sehr reger . Jedermann war freundlich , das Grüßen nicht gewohnheitsmäßig , sondern herzlich , aber dabei vollständig ehrerbietig . Keinen Einzigen sah ich hinter uns dann stehen bleiben , um uns nachzustarren ; man war eben intelligent ! Je mehr wir uns den Bergen näherten , desto mehr verschwand der Glanz des uns nun nicht mehr unsichtbar werdenden Kreuzes . Es hörte auf , zu leuchten , zu brillieren ; ich möchte sagen , daß es nur noch schimmerte . Wir begannen , zu bemerken , daß es Zwischenräume in den beiden sich kreuzenden Balken gab . Diese Zwischenräume wurden immer deutlicher ; sie fingen an , mit den hellen Stellen zu kontrastieren . Kurz , was uns von Weitem als etwas Ueberirdisches erschienen war , das stellte sich , je näher wir ihm kamen , einem Jeden von uns als etwas Irdisches dar , aber freilich , freilich nicht als etwas Gewöhnliches , Alltägliches . Wir konnten endlich schon die einzelnen Gebäude unterscheiden . Der Blick unsers alten , lieben » uncle « hing fast unausgesetzt an dem hellen , carrarischen Weiß , welches aus dem Grün der Vegetation heraus so wohltätig auf uns wirkte . » Erst blendete es mich fast , « sagte er . » Nun aber ist es so lind und wirkt so gut auf meine Augen . Mr. Waller hatte Recht . Versteht Ihr mich ? « » Ja . « » Nun , was meine ich ? « » Das stille , warme Licht der Humanität , von dem er sprach . « » Ja , allerdings . Wir Christen bemühen uns allzuviel , in die Ferne zu glänzen ; wie aber steht es mit unserm helfenden , rettenden Licht daheim , in der Nähe ? Hier , da an diesem Berge , hat sich das flammende Kreuz nun aufgelöst in die Zeichen der leiblichen , geistigen und ethischen Werktätigkeit des menschlichen Lebens . Wir sehen es ganz deutlich , wie diese Tätigkeit von den unten liegenden Wirtschaftsgebäuden emporsteigt , bis zur Höhe , wo die Kapelle den marmorernsten Fleiß mit Gottes Segen krönt . Und quer , mit diesem Fleiß sich kreuzend , sieht man die Menschenliebe Häuser bauen , die wir erst kennen lernen müssen , bevor wir sagen dürfen , daß wir daheim im Abendlande humaner sind als Alle , die im Morgenlande wohnen ! - - Was ist ' s , Charley ? Warum schaut Ihr mich so an ? So verwundert ? « » Was ist das plötzlich von Euch für eine Sprache , Sir ? Woher kommt Euch diese Ausdrucksweise für so ganz ungewöhnliche Gedanken ? « fragte ich . » Das wißt Ihr nicht ? Das kommt davon , daß ich jetzt mit Chinesen verkehre ; darauf könnt Ihr Euch verlassen . Und angefangen hat es , als ich Euren Sejjid Omar kennen lernte . Charley , heut früh , als Ihr Euer Zimmer noch nicht verlassen hattet , wollte ich einen Morgenspaziergang machen und traf auf Tsi , der mich mit zu sich nahm , um mir Verschiedenes zu zeigen . Da gab es unter Anderem auch ein zweibändiges Werk über China , von einem Europäer geschrieben , der ein Zeitungsgründer ist und Inhaber mehrer Orden . Was schreibt dieser Mann über die Chinesen ? Daß sie Menschenfresser seien ! Die größten Leckerbissen der Chinesen seien das Herz und die Leber eines Menschen , dem man sie lebendig aus dem Leibe schneide ! Dabei behauptet ganz derselbe Verfasser , daß die Chinesen einen ganz besonderen und stark eingefleischten Abscheu vor dem Sezieren einer Leiche haben , ja , nicht einmal zugeben , daß man bei Krankheiten oder Unglücksfällen das eine oder andere Glied amputiert , weil man dadurch gegen die Vorschriften ihrer Religion verstoße ! Und nämlich : Dieses Werk soll die Frucht von zwanzigjährigen , vertieften Studien sein ! Ich sage Euch : Selbst wenn ich noch der alte Feind der gelben Rasse gewesen wäre , das , was ich da gelesen habe , hätte mich kuriert , auf der Stelle kuriert ! Denn es zeigt , wie leichtsinnig und gewissenlos der Kaukasier über die Andersgefärbten urteilt , und für wie dumm wir Christen von unsern lieben Brüdern gehalten werden , daß sie sich ganz unbesorgt den ethnologischen Jux gestatten können , unsere geographische Wissenschaft mit chinesischen Kannibalen zu bevölkern ! Und das wird gedruckt ! Bei uns in England sogar ! In Deutschland höchst wahrscheinlich auch ! - - - Werfen wir das weg , und nehmen wir etwas Anderes ! Was sind das für riesenhafte Bäume , die man jetzt zerstreut hier stehen sieht ? Die müssen doch über tausendjährig sein ! « » Das sind Gingkobäume , die allerdings uralt werden . Man ißt den Kern ihrer Nüsse ? « » Und wofür haltet Ihr die andern Giganten , aus denen dort der ganze Wald besteht ? « » Für chinesische Spießtannen , die ganz außerordentlich nutzbar sind . Die passen hierher auf diesen Boden : Steinerne Pfeiler , von der Urgewalt aus dem Innern der Erde emporgetrieben , und auf ihnen diese kraftstrotzenden , reckenhaften Bäume , uralt , wie die Ahnen Derer , die heut unter ihnen wandeln ! Schaut man zu ihnen auf , so hat man das Gefühl , als wachse man selbst auch , im tiefen Innern nämlich . Was aus diesem , dem menschlichen Innern , emporgetrieben wird , hat in der Höhe ebenso auch gewaltige Organismen zu tragen , in deren Schatten die Gedanken der kleineren Geschöpfe Jahrtausende lang zu wandeln haben werden . Wer werden diese Titanen sein ? Ob Menschen ? Oder ob Geister ? « Er war still , ich auch . Wer kann solche Fragen beantworten ? Wir Menschen jedenfalls nicht ! Oder doch ? Dann jedenfalls nicht heut , sondern später , nach Jahrhunderten , Jahrtausenden ! Oder doch schon jetzt - - - - - ? Wenn wir wollen - - - und wenn wir glauben !