mich , Herzog Guntharis und die Stadt bezwingen : dann ist ' s dahin , das Reich und Volk der Goten . Es gibt nur zwei Wege : Sturm - « » Unmöglich , « sprach Hildebrand . » Oder nachgeben . Geh , Teja , nimm die Krone . Ich sehe keinen Ausweg . « Die beiden jungen Männer zauderten . Da sprach mit einem ernsten , trauervollen Blick der Liebe auf den König der alte Hildebrand : » Ich sehe den Ausweg , den schmerzvollen , den einzigen . Du mußt ihn gehen , mein Witichis , und bricht dir siebenmal das Herz . « Witichis sah ihn fragend an : auch Teja und Hildebad staunten ob der Weichheit des felsharten Alten . » Geht ihr hinaus , « fuhr dieser fort , » ich muß allein sprechen mit dem König . « Fünfzehntes Kapitel . Schweigend verließen die beiden Goten das Zelt und schritten draußen , den Ausgang abwartend , die Lagergasse auf und nieder . Aus dem Zelt drang hin und wieder Hildebrands Stimme , der in langer Rede den König zu ermahnen und zu drängen schien : und hin und wieder ein Ausruf des Königs . » Was kann nur der Alte sinnen ? « fragte Hildebad , stillhaltend , » weißt du ' s nicht ? « - » Ich ahn ' es , « seufzte Teja , » armer Witichis ! « - » Zum Teufel , was meinst du ? « » Laß , « sagte Teja , » es wird bald genug auskommen . « So verging geraume Zeit . Heftiger und schmerzlicher klang die Stimme des Königs , der sich der Reden Hildebrands mächtig zu erwehren schien . » Was quält der Eisbart den wackern Helden ? « rief Hildebad ungeduldig . » Es ist , als wollt ' er ihn ermorden . Ich will hinein und helf ' ihm . « Aber Teja hielt ihn an der Schulter . » Bleib , « sagte er . » Es muß wohl sein . « Während sich Hildebad losmachen wollte , nahte Lärm von Stimmen aus dem obern Ende der Lagergasse . Zwei Wachen bemühten sich vergebens , einen starken Goten zurückzuhalten , der mit allen Zeichen langen und eiligen Rittes bedeckt , sich gegen das Zelt des Königs drängte . » Laß mich los , « rief er , » guter Freund , oder ich schlage dich nieder . « Und drohend hob er eine wuchtige Streitaxt . » Es geht nicht . Du mußt warten . Die großen Heerführer sind bei ihm im Zelt . « » Und wären alle großen Götter Walhalls samt dem Herrn Christus bei ihm im Zelt , ich muß zu ihm . Erst ist der Mensch Vater und Gatte und dann König . Laß los , rat ' ich dir . « » Die Stimme kenn ' ich , « sagte Graf Teja , nähertretend - » und den Mann . Wachis , was suchst du hier im Lager ? « » O Herr , « rief der treue Knecht , » wohl mir , daß ich Euch treffe . Sagt diesen guten Leuten , daß sie mich loslassen . Dann brauch ' ich sie nicht niederzuschlagen . Ich muß gleich zu meinem armen Herrn . « » Laßt ihn los : sonst hält er Wort : ich kenne ihn . Nun , was willst du bei dem König ? « » Führt mich nur gleich zu ihm . Ich bring ' ihm schwarze , schwere Kunde von Weib und Kind . « » Von Weib und Kind ? « fragte Hildebad erstaunt . » Ei , hat Witichis ein Weib ? « » Die wenigsten wissen es , « sagte Teja . » Sie verließ fast nie ihr Gut , kam nie zu Hof . Fast niemand kennt sie : aber wer sie kennt , der ehrt sie hoch . Ich weiß nicht ihresgleichen . « » Da habt Ihr recht , Herr , wenn Ihr je recht gehabt , « sprach Wachis mit erstickter Stimme . » Die arme , arme Frau und ach , der arme Vater . Aber laß mich hinein . Frau Rauthgund folgt mir auf dem Fuß . Ich muß ihn vorbereiten . « Teja , ohne weiter zu fragen , schob den Knecht in das Zelt und folgte ihm mit Hildebad . Sie trafen den alten Hildebrand ruhig , wie die Notwendigkeit , auf dem Lager des Königs sitzen , das Kinn mit dem mächtigen Bart in die Hand und diese auf das Steinbeil gestützt . So saß er unbeweglich und richtete fest die Augen auf den König , der , in höchster Aufregung , mit hastigen Schritten , auf und nieder ging und im Sturm seiner Gefühle die Eintretenden gar nicht bemerkte : » Nein ! nein ! niemals ! « rief er , » das ist grausam ! frevelhaft ! unmöglich ! « » Es muß sein , « sagte Hildebrand , ohne sich zu rühren . » Nein , sag ' ich , « rief der König und wandte sich . Da stand Wachis dicht vor ihm . Er starrte ihn wirr an : da warf sich der Knecht laut weinend vor ihm nieder . » Wachis « , rief erschreckend der König , » was bringst du ? Du kömmst von ihr ! Steh auf - was ist geschehen ? « » Ach Herr , « jammerte dieser immer noch knieend , » Euch sehen , zerreißt mein Herz ! Ich kann nichts dafür ! Ich hab ' s vergolten und gerächt nach Kräften . « Da riß ihn Witichis bei den Schultern auf : » Rede , Mensch , was ist zu rächen ? Mein Weib - ? « » Sie lebt , sie kommt hierher , aber Euer Kind ... « » Mein Kind , « sprach er erbleichend , » Athalwin , was ist mit ihm - ? « »