gewesen , hatte im Gegentheil viel Spott und Hohn aus dem Munde des übermüthigen Mädchens über sich ergehen lassen müssen . Seine Liebesversicherungen wurden mit ironischen Bemerkungen zurückgewiesen und seine Ritterdienste mit einer Gleichgiligkeit entgegen genommen , die ihn , wenn es ihm wirklich Ernst gewesen wäre , zur Verzweiflung gebracht haben würden . Und es war ihm , wie es in solchen Dingen zu gehen pflegt , nach und nach wirklich Ernst mit der anfänglich so leichtsinnigen Tändelei geworden . Fräulein Emilie war so reizend selbst in ihrem Uebermuth , so liebenswürdig selbst in ihrer Ungezogenheit , daß der unglückliche Vogelsteller sich von Tag zu Tag tiefer in die Netze , die er selber gelegt hatte , verstrickte , und jetzt Alles darum gegeben haben würde , ein freundliches Wort aus dem angebeteten Munde zu erhalten . Wie überrascht war er deshalb , wie außer sich vor Entzücken , als ihm Fräulein Emilie , die er kaum noch anzureden wagte , heute mit der größten Freundlichkeit entgegen kam , ihn auf dem Spaziergang , den man durch den Garten machte , zum Begleiter erwählte , ihren Sonnenschirm von ihm tragen , sich Blumen von ihm pflücken , ein im Saale vergessenes Taschentuch von ihm holen ließ , mit einem Worte , scheinbar Alles that , die ihm in den letzten Wochen zugefügten Beleidigungen in einer Stunde wieder gut zu machen . Cloten war überglücklich ; seine wasserblauen Augen strahlten ; er drehte ohne Aufhören seinen kleinen blonden Schnurrbart und lächelte dumm vergnügt , so oft ihm eine Aeußerung , wie : nun , Cloten , kann man gratuliren ? oder : recht so , Cloten , nur nicht ängstlich ! und ähnliche in ' s Ohr gezischelt wurden . Oswald wußte nicht , was er von dieser Komödie denken sollte . Im Anfang glaubte er , Emilie wolle ihm nur zeigen : sieh ! es fehlt mir nicht an Bewunderern . Er konnte nicht annehmen , daß ein so geistvolles und - mochten ihre Fehler sein , welche sie wollten - immerhin liebenswürdiges , und jedenfalls sehr hübsches Mädchen sich ernstlich für einen so faden Menschen , wie Cloten , interessiren könnte . Als der Abend aber hereinbrach , die Gesellschaft sich aus dem Garten allmälig in die nach dem Rasenplatz führenden Zimmer zurückzog und zuletzt nur noch Emilie mit Herrn von Cloten unermüdlich draußen promenirten , mußte er sich wohl der Meinung der Gesellschaft , daß die Verlobung zwischen Cloten und Fräulein von Breesen nicht mehr lange auf sich warten lassen werde , anschließen . Es that ihm leid um das Mädchen , daß sich so wegwerfen konnte ; dann aber dachte er wieder : Du brauchtest Dir wahrlich wegen eines so leichtsinnigen Geschöpfes keine so großen Gewissensbisse zu machen . Sie sind im Grunde Eines des Andern vollkommen würdig . Ob sich dieser Cloten nicht schämt , vor den Augen der Frau , die er liebte , ein solches Schauspiel aufzuführen ? Er wandte sich zu Hortense von Barnewitz , die in einer Fensternische des Saales ganz allein stand . Die hübsche Blondine schien , sehr gegen ihre Gewohnheit - denn sie war eine der gefeiertsten und verwöhntesten Damen - diese Vernachlässigung von Seiten der Herren heute gern zu sehen . Werden Sie heute nicht tanzen , gnädige Frau ? fragte Oswald . Soll denn getanzt werden ? antwortete Hortense , wie aus einem Traume erwachend . Gewiß . Die Baronin läßt das Klavier in den Saal schaffen . Herr Timm hat sich erboten , zu spielen ; ich wollte mir erlauben , die gnädige Frau um den ersten Tanz zu bitten , im Fall Sie sich noch nicht versagt haben . Ich mich versagt ? Bewahre ! die Zeiten sind vorüber , wo ich auf Wochen voraus zu jedem Tanz engagirt war . Ich überlasse das jetzt den Jüngeren . Sie belieben zu scherzen . Keineswegs . Sie sind der Erste , und weil ich fürchte , daß Sie auch der Letzte sein werden , will ich lieber gar nicht anfangen , sondern Sie bitten , sich ein wenig zu mir zu setzen , und die Zeit , die Sie mit mir vertanzen wollten , in aller Ruhe zu verplaudern . Ist es Ihnen recht ? Die Frage beantwortet sich selbst , sagte Oswald , Hortense einen Stuhl herbeiziehend . Setzen Sie sich auch ! sagte diese . Ich höre , Herr Doctor , Sie haben ein großes Talent zur Satyre ; lassen Sie mich eine Probe dieses Talentes hören ; an Stoff kann es Ihnen ja nicht fehlen , wenn Sie von unserm Standpunkt aus einen Blick auf die Gesellschaft hier im Saale werfen . Welche von den Damen halten Sie für die hübscheste ? Sie meinen die am wenigsten häßliche ? Sie Spötter ! Freilich , außer einigen erträglichen Toiletten ist nicht viel Hübsches wahrzunehmen . Wie finden Sie Helene Grenwitz ? Ich finde sie gar nicht , trotzdem ich sie überall mit den Blicken suche . Dort rechts von der Thür . Sie spricht mit ihrem Cousin Felix . Wie steht denn die Angelegenheit ? hat Felix sich noch immer nicht erklärt ? Jedenfalls nicht gegen mich . Das glaube ich gern . Aber glauben Sie , daß er sich erklären wird ? Nein . Weshalb ? Weil ich die Sache für unerklärlich halte . Schwärmen Sie etwa für Fräulein Helene ? Ganz unendlich . Sie interessiren sich überhaupt wohl besonders für junge Mädchen , die eben aus der Pension kommen ? Nur , wenn sie wirklich interessant sind . Nicht immer ; oder Sie wollen doch nicht behaupten , daß Emilie Breesen dies Beiwort verdient ? Ich habe noch nie für Fräulein von Breesen geschwärmt . Desto mehr die Kleine für Sie . Lisbeth von Meyen ist die Vertraute von Emiliens Liebeskummer geworden und Lisbeth hat natürlich die ganze Sache ausgeplaudert . Aber das ist ja unmöglich ! Beruhigen Sie sich nur ! Sie sehen ja , das gute Kind hat sich