten , um Frau Hildegard sicher vom Turme herabzulassen , denn er wußte voraus , daß der Bürgermeister ihn mit dem Abzuge gewaltig drängen würde , wenn er seine Dienste aufgekündigt hätte . So traf es auch ein , denn schon am nächsten Morgen trat in den Turm mit großem Gepolter ein alter Reisiger , Bastian mit Namen , der grimmig fluchte , daß die Sachen des alten Bertholds noch nicht fortgeschafft wären , und ihn fragte , was er und die Seinen noch da oben zu suchen hätten . Frau Hildegard weinte heftig , daß sie auf solche Art von dem geliebten Turme scheiden sollte , auf welchem sie so ruhig bei geringem Glücke ihre Jugend und zwei Männer überlebt