Baden-Baden sich neben jedem deutschen Standesherrn sehen lassen konnten , erzählte er : Bin ich doch gekommen heute Abend auf den Domplatz und habe gesehen ... Gottswunder ... Was hab ' ich gesehen ! Ist gekommen Herr Fuld und Söhne junior der Moritz ! Ist er gekommen mit dem neuen rothen Bändchen im Knopfloch ! Hat er doch gekriegt den Orden von der ehrlichen Legion in Paris ! Die Unterbrechungen der Zustimmung verstanden sich an den schlagenden Stellen von selbst ... Sieht der Ritter Moritz sich um und wird fragen : Wo ist hier die Fabrik von die Wachslichter und Lebkuchen und heiligen Oblaten ? Herr Schmitz ! Können Sie mir nicht sagen : Wo ist wohnhaft Herr Jean Baptiste Maria » Schnuphöse « aus Hildesheim mit die elegönte s-pitze Vatermörders ? Diese Variation gestattete eine neue Zustimmung . Sie war eine andere Tonart der Gebhard Schmitz ' schen Redekunst , die ein Unisono von ähnlich betonten Worten hervorrief ... Gebhard Schmitz fuhr fort : Gut ! Hab ' ich ihm gezeigt den Laden von Herrn » Möriö « und hab ' mir gemacht doch auch ein Geschäft bei die Fräuleins , um zu hören , was der Ritter von Louis Philipp ' s ehrliche Leute hat für neue Masematte ! ... Gut ! Wie wir eintreten , frag ' ich die Fräuleins ... Unisono des Chorus : Evö ! Apöllönia ! Ob sie nicht hätten ein schönes ges-ticktes Tauftüchelchen mit bröbönter S-pitzen , das ich wollte schenken nach Bilk uf die Hütte von meinem Tate , wo zwei bilkener Jüden sind gekommen auf den Einfall sich zu taufen ! Sagt der Herr Ritter von die französische Ehrlichkeit zu mir : Main , Herr Schmitz ! Sie wollen kaufen so feinen » Böttist « , um zu waschen zwei bilkener Juden rein von ' s Judenthum ? Da will ich Sie recommandiren die geistliche Stickerei da oben in dem fünften Carton rechts seh ' ich Litera B , wo angeschrieben steht mit lateinische Buchstaben : » Tauftügelchen « - Tügelchen mit ' nem G , Herr Schmitz ! Neue Unterbrechung über die Orthographie Eva ' s und Apollonia ' s Schnuphase ... Aber der Ritter der ehrlichen Legion ... wird er doch sagen : Hat mein Bruder nicht gestern gekauft hier ein Altarbecken und drei neue Meßgewandkleider ... meine Damen ? ... Ja , Herr Fuld ! ... Nun , so werden die Fräulein haben die Güte mir noch zu geben zwei Dutzend von die stärksten Wachslichter fürs heilige Hochamt ! ... Sag ' ich : Herr Fuld : Wie heißt Hochamt ? ... Alles , Herr Schmitz , für die neue Kirche zum Geschenk , wo mein Bruder hat bauen lassen oben bei Lindenwerth und Drusenheim im Enneper Thale ! Und zu die Fräuleins sagt er : Wissen Sie , Fräulein , die Kerzen , wo Herr Levi , der Gemeindevorstand , hat gekauft neulich fürs Tabernakel in unsre Synagoge ... Die aufgeklärte ? frag ' ich . Die neue , Herr Fuld , wo soviel Licht in die schönen Fenster fällt ? ... Nein , Herr Schmitz , sagt er , in die dunkle ! Gerade so wie wir gebaut haben unsre Kirche in Drusenheim auch ins Byzantinische ! Durch den Jubel der Freunde hindurch fuhr mit gesteigerter Stimme Gebhard Schmitz fort : Herr Schmitz ! Sie wird eingeweiht am neunten October , dem Tag vom heiligen Dionysius , wissen Sie dem , den die Römer haben abgehauen den Kopf und der noch ist gegangen ich weiß nicht wie viel Meilen zu Fuß und mit dem Kopf unterm Arm ! ... Ist es denn wahr , Herr Ritter , frug ich , daß Ihr Herr Bruder in Paris von seinem Freund Louis Philipp und aus dem seiner Kapelle von St.-Denis um 10000 Francs hat angekauft einen heiligen Zehen von St.-Denis und will ihn lassen einmauern in dem Altar , wo Sie haben gebaut in Drusenheim die neue Kirche im Basiliskenstil ? Basiliskenstil ... wiederholte der Chorus . In dem Augenblick ist aber gekommen eine Chaise vorm Wachslichterlöden und Fräulein Apollönia hat gerufen : Ach , Herr Fuld ! Ach Herr Schmitz ! - bitte um Entschuldigung , wir bekommen soeben - ! und ein schöner schlanker Herr Köplön ist eingetreten in den Löden , frisch von der Reise angekommen und soll wohnen bei Herrn Schnuphöse ... Und was wird mein Ritter thun von der ehrlichen Legion ? Gleich als wollt ' er haben Ablaß auf hundert Jahre für die byzantinische Kirche hat er Hochwürden eingeladen , auch zu sehen , was gebaut hat sein Bruder Bernhard Fuld zu Drusenheim neben die neue Villa und zog sein Portefeuille und hat gegeben dem fremden Priester gleich die Visitenkarte : Monsieur Monsieur Moritz Fuld ... Der ganze Chorus fiel hier mit den donnernd betonten Worten ein : A Paris ! à Paris ! Man weiß schon ! Diese für unsere Leser gänzlich unverständliche und doch allgemein bejubelte Pointe der Erzählung krönte sie für die jungen Männer wie das letzte Schlagwort eines Epigramms ... Die Worte : » Man weiß schon ! « knüpften sich nämlich an die allbekannte Anekdote , der zufolge der ganz arm aus Kocher am Fall einst gekommene und durch Kriegslieferungen emporgestiegene alte Vater der Gebrüder Fuld jemanden , der ihn bei seinen öftern Reisen nach Paris um seine dortige genauere Adresse gefragt , mit schmunzelndem Stolz geantwortet haben sollte : » Schreiben Sie nur ganz getrost und einfach blos meinen Namen à Musje Musje Fuld à Paris ! Man weiß schon ! « Die Wirkung dieser Erzählung auf Thiebold de Jonge war eine in der Hauptsache , doch im andern Sinne als bei den Freunden , auch aufregende . Nicht daß er Gebhard Schmitz gesagt hätte : Aber Sie lügen ja ganz entsetzlich , Schmitz ! Moritz und Bernhard Fuld sind ja zwei höchst gebildete und sehr taktvolle Männer , über die wir uns deshalb ärgern , weil sie geradezu einen Auffschwung nehmen , der uns alle