Treue , gleicher Sanftmut ; ihr Inneres blieb unzernagt und unverbittert . « Er stützte den Kopf auf ; seine Stimme wurde leiser . » Wir liebten uns , ehe wir noch miteinander gesprochen hatten . Ein paarmal trafen wir uns auf der Straße , ein paarmal im Park , ein paarmal kam sie heimlich in die Galerie herauf . Ich war nicht rückhältig , ich habe ihr mein Leben angeboten , aber sie antwortete stets , ohne ihr Kind könne sie nirgends glücklich sein . Ich achtete dies Gefühl und bezwang mein eigenes . Eine Weile blieb es so , wir quälten uns , wollten verzichten , wurden wieder zueinander gezogen , da fügte es sich , daß Döderlein Verdacht schöpfte ; ob durch fremde Einflüsterungen oder durch bloße Beobachtung der Frau , die zu heucheln nicht fähig war , kann ich nicht entscheiden . In perfider Weise fing er an sie zu martern , ihr Gewissen zu beunruhigen , und eines Nachts tritt er an ihr Bett , hält ihr ein Kruzifix vor , zwingt sie durch Drohungen und große Worte , ihm einen Eid zu leisten , zwingt sie , bei dem Leben ihres Kindes zu schwören , daß sie ihn niemals betrügen würde . Sie schwor . « » Ja , Freund , sie schwor , und dieser Schwur dünkte ihr viel feierlicher und verpflichtender als der erste vor dem Altar . Ich wußte nichts davon , sie entzog sich mir ; ich ertrug es nicht . Da kam sie noch einmal , um Abschied zu nehmen , und es gab einen Augenblick , wo unsere Kraft und Besinnung dahin war . Nun trat das Verhängnis ein ; das zarte Wesen erlag unter dem Schuldgefühl , Herz und Geist verdüsterten sich ihr , sie hatte den Wahn , das Kind sieche unter ihren Händen zu Tode , und eines Tages brach sie zusammen . « Benda erhob sich , trat ans Fenster und schaute in die Dunkelheit . Daniel war es , als schnüre sich ein Strick um seinen Hals . Er stand gleichfalls auf , murmelte einen Gruß und ging . 4 Am Behaimdenkmal mäßigte er seinen Schritt . In geringer Entfernung vor sich erblickte er einen Mann und eine Frau . Er erkannte sofort Dorothea in der Frau . Sie sprachen hastig und mit unterdrückten Stimmen . Daniel folgte ihnen , und als sie sich am Platz zum Haustor wandten , blieb er im Schatten der Kirche stehen . Der Mann schien ungehalten , ja aufgebracht , Dorothea redete beschwichtigend auf ihn ein . Sie stand dicht bei ihm , hatte seine Hand ergriffen und behielt sie in der ihren , bis sie das Tor aufsperrte . Zuletzt flüsterte sie , schaute besorgt am Haus empor und sagte dann ziemlich laut : » Gute Nacht , Edmund . Träum süß . « Der Mann entfernte sich , ohne den Hut zu lüpfen ; Dorothea huschte ins Tor . Daniel zitterte am ganzen Leibe . In seinen Augen war etwas mystisch Flehendes . Er sah , wie oben Licht angezündet wurde und der Vorhang über das Fenster fiel . Die Stille des Platzes folterte ihn , und als die Glocke vom Turm elf Uhr schlug , glaubte er , sein Blut brülle in den Ohren . Mit schweren Schritten schleppte er sich endlich ins Haus . Dorothea , schon im Schlafrock , saß in der Wohnstube am Tisch und nähte ein Band an dem Kleid fest , das sie getragen . Sie wechselten den Gruß , Daniel stellte sich in ihrem Rücken an den Ofen und starrte wie gebannt auf ihren niedergebeugten Nacken . Es fröstelte ihn fortwährend . » Von wem sind die Straußfedern ? « fragte er auf einmal rauh . Die Frage entfuhr ihm selbst unerwartet . Er hatte etwas anderes sagen wollen . Mit einem Ruck hob Dorothea den Kopf . » Ich hab dir ' s ja gesagt , « erwiderte sie , und er nahm wahr , daß sie sich verfärbte . » Ich kann nicht glauben , daß dir eine fremde Person , und noch dazu eine Frau , so wertvolle Geschenke macht , « sagte Daniel langsam . Dorothea stand auf und sah ihn unsicher an . » Gut , wenn du ' s absolut wissen willst , ich hab sie mir gekauft , « stieß sie trotzig hervor . » Aber brauchst mich nicht anzuschnauzen , ich werd mir das Geld schon verschaffen . Das paßt mir einfach nicht , daß ich mir jede Ausgabe soll vorschreiben lassen . « » Es ist nicht wahr , daß du die Federn gekauft hast , « schnitt Daniel ihr das Wort ab . » Nicht gekauft und nicht geschenkt bekommen , also was denn sonst ? Gestohlen vielleicht ? « höhnte Dorothea mit feig entfliehendem Blick . Niemals hab ich so mit Menschen gesprochen , niemals haben Menschen so mit mir gesprochen , durchzuckte es Daniel . Er wurde furchtbar bleich , trat zu ihr , schloß seine Hand wie eine Eisenklammer um ihren Arm und sagte : » Es soll mir recht sein , wenn du mein Geld verschwendest . Es soll mir recht sein , daß du in nichtswürdiger Gesellschaft deine Zeit vertändelst . Es soll mir recht sein , daß dir mein Wohlbefinden und meine Seelenruhe gleichgültig ist und daß du dein armes Kind verkommen läßt . Ich will mich in alles dieses fügen . Wozu brauch ich regelmäßiges Essen ; wozu muß mein Frühstückskaffee warm , mein Wecken frisch vom Backofen , wozu muß meine Wäsche ausgebessert , mein Fenster geputzt , mein Spind in Ordnung gebracht , meine Stube gekehrt sein ? Es ist mir ja nicht an der Wiege gesungen worden , daß ich soll behaglich leben dürfen . « » Och , du tust mir weh , Daniel , « sagte Dorothea in bangem Ton , » laß , bitte , meinen Arm los . « Er lockerte den Druck ,