Menschen ; - und kömmt er ermüdet zurück und sucht verschmachtend den verlassenen Heerd , dann finde er mein Symbol : Milde und Verzeihung ! « Als sie ihre Frauen rief , war jedes Wort sanft und gütig . Eine verklärte Ruhe lag über ihr ausgebreitet ; eine frei gewordene Kraft , die von sich selbst eine versöhnende Ausgleichung des Lebens verlangt . - Nicht so Leonin ! Halbe Zustände - Unglück und Glück - Schuld und Unschuld - wie sie sich in ihm vorfanden , erfordern einen starken Geist , der Alles erfaßt und sondert und auf sich nimmt und von sich wirft , der Wahrheit nach , und dann abschließt und von neuem beginnt . Nicht so Leonin . Er dachte daran , den Zuständen zu entfliehen , ohne sie vorher zu ordnen . Die jedesmalige Folge dieses schwachen Waltens trat auch bei ihm ein . Die Erbitterung wuchs auf dem falschen Wege , der überall unbeseitigte Hindernisse zeigte und die Erholung , nach der er strebte , fern hielt . Er grollte der ganzen Welt . Die Weichheit , die ihn sonst gutmüthig sein ließ , verschwand . Seine Diener erkannten ihren ehemaligen Herrn nicht wieder . Er war unruhig , heftig , ungerecht ; Nichts schien ihm zur Zufriedenheit gemacht ; er forderte und stieß das Geforderte zurück ; er erzürnte und kränkte Alle , und der Unfriede schien , was er noch begehrte . Unter diesen Umständen erreichte die Marschallin ihren Zweck nur in dem für sie unwesentlichsten Theile . Er überzeugte sich , daß so wenig sie , wie Souvré Fennimor ' s Wiederbelebung gewußt habe . Aber keine Reue gegen sie trat ein . Ihre Schuld , und mehr noch die Härte , die ihm jetzt natürlich geworden war und die sich gegen sie , die er bisher so sklavisch gefürchtet hatte , Bahn gebrochen , sie sollte motivirt sein in ihrer Schuld - und die Marschallin fühlte bald , wäre jene auch geringer gewesen , als sie wirklich war - er habe einmal die Stellung gegen sie ergriffen , die eine Art Schild gegen seine eignen Vorwürfe ward , und gerade die Schwäche , die sie in ihm geschätzt und beabsichtigt , erhielt ihn jetzt in dieser Stellung gegen sie . Doch hatte diese Erklärung die Folge , daß ein beabsichtigtes Duell mit Souvré unterblieb ; und der gewandte Unterhändler kam zu dem vollen Genusse des Gelingens , wenn er , wohlbehaglich in einem Fauteuil in Leonin ' s Zimmern ruhend , diesen mit der gereizten Wildheit eines gestörten Friedens an sich vorüber streifen sah . - Er überlegte die Resultate seiner Bemühungen und rechnete sich gleichgültig an den Fingern her : der blühende , schöne Mann - ist bleich , gekrümmt , mit schwindendem Haare - der vornehme Edelmann vom Hofe verbannt - in die höhnenden Prachträume eines öden Pallastes verwiesen . Der Gatte der schönsten und vornehmsten Dame hat diese entehrt und seinen Erben zum Bastarde gemacht , und das ewig heitere , sorglose Kind des Glückes kommt von der Leiche seines gemordeten Weibes , von dem Anblicke seines rechtmäßigen und verläugneten Sohnes mit Kummer beladen , und um Ruhe und Frieden durch Alles , was er erlebt und gethan , auf immer betrogen ! - Es war nach der Bestattung des Marschalls nicht schwer , Leonin ' s Angelegenheiten zu ordnen ; da seine Anwesenheit ein Inkognito bleiben mußte , war er von manchem lästigen Gebrauche befreit . Wie Viktorine ihm in dieser Krisis gegenüber stand , brauchen wir kaum zu erwähnen . Sie war mit dem , was sie sein wollte , so vertraut , daß sie keinen Hauch von Selbstgefühl oder Tugendpathos zeigte . Sie hörte sich nicht in ihren Worten , ihre Augen suchten weder den Himmel , noch den Beifall Anderer ; sie langweilte und verscheuchte Niemanden , indem sie sich beispiellos hervorzuheben trachtete und mit ernster Würde eine Sprache einzuführen strebte , die den Zuständen der kranken Gemüther um sie her zum Vorwurfe gereichen mußte . - Sie war ohne Hochmuth , daher mit ihrem besseren Zustande vor Gott nicht befriedigt und nicht geneigt , ihn hervorzuheben . Sie war voll wahrer Liebe , daher ohne das Richtschwert der Verwerfung - sie war edel und klug , daher den Augenblick und seine krankhaften Erscheinungen schonend , die auffallenden Mißtöne überhörend , um ein verderbliches Verstummen zu verhüten , was selbst die Hoffnung der Ausgleichung aufhebt . Dessen ungeachtet mußte sie bald erkennen , daß sie nur auf eine spätere Zukunft zu hoffen habe und ihre Rechte nur bewahren könne , wenn sie jetzt ihre Kränkung übersehe , Streit oder Rechenschaft darüber ablehne . Vielleicht hatte an dieser Stellung , die sie nahm , nicht ihr richtig berechnender Verstand allein Antheil ; ein tiefes Grauen vor der Aufklärung der geheimen Geschichte ihres Gemahls hielt nicht minder ihr ganzes Wesen instinktartig in abwehrender Mäßigung . Ob Leonin den ganzen Werth dieses Verfahrens erkannte , wäre schwer zu bestimmen ; doch suchte er die Nähe seiner Gemahlin auf , freilich , um auch bei ihr wieder in sein düsteres Nachdenken zu verfallen , das jeden Zug seines Gesichtes beschattet hatte und ihn kaum kenntlich sein ließ . Besonders trat dies hervor , wenn ihm sein Kind gebracht wurde , und er genöthigt war , es zu betrachten . Viktorine entsagte bald auch diesem Glücke ; denn ein fast auffallender Schmerz erschütterte ihn dann und erregte die Beobachtung der Wärterinnen ; muthig erdrückte sie die bangen Ahnungen ihrer Brust und hielt ihr Kind von da an entfernt . In Leonins Verhältniß zum Hofe hatte sich Nichts geändert . Die Trauerzeit verschloß , den Vorschriften nach , die ganze Familie noch in ihrem Palais ; die Marschallin hatte daher noch keine Versuche darüber machen können , wie weit der Tod des Marschalls die Versöhnung vermittelt habe . Regelmäßig den achten Tag erschienen die Hofchargen zu einem kurzen , ceremoniösen Besuche im Hotel Soubise . Dies konnte natürlich nur auf