? « » Nein ! Was sie damit anfangen solle ? « Mein Leser , es ist nicht angenehm , bei diesen Details zu verweilen . Es giebt Leute , welche behaupten , daß es Freude gewähre auf qualvolle Erfahrungen der Vergangenheit zurück zu blicken ; aber bis auf den heutigen Tag ist es mir schmerzlich , auf die Zeit zurückzusehen , von welcher ich spreche . Die moralische Herabwürdigung zusammen mit dem physischen Leiden bilden eine zu traurige Erinnerung , als daß man jemals gern bei ihnen verweilen möchte . Ich tadelte keinen von denen , die mich zurückwiesen . Ich fühlte , daß es nichts anderes sei , als was ich zu erwarten hatte und was nicht zu ändern war . Ein gewöhnlicher zerlumpter Bettler ist häufig ein Gegenstand des Mißtrauens ; ein wohlgekleideter ist es unter allen Umständen stets . Allerdings war das , was ich erbat , Arbeit ; aber wessen Sache war es denn , mir Arbeit zu verschaffen ? Gewiß nicht die von Leuten , die mich zum erstenmale sahen und durchaus gar nichts über meinen Charakter wußten . Und was die Frau betraf , die mein Halstuch nicht in Tausch gegen ihr Brot nehmen wollte , so hatte sie unbedingt Recht , wenn das Anerbieten ihr verdächtig und der Tausch ihr nicht gewinnbringend erschien . Doch jetzt will ich mich kurz fassen . Der Gegenstand ekelt mich an . Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kam ich an einem Meierhofe vorbei , an dessen geöffneter Thür der Pächter saß und sein Abendbrot verzehrte , das aus Brot und Käse bestand . Ich stand still und sagte : » Wollen Sie mir ein Stück Brot geben ? Ich bin sehr hungrig . « Er warf einen Blick des Erstaunens auf mich ; aber ohne zu antworten , schnitt er eine derbe Schnitte von seinem Brot und gab sie mir . Ich vermute , daß er mich nicht für eine Bettlerin hielt , sondern nur für eine excentrische Dame , welche von einem plötzlichen Appetit auf sein Schwarzbrot befallen war . Sobald ich außer Sehweite war , setzte ich mich hin und begann zu essen . Ich durfte nicht hoffen , Zuflucht unter einem Dache zu finden , und deshalb suchte ich sie in dem Walde , den ich früher schon erwähnt habe . Aber es war eine fürchterliche Nacht , ich fand keine Ruhe . Der Erdboden war feucht , die Luft kalt ; außerdem kamen Eindringlinge mehr als einmal an mir vorüber und ich hatte wieder und wieder mein Lager zu wechseln . Kein Gefühl von Ruhe oder Sicherheit kam über mich . Gegen Morgen regnete es . Der ganze folgende Tag war naßkalt . Bitte mich nicht , lieber Leser , dir genauen Bericht über diesen Tag abzustatten ; wie zuvor suchte ich Arbeit ; wie zuvor wurde ich abgewiesen ; wie zuvor hungerte ich ; nur einmal kam Nahrung über meine Lippen . An der Thür einer Hütte sah ich ein kleines Mädchen , das im Begriff stand , eine Schüssel voll kalten Haferbrei in den Schweinetrog zu schütten . » Willst du mir das nicht geben ? « bat ich . Sie starrte mich an . » Mutter , « rief sie dann aus , » hier ist ein Weib , das den Brei haben will . « » Nun , Mädel , « erwiderte die Stimme von drinnen , » gieb ihn ihr , wenn es eine Bettlerin ist . Das Schwein braucht ihn nicht . « Das Mädchen schüttete den steifen Brei in meine Hand und ich verschlang ihn gierig . Als die naßkalte Dämmerung herabsank , hielt ich auf einem einsamen Reitwege inne , den ich schon seit länger als einer Stunde verfolgt hatte . » Meine Kräfte verlassen mich jetzt gänzlich , « sagte ich im Selbstgespräch . » Ich fühle , daß ich nicht viel weiter gehen kann . Werde ich diese Nacht wieder eine Ausgestoßene sein ? Muß ich mein Haupt auf den kalten , durchweichten Erdboden legen , während der Regen in Strömen herabfließt ? Ich fürchte , es wird mir nichts anderes übrig bleiben , denn wer sollte mich aufnehmen ? Aber es wird furchtbar sein ; mit diesem Gefühl des Hungers , der Ohnmacht , der Kälte , der Trostlosigkeit – dieser vollständigen Vernichtung aller Hoffnung . Aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich noch vor Tagesanbruch sterben . Und weshalb kann ich mich denn nicht mit der Aussicht auf den Tod versöhnen ? Weshalb kämpfe ich , um ein so wertloses Leben zurückzuhalten ? Weil ich weiß oder glaube , daß Mr. Rochester noch lebt ! Und dann ist es ein Schicksal , vor Hunger und Kälte zu sterben , dem die menschliche Natur sich nicht ruhig unterwirft . O Vorsehung ! halte mich nur noch ein wenig länger aufrecht ! Hilf mir ! Führe mich ! Mein trübes Auge schweifte über die nebelige , verschwommene Landschaft . Ich sah , daß ich weit vom Dorfe fortgeirrt war ; es war meinen Blicken gänzlich entschwunden . Auf Kreuzwegen und Nebenpfaden war ich noch einmal dem Moorlande wieder nahe gekommen , und jetzt lagen nur noch wenige Äcker , die fast ebenso wild und unfruchtbar waren wie die Haide , der sie vor kurzem erst abgerungen , zwischen mir und den nebeligen Bergen . » Nun , ich will lieber dort drüben sterben , als an der Landstraße oder an einem verkehrsreichen Wege , « dachte ich . » Und besser , viel besser , daß Krähen und Raben – wenn es überhaupt Raben in diesen Regionen giebt – das Fleisch von meinen Knochen nagen , als daß sie in einen Armenhaussarg gelegt werden und in einem Schachtgrabe vermodern . « So wandte ich mich also den Hügeln zu . Ich erreichte sie . Jetzt blieb mir nur noch übrig , eine Höhlung zu finden , in der ich mich verborgen , wenn auch nicht sicher fühlen konnte . Aber die ganze Oberfläche der