ich getrost den verwickelten Faden in die Hand geben kann , die Töchter daran fortzuleiten , ohne selbst meine eigenste Welt zu verlassen , die ich niemals verlassen kann , in der weder Sie , noch irgend einer mich findet , und die deshalb jedem verschlossen bleiben muß , den nicht tiefe Nacht die flammenden Hieroglyphen entziffern lehrte . Pauline , es ist etwas fruchtbar Heiliges um die Nacht ; glauben Sie mir das ! sie spinnt ihre Fäden durch Schlaf und Traum , wirkt und webt Bilder in die Seele , die aus Gräbern hinaufsteigen , die Decke von dem tiefen Grunde wegziehen und hinweisen auf das große Räderwerk des ewigen Weltmechanismus ! Der Schlüssel , der ihre Thore öffnet - Er hielt betroffen inne , - der Schlüssel - mein Gott ! wohin hat mich der geführt ! - In die Welt ! unterbrach ihn die Baronin etwas ungeduldig . Täuschen Sie sich nicht , Sie kommen so leichten Kaufs nicht los ! Das Leben hat Sie einmal gerufen , es giebt Sie nicht wieder frei . Doch lassen wir das ! es findet sich von selbst am besten . Vor der Hand nur das Nächste . Der Augenblick hat uns , wie viele Andere , unversehens zusammengeführt . Sie reichen mir die Hand , aus Großmuth ? aus bequemer Eil die eigene Ruhe zu erretten ? ich will nicht grübeln ! Nehmt mich hin , Ihr Kinder , rief sie , beide Mädchen umschlingend ! Ich berge es nicht , mir bangte recht nach Herzen , die meines Stammes Blut bewegt , sich höre wieder Frankreichs Sprache ! Paris , die Welt , die Jugend , das volle Leben ist wieder da ! Ich liebe auch das Fremde , es sieht oft so groß , oft recht zierlich aus , aber wenn ich denke , daß es mich festhalten will , dann ist mirs ein Gräuel ! Seht ! so habe ich unzählige Thränen auf die Kantenarbeit fallen lassen , die Nadeln da auf dem grünen Kissen drückten sich mir jedesmal ins Herz zurück , die Hände zitterten vor Ungeduld , dacht ' ich , daß all die Schlingen und Oesen mein armes Dasein so eng einspannen . Und doch werde ich noch recht oft Kanten knöppeln ! Es ist ein liebes Spiel ! Man wirft die Fäden so hin und wieder , wie oft die Menschen und die Ereignisse im Leben , und wenn es fertig ist , ist ' s doch etwas ! Werdet Ihr mich auch lieb haben Kinder ? fragte sie jetzt , ohne Eure Liebe könnte ich nicht eine Stunde unter Euch sein . Du da , mit den Junoaugen und der wunderbaren Stirn , sie strich Antonien leise über die Augenbrauen , was liegt da für eine dunkle Welt ? Eine Welt voll tiefer Liebe , sagte Antonie , schnell auf ihre Hand gebeugt . Die Baronin küßte ihr die Stirn . Du hast was Eigenes , Kind , sagte sie , was Fremdes ! ich muß Dich wider Willen ansehn ! Nun wir werden uns alle in einander finden lernen ! Marie flog jubelnd durch das Häuschen , erzählte Bertrand , Felicitas , allen die es hören wollten , daß sie eine liebe Verwandte , die Tante Clairval gefunden hätten , und nun immer mit ihr sein , mit ihr reisen , und vielleicht auch nach Frankreich zurückkehren würden . Alle nahmen Theil , besonders freuete sich Felicitas des Glückswechsels ihrer ehemaligen Beschützerin , sie setzte hinzu : sie habe sie zwar gern ihr kleines Handwerk gelehrt ; doch habe es sie jedesmal geschmerzt , es sie so ängstlich , des Gewinnftes willen , treiben zu sehn . Der Marquis hatte indeß der Baronin das Schmuckkästchen seiner Frau gegeben , und sie gebeten , dasjenige herauszunehmen , was ihr jetzt am nutzbarsten zu sein schiene . Sie empfing es nicht ohne Erröthen , und hielt das sauber ausgelegte Maroquinfutteral einen Augenblick , unschlüssig , was sie thun solle ? Doch öffnete sie es . Steine und Perlen sahen schön von dem weißen Sammet herauf , mit welchem die innern Fächer ausgelegt waren . Die Baronin ließ überrascht den Deckel wieder zufallen . Helle Thränen schossen ihr in die Augen . Die furchtbarste Sprache in der Natur , sagte sie , hat das Leblose , es fällt wie eine Leiche auf unsere Brust ! Ein ausgeräumtes Haus , ein Kleid , ja ein bloßer Handschuh , können einem die Seele zerreissen ! und nun diese Steine ! Aus jedem sieht mir das liebe Gesichtchen entgegen ! Sie setzte sich , das Futteral vor sich auf den Tisch legend ! Lange spielte sie gedankenvoll an dem silbernen Schloß , dann öffnete sie es langsam , als wolle sie sich mit dem Anblick bekannt machen . Die Schwestern sahen ihr neugierig über die Schulter , aber Antonie hatte kaum einen halben Blick hinein gethan , als sie schnell nach eines Mannes Bild , reich mit Steinen eingefaßt , griff , und unruhig fragte , wer der Herr sei ? Mein Bruder , der Herzog , entgegnete die Baronin . Ohne weiter Antonien zu beachten , nahm sie das Bild , und zu dem Marquis gewandt , sagte sie ; wenn ich die glänzende Einfassung hier abnehme , will ich denken , ein Theil von dem verlorenen Glanze des armen Herzogs , wie des Vermögens meiner Väter , sei auf mich gekommen , und ich empfange nur , was mir früher zukam . So schalte ich wie mit dem Meinen , und mir ist wohler Ihnen gegenüber . Kommt eine Zeit der Ausgleichung , so wird das Spiel ein ernster Tausch , wo nicht - so löscht eine höhere Hand meinen Schuldbrief . Antonie faßte jetzt mit großer Heftigkeit der Baronin Hände , sah ihr fast bittend in die Augen , ließ dann langsam die Hände sinken , und wandte sich schweigend ab . Die Baronin verstand sie nicht , sie schüttelte den Kopf