, der auf Herzog Ludwigs letztem Kriegsbett in einem bleischweren Schlafe seiner Erschöpfung lag . Ohne Jula anzusehen , murrte Malimmes : » Ein Stündl darfst du ihn schlafen lassen . Nit länger . Sonst kreißtet er morgen wie ein Mühsamer . Wenn er sich rührt einmal , da mußt du ihn wecken . Und nachher hilfst ihm . Hast es ja gelernt von mir . « Unter dem Zeltspalt sagte er noch : » Ich geh derweil und hol dir den kostbaren Gaul noch aus der Schmier . Es müßt mir leid sein , wenn du von deinen Sachen was mängeln tatst . « Draußen blieb er stehen und preßte den Arm über die Augen . » Gotts Teufel und Not ! Was ist ein verliebter Mensch für ein haariger Ochs ! Die siebzehn , die auf dem Hängmoos hätten grasen sollen , sind nackete Mäus dagegen ! « Der leuchtende Abend drohte schon seine schönsten Farben zu verlieren , und die Frösche sangen . Im Lärm des Lagers hörte man das Lied der Sümpfe nicht . Aber draußen auf der Moorstraße - als Malimmes mit drei Verwegenen , die ihm helfen wollten , die fliegende Brücke mit vier Brettern baute - war das Unken der Kröten und Frösche wie ein Glockenton in der Luft . Der Pongauer , den man als schwarzes Figürchen gegen den gelben Himmel sah , graste ganz gemütlich auf seiner verläßlichen Insel . » Freilich ! Der weiß , daß ein Ochs um seintwegen in die schwarze Supp springen muß ! « Das wurde eine schauerliche Arbeit . Malimmes , zwischen seinen grimmigen Flüchen , brüllte immer : » Es hilft dir nichts ! Heraus mußt du ! « Und als die drei Verwegenen mutlos wurden und den Malimmes im Stiche ließen , brachte er den Gaul allein heraus . Während er das keuchende Tier durch das letzte Röhricht zerrte , begann die Nacht zu sinken , und die Sterne funkelten . Wie er Jula und Lampert gesäubert hatte , so machte er auch den Pongauer blank . An den eigenen Kleidern ließ er den Sumpfschlamm hängen . Und den linken Arm bewegte er ein bißchen langsam ; der Gaul hatte ihn geschlagen . Hinter dem Hauptmannszelte wurde der Pongauer angepflöckt . Dann schickte Malimmes einen davon , um den Falben von der Zeltstätte des kranken Herzogs herunterzuholen . » Und frag den Hauptmann , wohin man den Runotter verschickt hat . « Er selber holte den eigenen Gaul und pflöckte ihn neben den Pongauer . Dann saß er in der sternhellen Nacht neben den beiden Rossen auf der Erde und hielt den Kopf zwischen die Arme gewühlt . Er wollte die linde , zärtlich klingende Knabenstimme nicht hören , die im Zelte redete . Und dennoch mußte er lauschen und diesen Klang in seine Seele trinken . Deutlich hörte er , wie die Stimme sagte : » Paß auf jetzt ! Ein lützel weh wird ' s tun . Aber das mußt du aushalten . Es hilft . So hat der Malimmes auf dem Schwarzeneck meinem Vater geholfen ! « Der Lauschende knirschte durch die Zähne . » Guck ! Mit meinen eigenen Wörtlen redet sie . « Er hörte die drei Streiche der Handschneide ; dann die Stimme der Jula : » Jetzt mußt du ein paar feste Schritt machen ! ... Gelt ? Viel besser geht ' s ? « Ein leises , frohes Lachen , nur ein bißchen heiser : » Ich schau dir in die Augen und bin gesund . « Lange war kein Laut mehr zu hören . Nun die gleiche Stimme : » Warum wirst du immer stumm , wenn ich rede ? « » Weil mir deine kranke Stimm so weh tut . Und weil sie mir so lieb ist . « Malimmes rannte in die sternhelle Nacht hinaus , die sich von den Moorflächen her mit dünnen Nebeln zu füllen begann . Im Lager war es ruhig geworden . Viele hatten sich schon auf den Heimweg gemacht . Und viele , die müd oder betrunken waren , schliefen schon . Nur vor den Wirtsbuden gröhlten die noch immer Durstigen , und aus den Huschelzelten wirbelte die tolle Heiterkeit , der Fiedelklang und das Pfeifengetriller zu den halb verschleierten Sternen hinauf . Wie angesteckt von dieser Lustigkeit schrie Malimmes plötzlich einen wilden Jauchzer in die Nacht . Dann sang er vor sich hin : » Ich leb , weiß nit , wie lang , Ja leb , wie lang ? Ich sterb und weiß nit , wann , Ja sterb , und wann ? Ich reit , weiß nit , wohin , Wohin ? Weiß nit , warum ich so fröhlich bin . « Ohne daß er es wollte , war er wieder dem Hauptmannszelte zugegangen und saß neben den zwei Gäulen wieder auf der Erde , mit der Stirne zwischen den Fäusten . Und hörte die Stimme des jungen Someiner , der immer redete , heiß und drängend : » Jula , das muß ich tun . Ich muß nach München . Noch heut in der Nacht , in dieser Stunde , jetzt . Leben und Freiheit , die ich dir und deinem Mut verdanke , will ich nützen für den Pursten , dem ich diene . Sein Elend hebt nicht auf , was er in meine Hand gegeben . Ich muß . Mein Weg nach München in dieser Nacht ist nötiger , als er ' s am Morgen war . Ich reite . Dich lasse ich nicht im Lager . Wir gehören zueinander . Komm ! Von München schicke ich dich heim zu meiner Mutter . Willst du ? - - Jula ? Willst du ? So rede doch ! « Ein Schweigen . Und Malimmes wußte , daß Jula um ihres Vaters willen den Kopf geschüttelt hatte . Lampert fing wieder zu reden an . Er bat . Dann wurde seine Stimme streng . Aber das hörte Malimmes nimmer ; er hatte den