aus federleichten , aber außerordentlich festen Binsen geflochten . Was sie enthielten , sah man nicht , höchst wahrscheinlich den Motor . Im übrigen bestand der Apparat aus fast gewichtslosen Stoffen , die aber unzerreißbar waren und große Tragfähigkeit besaßen . Die Schwänze waren höchst eigenartig gestaltet . Zwischen den Leibern war ein bequemer Sitz angebracht , welcher Platz für zwei Personen gewährte . Es gab verschiedene Drähte , deren Bestimmung nicht gleich beim ersten Blick zu erkennen war , doch konnte man sich denken , daß sie zur Beherrschung und Lenkung des großen Vogels dienten . Außer dem » jungen Adler « waren noch unser alter Pappermann und Aschta , die jüngere , da . Es ist mir nicht erlaubt , eine Beschreibung des Apparates zu geben , doch darf ich versichern , daß , als der » junge Adler « uns alles erklärt hatte , wir beide Tatellah-Satah und ich , von der Sicherheit und der Verläßlichkeit des Apparates derart überzeugt waren , daß in uns sofort der Wunsch aufstieg , uns seiner recht bald einmal bedienen zu dürfen . » Und er fliegt , er fliegt ! « versicherte Pappermann . » Ich habe es selbst gesehen ! « » Wann ? « fragte ich . » Heute früh , « antwortete er . » Als Jedermann noch schlief und nur die erste Spur des Morgengrauens vorhanden war . Denn niemand sollte es sehen . Ich kam herauf , um zu helfen . Da stieg der junge Adler auf den Sitz und zog an einem Drahte . Sofort wurde es in den beiden Leibern lebendig . Der Vogel begann , zu atmen . Noch ein Draht , und die Schwänze breiteten sich aus . Die Flügel bewegten sich . Zwei , drei Schläge , und der Vogel stieg auf , verließ das Dach des Turmes und flog ein Stück hinaus , hoch über die Ebene . Er stieg höher und höher , schlug einen Bogen , kehrte wieder zurück und ließ sich langsam , ohne daß es einen Stoß gab , wieder auf das Dach herab . Er steht noch genau so da , wie er angekommen ist ! « » Und das ist wahr ? Wirklich wahr ? « fragte ich den » jungen Adler « . Er nickte mir lächelnd zu . Dieses Lächeln war kein stolzes , aber ein unendlich glückliches ! Tatellah-Satah schaute vom Dach in die Weite hinaus . Fast war es , als ob sein Antlitz leuchten wolle . » Kommt ! « erklang es erst nach längerer Zeit aus seinem Munde . Er sagte das zu mir und dem » jungen Adler « und ging zur Treppe , um wieder vom Turme hinabzusteigen . Unten angekommen , führte er uns in den Hochwald . Er schritt voran ; wir folgten hinterdrein . Keiner sprach ein Wort . Er führte uns nach der anderen Seite des Berges , bis zu einer Stelle , von welcher aus wir hinüber nach dem See und hinunter nach dem Schleierfall schauen konnten . Jenseits des Sees ragte der domartige Hauptberg des Mount Winnetou hoch empor , und hinter diesem waren die gewaltigen Kuppen der benachbarten Giganten zu sehen , unter ihnen einer , der seinen Gipfel so stolz und steil , so scharf und senkrecht erhob , als ob es nie einem menschlichen Wesen gestattet worden sei , seinen Scheitel zu betreten . Auf ihn deutend , sagte der Alte : » Das ist der Berg der Königsgräber . Bevor die Rasse der Indianer sich in winzige Stämme auflöste , wurde sie nicht von kleinen Häuptlingen , sondern von gewaltigen Kaisern und Königen regiert , die alle auf der mächtigen , hoch über den Wolken liegenden Plattform dieses Berges begraben worden sind . Die Gräber sind von Stein gemauert . Sie bilden zusammen eine Totenstadt mit Straßen und Plätzen , auf denen es keine Spur von Leben und Bewegung gibt . Sie enthalten nicht nur die Leichen der verstorbenen Herrscher , sondern in jeder Gruft liegen , in goldenen Kästen unzerstört erhalten , die Bücher über jedes Jahr der Regierung dessen , der hier seine letzte irdische Wohnung fand . Hier sind also nicht nur alle die großen Herrscher der roten Rasse begraben , sondern ihre ganze Geschichte und sämtliche Berichte und Dokumente ihrer langen , vieltausendjährigen Vergangenheit . Aber man kann nicht zu ihnen gelangen . Man kann nicht hinauf . Als der letzte König begraben worden war , vernichtete man die Felsenstraße , die hinauf zu den Königsgräbern führte , so daß es keinem Sterblichen mehr möglich war , hinauf zu ihnen zu gelangen . Es soll zwar einen steilen Nebenpfad geben , der damals nicht mit vernichtet worden ist , aber niemand hat ihn bisher gefunden . In einem meiner ältesten Bücher steht geschrieben , daß der Schlüssel zu diesem Pfade vorhanden sei , aber er liege hoch oben auf dem Berg der Medizinen , genau am Fuße der letzten , höchsten Felsennadel , unter einem Steine , der die Gestalt einer halben Kugel habe . Der junge Adler , auf den die roten Männer schon seit langen , langen Jahren warten , wird , wie auf der Haut des großen Kriegsadlers zu lesen ist , dreimal um den Berg fliegen und bei diesem Steine anhalten , um ihn zu heben und den Schlüssel hervorzunehmen . Ist dies gelungen , so kann der Berg der Königsgräber bestiegen werden , und die Berichte und Dokumente der verschwundenen Urzeiten dürfen ihre Stimmen erheben , um die Geheimnisse unserer Vergangenheit zu enthüllen . « Er schaute nach jener Felsennadel hinauf , an deren Fuß der Schlüssel liegen sollte . Und er schaute hinüber nach der Bergeskuppe , auf welcher die roten Kaiser und Könige begraben lagen . Dann fuhr er fort : » Das alles wußte ich . In meiner Brust war die ganze , glühende Sehnsucht unserer Rasse vereint . Da saß ich vor meiner Tür , und vor meinen Füßen landete aus hohen