. Wie Sie wollen , was Sie wollen , sagte der Graf ; ich will froh sein , wenn ich aus dem verdammten Lande weg bin . Berger steckte das Pistolenkästchen in die Tasche . Da tönte von der Straße herauf wilder Lärm . Berger war mit einem Satze am Fenster , das er in wilder Hast aufriß . Volksschaaren , Männer , Weiber und Kinder wälzten sich die Akazien hinab . Wir sind verrathen ! Man schießt auf uns ! Zu den Waffen , zu den Waffen ! Zu den Waffen , zu den Waffen ! schrie Berger , die Arme in die Luft schleudernd ; endlich , endlich ! Habe Dank , Du großer Geist ! Er wandte sich vom Fenster , packte den Grafen , den die Neugier von seinem Stuhle emporgetrieben hatte und der ihm jetzt in den Weg kam , an der Brust , schüttelte ihn mit Riesenkraft und schrie : Hörst Du , Memme , zu den Waffen ! Ein ganzes Volk ruft es . Weiber und Kinder ! Jetzt sollen all die alten Sünden quitt gemacht werden , die Du und Deinesgleichen seit dreißig Jahren auf Euch geladen habt . Er stieß den Halbentseelten verächtlich von sich , schloß die Thür auf und stürzte hinaus . Er rannte an einen Officier , der eilig zum Zimmer hinein wollte . Es war der Fürst Waldernberg . Entschuldigen Sie , mein Vater , wenn ich meinem Versprechen , Sie zur Fürstin zu begleiten , nicht nachkommen kann , sagte der Fürst athemlos . Sie hören , daß die Emeute wieder im besten Gange ist , ich erwarte jeden Augenblick , daß Generalmarsch geschlagen wird . Der Graf war von der Scene mit Berger noch ganz außer sich . Er stierte den Fürsten mit einem bleichen , verstörten Gesicht an . Was haben Sie , mein Vater ? fragte der Fürst , der jetzt erst diese Veränderung bemerkte . Scheeren Sie sich zum Teufel , Herr , mit Ihrem Vater ! rief der Graf , ich bin Ihr Vater nicht , will nicht Ihr Vater sein . Wenn Sie Ihren Vater sehen wollen , gehen Sie zu Ihrer Frau Mama , Sie werden ihn eben jetzt da finden . Was heißt das , mein Vater , sagte der Fürst , der zu fürchten begann , der Graf sei wahnsinnig geworden . Mein Vater ! höhnte der Graf , köstlich , herrlich ! Aber ich habe das Possenspiel satt . Meinetwegen geht Alle zum Teufel ! Er riß an dem Glockenzuge . Den Wagen vorfahren lassen , hören Sie ! schrie er den Kellner an . Und dann zum Fürsten gewandt : Wollen Sie jetzt gehen , Herr , oder nicht ? Der Fürst sah aus , wie Jemand , der nicht weiß , ob er seinen Augen und Ohren trauen soll . Plötzlich schien er einen Entschluß gefaßt zu haben . Er warf noch einen Blick auf den Grafen , der jetzt wie toll umherrannte , und verließ eilig das Gemach . Siebenundvierzigstes Capitel Herr Schmenckel wanderte langsam die Akazien hinab nach der Williamsstraße . Er hatte die Arme auf den Rücken gelegt und den Hut tief in die Stirn gedrückt ; die Leute gingen ihm aus dem Wege , denn er stierte unverwandt auf das Straßenpflaster und murmelte fortwährend Unverständliches durch die Zähne . Aber Herr Schmenckel war keineswegs betrunken oder verrückt ; er war nur etwas aufgeregt und repetirte die Lection , die ihm Berger eingeprägt hatte . Es war ein saurer Gang ; aber Herr Schmenckel fühlte , daß er nur seine Pflicht thue , wenn er das Complot , in das der schlaue Timm ihn verwickelt , wieder zerstöre . Ein wahres Glück , daß er sich in seiner Herzensangst dem Professor entdeckt hatte ! wie der zu reden wußte ! daß es einem ordentlich angst und bange wurde . Der Schmenckel hat ' s ja immer gesagt , daß hinter dem Professor etwas ganz Besonderes stecke . Und daß die Czika nun schließlich doch ein Baronenkind war , das verwunderte den Caspar Schmenckel aus Wien gar nicht . Es hatte so kreuznärrische Augen gehabt , das Mädel , und er hatt ' s auch immer ganz besonders gut behandelt ; da war ' s am Ende gar nicht so wunderbar von dem Baron Oldenburg , daß er dem alten ehrlichen Casperle eine Hausmeisterstelle auf seinen Gütern angeboten hatte , wo er fortan ohne Sorgen leben konnte . Nein , Caspar Schmenckel aus Wien brauchte von Niemandem Geld zu erschwindeln , Caspar Schmenckel konnte wieder frei den Kopf erheben . Zum Tausend , Alter , kommt Ihr erst jetzt ? rief plötzlich eine scharfe Stimme ; Ihr solltet ja schon mit Eurer Visite fertig sein . Albert war in der Williamsstraße in der Nähe des Hotel Waldernberg auf und ab patrouillirt , um den Erfolg von Oswalds Unterredung mit der Baronin Grenwitz zu erfahren . Herrn Schmenckel glaubte er um diese Zeit schon auf dem Wege nach dem Dustern Keller , wo sie sich ein Rendez-vous gegeben hatten für den Fall , daß sie sich auf der Straße verfehlen sollten . Albert hatte nicht umsonst Schmenckel eine Stunde früher als Oswald nach dem Palais geschickt . Damit Oswalds Zusammenkunft mit der Baronin die rechten Früchte tragen konnte , mußte die Baronin zuvor einen gewissen Brief gelesen , und damit die Wirkung des Briefes nicht paralysirt würde , mußte Herr Schmenckel mit der Fürstin conferirt haben . Er war deshalb über Herrn Schmenckels Zuspätkommen auf ' s höchste entrüstet . Es ist rein um närrisch zu werden , fuhr er in noch ärgerlicherem Tone fort ; nicht einen Augenblick kann man Euch allein lassen , so giebt ' s eine Dummheit . Oho ! nicht so grob , Freundchen , entgegnete Herr Schmenckel , der sich im Bewußtsein seiner tugendhaften Vorsätze dem schlangenklugen Mitschuldigen gewachsen fühlte ; sonst komm ' ich Dir auf den Buckel ! Nun , nun , sagte Albert einlenkend