der Truppen sei kaum nennenswert , auf seiten des Pöbels leider Gottes ! weit geringer als , um des guten Exempels willen , zu wünschen wäre : Die militärische Tätigkeit beschränke sich lediglich noch darauf , die Häuser nach dem Gesindel , das sich in sie geflüchtet habe , zu durchstöbern ; vor allem nach den wohlbekannten Rädelsführern . » Ist es nicht wie ausgestorben ? « fragte er lachend , da er » die Herrschaften « an das Fenster treten sah . » Die Vorsichtigen haben sich in ihren Wohnungen abgesperrt , die Vorwitzigen sind ausgeflogen dorthin , wo sie etwas Schreckliches zu hören und zu sehen vermuten . Im Mittelpunkte der Stadt , der in seiner Bauart an und für sich schon einem Gekröse gleicht , mag es ein schönes Schieben und Drängen geben ! Nichts geht dem Plebs über das Totgedrücktwerden ! « Dezimus unterbrach den mitteilsamen Herrn mit der Frage nach dem Bataillonsbureau , in dem er sich zu melden hatte . Die Straße lag , nahe erreichbar , abseiten des Gewühls . Auf die weitere Frage nach der Wohnung der Frau von Hartenstein prallte der leichtherzige Herr Wirt erschrocken zurück . Er hatte ein argloses Zutrauen zu seinem geistlich gekleideten Gaste gehegt , da Pfarrer und Hoteliers gemeinhin konservative Gesinnungsgenossen sind , - nun musterte er ihn mit den bedenklichsten Mienen . » Von Hartenstein ! « rief er , nachdem er sich physiognomisch beruhigt hatte . » Von Hartenstein , sagen der Herr ? Aber das ist gerade ja der , auf welchen man , als den Urheber des Unternehmens , fahndet ! Und klug und verwogen wäre der Patron schon dazu ! So ein fester Stützpunkt , halben Wegs zwischen Frankfurt und Berlin , der Plan war , weiß der Deixel , nicht ohne ! Wenn der Streich morgen , am Stellungstage , mit geschulten Leuten unternommen worden wäre , kein Zweifel , daß man mit Kanonen darein hätte fegen müssen , und die halbe Stadt wäre zu einem Trümmerhaufen zusammengeschossen worden . Unser Herr Kommandant läßt , Gott sei Dank ! nicht mit sich spaßen . Heute ist er in Dienstgeschäften auswärts , und weil man ihn morgen wieder auf seinem Posten wußte , hat man - ein Heidenglück diese Dummheit ! - die Ladung vorzeitig zum Platzen gebracht . Denn mit unserer Gassenbande allein brauchte freilich nicht viel Federlesens gemacht zu werden . Die Hauptsache ist nur , dem roten Hartenstein endlich den Garaus zu machen ! « Dezimus erklärte , daß nicht dieser Hartenstein es sei , nach dessen Wohnung er gefragt , sondern ein junger Offizier vom * sten Regiment , der erst vor kurzem hierher versetzt worden sei , und da Herr Goldmann noch nicht die Ehre hatte , den Betreffenden zu kennen , entfernte er sich , das Adreßbuch herbeizuholen . Rose hatte sich während des Wirtes Rede an eine Stuhllehne geklammert ; ihre Glieder flogen , das Gesicht , das sie dem Fenster zugekehrt hielt , war schattenbleich , die Zähne schlugen wie im Fieberfrost aneinander . Dezimus suchte sie zu beruhigen , wennschon ihm selbst nichts weniger als ruhig zumute war . » So glaube doch solcher Wirtshauskannegießerei nicht , Kind , « sagte er . » Wie wäre diesem vermeintlichen Urheber solch ein Tollmannsstreich zuzutrauen ? Und wissen wir denn nicht am besten , an welchem Orte derselbe zu suchen ist ? « Der Wirt trat wieder ein . Er brachte Licht , denn es war in der Zwischenzeit dämmerig geworden , und den Wohnungsanzeiger . Der Leutnant von Hartenstein war noch nicht darin aufgenommen . Dezimus meinte , daß er sich im Bataillonsbureau nach ihm erkundigen werde , und legte , nachdem der Wirt , um nach seiner kranken Frau zu sehen , sich entschuldigend zurückgezogen hatte , sein Soldatenzeug ab . Er gedachte seine dienstliche Angelegenheit so rasch als möglich abzutun und mit Rosen heute noch heimzukehren ; wenn auch leider wahrscheinlich erst mit dem Abendzuge , da der nachmittägige binnen einer halben Stunde abging . Wie verwünschte er seine loyale Demonstration ! » Nimm mich mit , Dezimus ! « preßte Rose hervor , indem sie sich an seinen Arm klammerte . » In ein Militärbureau ? « entgegnete er lächelnd . » In kurzem bin ich zurück und bleibe dann bei dir , oder führe dich , wenn du es wünschest , zu Frau von Hartenstein . Soll ich dir ein Zimmer im oberen Stock , wo es ruhiger ist , geben lassen ? « » Es ist ja auch hier ruhig , « versetzte sie , plötzlich gefaßt . » Ich schließe die Tür . Geh nur , geh ! « Dezimus ging . Rose öffnete das Fenster und sah ihm nach , bis er in einer Seitengasse verschwand . Es war noch Zwielicht , aber die Straßenlaternen wurden bereits angezündet . Ringsum Seelenstille . Rose zitterte noch immer . Fürchtete sie sich ? O , gewiß nicht . Die kleine Rose war nicht furchtsamer Art , und was hätte sie auch für sich selbst zu fürchten gehabt ? Sie zitterte für einen anderen , sie spähete nach ihm , hätte - vor ihm fliehen ? - nein , hätte mit ihm fliehen , ihn retten mögen um jeden Preis . Sie dachte nur an ihn ; es war , als ob sie seine Gegenwart wittere . Und doch ringsumher kein Mensch . Plötzlich hörte sie Tritte . In der Ferne kam eine Patrouille die Straße entlang . An ihrer Spitze ein Offizier , dessen gezogenen Säbel sie im Lampenlicht blitzen sah . Sonst niemand . Aber da - da - aus einem Quergäßchen einbiegend , eine Gestalt , - der , nach dem sie gespäht ! Nicht der visionäre Räuberhauptmann mit rotem , struppigem Haar und Bart , ein elegant gekleideter Tourist , geht er raschen , aber sicheren Schrittes dicht unter ihrem Fenster hin dem Bahnhofe zu . Wenige Schritte , und das Kommando muß ihn überholen