noch die Neugier hinzu , eine Frau kennen zu lernen , die von dir so verschieden sein soll , so ist Alles beisammen , was dort für sie spricht . An den Proceß denkt Niemand . Pax meint Das auch . Ich will es glauben , sagte Pauline , was Anna ' s Beziehung zum Papa anlangt . Allein der Gegenstand , um den mich Schlurck neuerdings besucht , ist dem Hofe wirklich sehr wichtig . Er wird viel besprochen und auf die Lösung ist man allgemein gespannt . Und so wunderlich ist dabei die Stellung der kleinen Cirkel zum Ministerium , daß beide ganz verschiedene Zwecke verfolgen . Die Ministerien wollen die alte Erbschaft für den Staat und die kleinen Cirkel sind dafür , daß sie der Stadt verbleibt . Das wissen sehr Wenige und Keiner wird es begreifen , der sich nicht in die Natur dieser träumerischen Menschen oben hineingefühlt hat . Und sind wir doch selbst an der Entscheidung betheiligt ? Unser altes Familienhaus in der Stadt ist ein Johanniterlehn . Jahrhunderte lang zahlten die Marschalks eine sehr geringe Abgabe an die Stadt , der die Rechte und Besitzungen übertragen wurden , als die alten Ritterorden protestantisch wurden und ihre großen Güter auseinanderfielen an den Ersten Besten , der in Zeiten allgemeiner Verwirrung von ihnen Vortheil zog und Besitz zu ergreifen verstand . Wenn wir nun vom Staate abhängig werden , würde der Zins ohne Zweifel erhöht . So geringfügig dieser Grund sein mag , der auch uns sollte wünschen lassen , die Sache bliebe beim Alten , so habe ich doch dadurch ein geeignetes Mittel , den intimsten Wünschen der eigentlich einflußreichen und das Ganze regierenden Partei entgegenzukommen , und es ist wiederum eine unbegreifliche Vernachlässigung Schlurck ' s , daß er mir so lange auch nicht über den Gang dieser Angelegenheit berichtet hat . Lange wogte so das Chaos von vielen ungewissen und quälenden Stimmungen und Betrachtungen in der ehrgeizigen , thatendürstenden Frau auf und ab . Was war da nicht Alles , das schattenhaft vor ihr auf - und niedergaukelte ! Liebe , Haß , Streit , Friede , Staat , Familie , die Welt , ihr Haus , ihr Herz .... Alles war in Aufregung und keine Idee war da , die ihr als Stütze und Anlehnung in dieser Verwirrung hätte dienen können . Sie warf einen Rückblick auf die Vergangenheit .... Ach ! sagte sie ; wo sind die Männer , die uns einst zur Seite standen ? Lass ' Das ! rief Charlotte Ludmer . Sieh , da geht der Commissionair des Hotel garni am Paradeplatz ... er kommt zu uns .... Ich will nichts wissen von der Gegenwart , sagte Pauline . O diese Vergangenheit ! Diese kraftvollen Arme , die uns einst emporhielten über diese schaale Welt .... Ein Bedienter geht über den Hof und bringt eine Karte , sagte die Ludmer , die von dem grünen Zimmer zuweilen in das gelbe schritt .... Erst dieser Ried , mein erster Mann ! Ich war jung , kindisch . Ich nahm einen reichen Finanzier . Er war alt , dick , unausstehlich , aber in seiner Weise anerkennenswerth , unternehmend , speculativ . Dann Anton .. auch Eduard ... aber Heinrich Rodewald ! Welch ein Heros ! Welcher Titan an Größe des Geistes ! .... Mit seiner Untreue brach meine Kraft . Du wirst in den Blättern deines Lebens nachschlagen , sagte die Ludmer spottend , bis du auf Zeck kommst .... Charlotte ! Denselben Zeck , den Schlurck schon einige Male in deiner Gegenwart so zweideutig genannt hat ! Schlurck ? Es ist wahr ... Wenn Schlurck die Denkwürdigkeiten der Fürstin Amanda längst besäße ! Charlotte ! Eben wollte die Ludmer sagen : Warum vermeidet dich seit einiger Zeit der Justizrath ? als der Bediente Ernst eintrat und zwei eben abgegebene Gegenstände brachte , eine Karte und einen Brief . Auf der Karte stand : Justizrath Schlurck wird sich die Ehre geben , binnen einer Viertelstunde , wenn erlaubt , aufzuwarten ... Triumphirend blickte die Geheimräthin , die viel Neigung für Schlurck ' s philosophische Weltanschauung hatte , auf die » auch gar zu kluge « , wie sie sie öfters nannte , geheime Vertraute . Und als sie vollends den vom Commissionair gebrachten Brief entgegengenommen und die Aufschrift gelesen hatte , gerieth sie in ein höchst angenehmes Erstaunen . Von der d ' Azimont ! rief sie . Ist es möglich ? Aus Paris ? d ' Azimont ? Kommt der Graf zurück ? fragte die Ludmer gedehnt und gedachte dabei im Nu der Möglichkeit neuer Störungen des sittlichen Verhaltens , das Pauline dem Hofe gegenüber behaupten wollte . Pauline durchflog das Billet in gespanntester Aufmerksamkeit und ließ während des Lesens die Worte hinfallen : Nein - der Graf nicht - von ihr - Was ? - krank - Wer ? Prinz Egon ist krank ? - Der Arme - sie hat sich brouillirt - mit dem Grafen ? - Nein , mit Egon auch ? O ! -Sieh ! Sieh ! - Sie ist rasend - sie verzweifelt - sie wird abreisen ? - sie kommt von Paris - Nein , was les ' ich denn ! Sie ist schon da ! Himmel der Brief ist ja von hier - Die d ' Azimont ist hier ? fragte die Ludmer . Die d ' Azimont ! Helene d ' Azimont , Egon ' s Geliebte ! Hier ? Sie war dir immer zugethan ... aber .... Indem fuhr ein Wagen vor . Ohne Zweifel schon der angekündigte Besuch des Justizrathes ... Unterhalte dich eine Weile mit Schlurck , sagte Pauline rasch , legte das empfangene Billet zurecht und setzte sich zu einer Antwort hin . Schlurck soll nicht gehen , hörst du ? Der Bediente der d ' Azimont soll warten . Ernst soll sich erkundigen , ob Prinz Egon wirklich wieder sichtbar , wirklich krank ist und seit wie lange ? Ich vermuthe , er verleugnet