wenn sie auch alles umstürzte , mein Gastfreund und Eustach hegten den Wunsch , daß jenes Neue , welches bleiben soll , weil es gut ist - denn wie vieles Neue ist nicht gut - nur allgemach Platz finden und ohne zu große Störung sich einbürgern möchte . So ist der Übergang ein längerer , aber er ist ein ruhigerer , und seine Folgen sind dauernder . Nach dem Mittagsessen kam das Gespräch auf die Brunnennymphe im Sternenhofe , und mein Gastfreund erzählte mir , wie sie erworben worden war . Ein Mann , der entfernt mit Mathilden verwandt war , hatte zu seinem großen Vermögen noch Erbschaften gemacht . Er verlegte sich auf Sammlungen . Er hatte Münzen , er hatte Siegel , er hatte keltische und römische Altertümer , Musikgeräte , Tulpen und Georginen , Bücher , Gemälde und Bildsäulen . Er baute in seinem Garten an sein Haus , welches etwas erhöht stand , eine große Fläche , die er mit Steinen pflasterte , und von welcher künstliche steinerne Stufen in mehreren Richtungen nach dem Garten hinab gingen . Auf die Brüstungen dieser Fläche und auf die Einfassungen der Treppen wurden Bildsäulen gesetzt . Es gehörte zu den größten Vergnügungen des Mannes , auf der Fläche hin und her zu gehen . Das tat er auch oft , wenn die heißeste Sonne am Himmel stand und das Pflaster in die Sohlen brannte . Außerdem hatte er auch noch Bildsäulen auf den Treppen des Hauses und in den Zimmern . Die Nymphe , welche jetzt Mathilde besitzt , hatte er in einem Brunnentempel im Garten . Er hatte sie von seinem Großoheime geerbt . Sie soll zu den Jugendzeiten desselben von einem italienischen Bildbauer für einen Fürsten verfertigt worden sein , dessen schneller Todfall das Übergehen an ihre Bestimmung vereitelte . So kam sie nach mehreren Zufällen an den Großoheim , der Verbindungen mit dem Künstler hatte . Man sagt , diese Bildsäule sei der Anfang zu der Bildsäulenliebhaberei des Vetters Mathildens gewesen . Als dieser Mann starb , fand sich ein letzter Wille geschrieben vor , daß alle Kunstwerke an Kunstkenner oder Kunstliebhaber , nicht aber an Händler verkauft werden , und daß das Geld dafür und die anderen Dinge , die er hinterlassen , und zwar letztere nach einem Schätzungswerte , unter seine entfernten Verwandten verteilt werden sollten ; denn Kinder oder nähere Verwandte hatte er nicht . Da nun die Nymphe weitaus das schönste Kunstwerk war , welches er besaß , da Mathilde es immer bewundert hatte , da sie schon im Besitze des Sternenhofes war und in demselben schon schöne Gemälde untergebracht hatte : so war es ihr nicht schwer , sich als eine Kunstliebhaberin auszuweisen und das Bildwerk anzukaufen . Man gönnte es ihr mehr als einem Fremden , weil auf diese Weise das Kunstwerk gewissermaßen in der Familie blieb , und sie überdies auch mehr in die gemeinschaftliche Erbschaft zahlte , als ein Fremder getan haben würde . Sie brachte das ihr so liebe Werk in den Sternenhof und stellte es dort in einem Saale auf . Erst lange darnach wurde durch Eustachs und meines Gastfreundes Bemühungen zwischen den Eichen , die schon standen , die Eppichwand und die Quellengrotte gebaut , und so der Gestalt ein würdiger und wirkungsvollerer Aufenthaltsort gegeben , da sie für den Saal doch immer zu groß und ihre Stellung und ihre Beschäftigung unpassend gewesen war . Den Krug , aus welchem das Wasser rann , hatte sie schon , das Becken und die Bank sind neu gemacht worden , die Alabasterschale hat Mathilde aus ihrem Besitztum dazu gegeben . Wir kamen am Abende im Rosenhause an . Am andern Tage bat ich meinen Gastfreund , er möge erlauben , daß ich eine Nachzeichnung von der Zeichnung des Kerberger Altares , die er besitze , mache und diese Zeichnung meinem Vater zum Geschenke bringe . Er erlaubte es sehr gerne . Die Zeichnung war nach dem Vorschlage , welcher auf der Reise in das Hochland gemacht worden war , von Roland verbessert worden , und so wurde sie mir übergeben . Ich schloß mich in mein Zimmer ein , und arbeitete mehrere Tage fleißig von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang , bis ich mit der Zeichnung fertig war . Ich verpackte sie nun sehr wohl , und gab meinem Gastfreunde die Urzeichnung zurück . Nun hielt ich mich nicht mehr länger in dem Asperhofe auf , und eilte in die Tann . Ich stieg dort auf Berge , ich arbeitete sehr angestrengt , ich spielte sehr viel auf meiner Zither , und las in meinen Büchern . Eines Tages , gegen den Spätsommer hin , hörte ich mit allem auf . Ich packte meine Kisten , tat die Wertzeuge und die Schriften , die sich auf meine Arbeiten bezogen , in ihre Fächer und Koffer , entließ fast alle Leute , versah die Kisten mit Aufschriften , verordnete ihre Versendung , und ging dann in das Lautertal . Dort nahm ich nur den alten Kaspar und von den jungen Männern einen , der mir besonders lieb geworden war , und beschloß , die Messung des Lautersees zu Ende zu bringen . Ich mietete mich in dem Seewirtshause ein , richtete alle Geräte , welche mir zu meinem Vorhaben nötig waren , zurecht , ließ diejenigen neu verfertigen , welche ich nicht hatte , und ging ans Werk . Ich arbeitete recht fleißig . So lange das Licht des Tages leuchtete , waren wir auf dem Wasser . Nachts - außer einigen Stunden Schlafes - war ich an dem Papiere teils mit Rechnungen , teils mit Schreiben , teils sogar mit Zeichnen beschäftigt . Ich wiederholte einige Messungen , welche ich in früheren Zeiten vorgenommen hatte , um mich von der Beständigkeit oder Wandelbarkeit des Wasserstandes oder des Seegrundes zu überzeugen . Da ein durchaus gleicher Wasserstand nicht zu denken ist , so bezog ich meine Messungen auf einen mittleren Stand , und stellte immer die Frage , wie tief