gehen . Das Hilfegebet der Menschen verwandelte sich in ein Dankgebet . Als es geendiget war , erhielten die Männer , welche das Schiff gelenkt hatten , ihren Lohn , bestiegen den Kahn , und fuhren wieder an das Ufer . Dann kam ein anderes Schifflein herzu , aus welchem Menschen an einer langen Stange einen hölzernen Kübel empor hielten , und eine Gabe für die Armen und für eine Kirche zur Behütung der Schiffe verlangten . Alle legten eine Gabe in den Kübel . Hierauf kam noch ein größeres Schiff , und heischte Wassermaut und Wasserzins . Die Wassermaut und der Wasserzins wurden bezahlt . Dann ging das rotschnablige Schiff zwischen kleineren Waldhöhen in freies Land mit Wiesen und Feldern und Wäldern und Kirchen und Burgen hinaus . Das Land war zu beiden Seiten des Stromes das des Markgrafen von Österreich . Auf dem rechten Ufer lag die Stadt Ybbs , und auf dem linken eine alte dunkelbraune Kirche . Dann kam an gerade emporstehenden Felsen der Ort Marbach . Dort legten sie das Schiff an , und hielten Nachtruhe . In der Morgendämmerung fuhren sie wieder weiter , und Witiko und Raimund saßen wieder auf dem Dache . Sie fuhren an der alten Stadt Bechelaren vorüber , an der Veste und dem Münster Melk , und kamen dann wieder in eine Schlucht hinunter , die größer und tiefer war als diejenigen , durch welche sie bisher gefahren waren . Auf den dichten Waldhöhen standen Burgen , die dem Geschlechte Chunring oder andern angehörten , an dem Saume des Wassers waren Kirchen und Ortschaften , Wiesen und Felder , und es grünete der Weinstock . Bei dem Orte Stein endigte die Schlucht , und die Schiffer fuhren in ein sehr weites ebenes Land hinaus . Sie fuhren an den Städten Stein und Krems vorüber , und an der alten Stadt Tuln . Als die Sonne schon dem Untergange nahe war , kamen sie wieder zu einem Berge . Es war der Kahlenberg , auf dem die Burg der Markgrafen von Österreich stand . Sie fuhren an dem Berge vorüber . Sie fuhren noch an Gärten und Wäldchen und Häusern vorüber , und als die Nacht schon dunkelte , landeten sie an dem Gestade der Stadt Wien . Die Menschen gingen nun aus dem Schiffe . Witiko und Raimund führten ihre Pferde auf das Ufer . Dann ließ Witiko seine Habe aus dem Schiffe tragen und auf Saumtiere laden , und ritt neben den Säumern mit Raimund in die Herberge des Salzgrießes . Dort verbrachten sie die Nacht . Am nächsten Morgen pflegten sie die Pferde , dann ging Witiko durch das Tor der Stadt in das Kirchlein des heiligen Rupert , welches auf der Höhe des Gestades stand , und betete . Als er zurück gekommen war , rüsteten sie die Pferde , bestiegen sie , und ritten fort . Sie ritten an dem Rande des Stadtgrabens bis zu einer Stelle , welche die Freiung hieß , weil sie fliehenden Missetätern einen Schutzraum bot . Sie ritten an der Freiung vorüber , dann von der Stadt hinweg in ein grünes Gefilde , auf dem manches Häuslein stand , mancher Garten eingezäunt war , hie und da Bäume empor ragten , und an manchem Pflocke und an manchem Gitter Weinreben angebunden waren . Sie ritten an Häusern , Gärten , Bäumen und Weinreben vorüber , bis sie in den Wald gelangten , der zu der Höhe des Kahlenberges empor ging . Sie ritten auf dem Pfade des Waldes zu der Burg der Markgrafen von Österreich hinauf . Als sie vor dem Tore der Burg angekommen waren , ließ Witiko den Klöppel des Tores erschallen . Da öffnete sich das kleine Pförtchen neben dem Tore , und der Torwart trat heraus . Er fragte um den Namen des Reiters . Witiko nannte ihn . Darauf ging der Torwart wieder hinein , und es wurde ein Flügel des Tores geöffnet . Die Reiter ritten in den Hof . Dort stiegen sie von den Pferden , und es kam ein Mann herzu , welcher sagte , er diene dem Marschalke des durchlauchtigsten Markgrafen , und werde die Pferde besorgen . Witiko und Raimund brachten mit diesem Manne die Pferde in einen Stall , und gaben ihnen die erste Pflege . Dann führte sie der Mann in ein Wartegemach , und ging fort . Nach einer Zeit kam ein anderer Mann , der sagte , daß ihm der von den Reitern , welcher Witiko heiße , folgen solle . Witiko befahl dem Knechte , der Pferde zu achten , und auf ihn dann in dem Stalle oder in dem Gemache , in dem sie jetzt wären , zu harren . Dann ging er mit dem Manne fort . Dieser führte ihn über eine Treppe empor , dann über einen Gang , und dann in ein Gemach , in welchem junge Mädchen saßen , die spannen . Hier ließ er Witiko stehen , und ging wieder durch die Tür hinaus . Eines der Mädchen stand von seiner Spindel auf , öffnete die Tür in ein weiteres Gemach , und ging hinein . Nach einer Weile kam es wieder heraus , und sagte , Witiko möge hinein gehen . Witiko ging in das Gemach . Es war eine geräumige Stube in einer Ecke der Burg mit vier Fenstern in zwei Seiten . An einer Rückwand stand ein hölzernes Kreuz mit dem Heilande . Vor dem Kreuze stand ein Betschemel mit braunem Tuche , und über dem Kreuze war ein Dach von dem nämlichen Tuche . Die ganze Stube war mit Eichenholz getäfelt . An einem Tische waren vier Frauen , die dunkelgraue Gewänder hatten . Die Gewänder wurden durch einen Gürtel zusammen gehalten . Auf dem Haupte trugen sie weiße Hauben . Die Frauen waren an einem großen Tuche mit der Nadel beschäftigt , eine Stickerei darauf zu verfertigen . Zwei von ihnen waren jung , eine war in mittlerem , die andere in höherem Alter