, und ihrer Diana dienten einige junge Nymphen zur Gesellschaft ; sie ließen sie aber meistens allein sitzen und schwärrnten mit den wilden Jagdgenossen auf den Tanz aus . Ich setzte mich daher öfter neben sie und suchte ihre Verlassenheit durch Gespräch und übliche Dienstleistungen so ungesehen als möglich zu machen , bis die zu erhoffende Wendung der Dinge herbeikäme . Erikson ging ab und zu ; er konnte seiner Wildemannstracht halber nicht wohl tanzen noch sich in zu große Nähe der Frauen setzen . Die Rolle war ihm erst in den letzten Tagen durch eingetretenen Notfall aufgedrängt worden , und er hatte sie nicht ungern übernommen , weil sie ihn von der Frau Rosalie etwas getrennt hielt und hiedurch das zwischen ihnen waltende Verhältnis nicht zu früh ganz offenkundig wurde , und Rosalie war damit einverstanden . Jetzt bereute er fast sein Verfahren , als er sah , wie Lys fort und fort dicht in ihrer Nähe blieb , wie sie lachte , scherzte , von freundlichem Liebreize strahlte und den eifrig sie unterhaltenden Untreuen mit anmutig naiven Fragen in einer Bewegung erhielt , deren Verblendung die schöne Sicherheit nicht ahnte , in welcher die Frau lebte . Weder er noch Erikson bemerkten den scheinbar zufälligen , flüchtigen , aber zufriedenen Blick , mit welchem sie mitten im Gespräche der Gestalt des wilden Mannes folgte , wenn er zuweilen in einiger Entfernung vorbeiging . Agnes hatte schon lange stumm neben mir gesessen , während die kostbare Zeit dieser Nacht unaufhaltsam vorrückte . Sie wiegte , den Busen von ungestümen Gefühlen bewegt , das schwarzgelockte Haupt , und nur zuweilen schoß sie einen flammenden Blick zu Lys und Rosalien hinüber , zuweilen auch sah sie ruhig verwundert hin , aber stets erblickte sie dasselbe Schauspiel . Zuletzt verstummte auch ich und versank in trübes Sinnen über eine so große Schwäche des von mir hochgehaltenen Freundes . Wie eine unheimliche Naturerscheinung beunruhigte mich dieser rücksichtslose Wankelmut , der zu einer Art frecher Kühnheit wurde , und ich litt unter dem Eindruck , mit welchem man im Traum einen Sinnlosen sich in den Abgrund stürzen sieht . Ein tiefer Seufzer weckte mich auf ; Agnes hatte gesehen , wie Lys mit Rosalien zum Tanze schritt , der im nahen Hauptsaale rauschte und wogte ; plötzlich forderte sie mich auf , sie ebenfalls hinzuführen und mit ihr zu tanzen . Schon drehten wir uns mit der buntschimmernden Menge und begegneten zweimal der rosigen Venus , deren Purpurgewand flog und den mit ihr tanzenden Lys zeitweise halb bedeckte . Dieser grüßte uns froh und zufrieden , wie man Kinder grüßt , die sich gut zu unterhalten scheinen . Wieder trafen wir am Ende des Walzers zusammen ; Rosalien gefiel das zierliche Kind und verlangte es in ihrer Nähe zu haben , während ich an den Narrenspielen teilnehmen mußte , die den Tanz jetzt ablösten . An einem langen Seile führte Kunz von der Rosen alle vorhandenen Narren durch das Gedränge . Jeder trug auf einer Tafel geschrieben den Namen seiner Narrheit , und von den leichteren schied der lustige Rat neun schwere aus und stellte sie vor dem Kaiser als Kegelspiel auf . So standen da vor aller Augen Hochmut , Neid , Grobheit , Eitelkeit , Vielwisserei , Vergleichungssucht , Selbstbespiegelung , Halsstarrigkeit und Wankelmut . Mit einer mächtigen Kugel , welche die übrigen Narren mit komisch heftigen Gebärden herbeiwälzten , versuchte nun mancher Ritter und Bürger nach den neun Kegelnarren zu schieben , aber nicht einer wankte , bis endlich der heroische Max , welcher das ganze deutsche Volk darstellte , sie alle mit einem Wurfe über den Haufen warf , daß sie übereinanderpurzelten . Aus dieser Niederlage entwickelte sich eine scherzhafte Auferstehung , indem Kunz dem sieghaften König als Belohnung die wiedererstandenen Bildwerke der alten Welt vor Augen brachte und zunächst die gefallenen Narren als Niobidengruppe aufrichtete , welche freilich zur Zeit Maximilians noch in der Erde lag . Aus der tragischen Darstellung löste sich unversehens die Gruppe der Grazien , von drei jungen , zierlich feinen Narren gebildet , welche sich nach einmaligem Umdrehen wieder um einen Mann verminderten und als Amor und Psyche umfingen , bis diese sich auflösten und nur ein Narzissus übrigblieb . Aber auch dieser schwand hinweg , und an seiner Stelle lag jener kleinste Zwerg als sterbender Fechter am Boden und machte seine Sache so vortrefflich , daß alle Zuschauer zu lautem Beifall gerührt wurden und die gesamte Narrenschaft herbeieilte , ihn samt der umgekehrten Fischschüssel , auf welcher er lag , emporhob und im Triumph davontrug . Als auch diese Wolke sich verzogen , wurde eine Laokoonsgruppe sichtbar , von Erikson und zwei jungen Satyrn mit Hilfe zweier großen Schlangen dargestellt , die man aus Draht und Leinwand gemacht hatte . Es war keine leichte Anstrengung , mit gespannten Muskeln in der vorgeschriebenen Lage zu verharren ; diese wurde aber noch schwieriger , als er in dem krampfhaft zurückgebogenen Kopfe die Augen einmal abwärts bewegte und in dem nunmehrigen augenblicklichen Gesichtsfelde Rosalien sah , wie sie von Lys am Arme vorübergeführt wurde , sich lächelnd , aber flüchtig nach ihm umwendete und dann mit ihrem Führer plaudernd sich im Gedränge verlor . Auch hörte er in der Nähe sagen : » Da geht ja die schöne Venus die ganze Zeit mit dem reichen Fläming oder Friesen , oder was er ist ! Gut genug sieht er übrigens aus , und sie wird denken schön und reich , sind beide gleich ! « Sobald er die Schlangen abgestreift hatte und frei war , stürmte Erikson durch das Haus und bettelte von zechenden Bekannten entbehrliche Gewandstücke zusammen . Wunderlich gekleidet , teilweise ein Bischof , ein Jäger und ein wilder Mann , den Kopf noch grün belaubt , suchte er die Verschwundenen auf und fand sie in dem größern Kreise , in welchem die Bacchusleute , der Hof der Venus und die Jäger sich vereinigt hatten . Er war nicht eifersüchtig und schämte sich sogar des