unglücklich gewesen sei , den Sohn zu verlieren , da der Nachlaß des verschiedenen Sohnes doch wenigstens dazu dienen könne , dem Greise die Beschwerden des Alters zu erleichtern . Der Baron hatte diesem Briefe das von dem alten Lorenz selbst verfertigte Verzeichniß der Sachen , die der Sohn mitgenommen hatte , in beglaubigter Abschrift beigefügt . Da es unmöglich sei , diese Sachen selbst zu senden , hatte der Baron , wie er anzeigte , die Garderobe zu verkaufen befohlen , die Ringe aber , Uhren , Dosen , Brillanten und so weiter , von kunstverständigen Männern nach ihrem wahren Werthe abschätzen lassen , weil er sie , Falls er leben bleiben sollte , zum Andenken an seinen Freund zu behalten wünsche . Auch hierüber waren die nöthigen Zeugnisse beigelegt , nebst der für den vollen Werth dieser Kleinodien erkannten Summe . Ebenfalls folgte die baare Summe dessen mit , was der Sohn , wie es dem alten Lorenz bekannt war , als Reisegeld mitgenommen hatte . Die ganze beträchtliche Summe war dem Prediger in Wechseln übermacht worden , und der alte Lorenz war nun ein wohlhabender Mann und der Geistliche fragte an , ob der Graf unter diesen Umständen noch immer die ihm früher bewilligte Pension wolle auszahlen lassen , da der Alte einen so schlechten Gebrauch von dem ihm auf eine so traurige Weise zugefallenen Vermögen mache , und sich nach einer kurzen Trauer über den Verlust des Sohnes ganz dem Trunke ergeben habe , also eine fernere Unterstützung weder bedürfe noch verdiene , und jetzt gerade eine durch viele Unglücksfälle herabgekommene Familie , die er dem Grafen näher bezeichnete , durch den würdigen Gebrauch der für den alten Lorenz bestimmten Summe dem Elende entrissen werden könne . Der Graf wies eine Summe an zur Unterstützung der von dem Prediger empfohlenen Familie , aber zu dessen großem Verdruß entschied er zugleich , daß dem alten Lorenz , den der Prediger seiner großen Schlechtigkeit wegen verabscheute , die Pension unter jeder Bedingung ausgezahlt werden müsse . Der Graf verlor sich in Nachdenken über den Brief des Predigers . Es schien ihm gar nicht dem Charakter seines Schwagers , des Barons zu entsprechen , mit so viel zärtlicher Schonung und Rücksicht gegen den alten Lorenz zu verfahren . Vielmehr erlaubte er sich zu denken , daß der Baron , theils aus Leichtsinn , theils aus Gleichgültigkeit gegen alle menschlichen Gefühle , es natürlicher gefunden haben würde , über den ganzen Vorfall zu schweigen , die vorhandenen Summen zunächst zu verbrauchen , und es ruhig der Zeit und dem Zufall zu überlassen , den Vater von dem Verluste seines Sohnes zu benachrichtigen . Dieser Brief nun zeigte eine gewisse Aengstlichkeit den Alten zufrieden zu stellen , und fernere Nachforschungen und Fragen abzuwenden . Auch die Empfindsamkeit des Barons war dem Grafen sehr befremdend . Es schien ihm nicht glaublich , daß dessen durch ein langes Spielerleben verhärtetes Herz eine so zärtliche Neigung für den jungen Lorenz könne gefaßt haben , daß dessen Tod ihm eine gefährliche Krankheit zuziehen könne , und es dünkte ihm unmöglich , daß man , wenn man die Kräfte besitze , einen so langen und besonnenen Brief zu diktiren , nicht auch so viel Kraft noch haben sollte , um wenigstens seinen Namen selbst zu unterschreiben , Falls man nicht durch Lähmung oder Verwundung daran verhindert würde , und doch waren diese Hindernisse in dem Briefe nicht angegeben . Je mehr der Graf über alle diese Umstände nachdachte , um so zweifelhafter wurde ihm die Wahrheit aller angegebenen Thatsachen , und es stieg die Vermuthung in ihm auf , die Sache könne sich umgekehrt verhalten , der Baron könne im Duell geblieben sein , und der junge Lorenz , von Hochmuth verleitet , sich dessen Papiere angeeignet haben und als Baron fortzuleben wünschen . Dieß angenommen ließ sich auch das Uebrige erklären . Es wurde ihm dann leicht , seinem Vater zu übermachen , was er selbst besessen hatte , wenn er sich in Besitz dessen setzte , was der Baron mitgenommen , dem ja der Graf selbst ansehnliche Summen ausgezahlt hatte . Auch lag die Vermuthung nahe , daß das Duell über dessen Gewinn im Spiele entstanden sein könne , und es war erklärt , weßhalb der angebliche Baron die eigenhändige Unterschrift vermieden hatte . Je mehr der Graf über diese Umstände nachdachte , um so wahrscheinlicher wurde ihm seine Vermuthung ; doch beschloß er gänzlich darüber zu schweigen und der Zeit die Aufklärung zu überlassen . Es war indessen der Frühling des Jahres achtzehn hundert und acht eingetreten . Der Graf , seine Familie und Freunde lebten mehr sich selbst , als der Gesellschaft . Der Graf konnte die damals herrschenden Ansichten und die daraus entspringenden Hoffnungen nicht theilen , und wie hoch er auch den Heldenmuth Schills achtete , so glaubte er doch , daß die Rettung des Vaterlandes unmöglich durch die schwachen Kräfte erreicht werden könne , die sich um den sammeln könnten , in dem die Berliner mit lauter Begeisterung den Erretter und Befreier ahneten . Doch wie wenig er auch die allgemein ausgesprochene Hoffnung für die nächste Zeit theilte , so zeigten sich dem aufmerksamen Beobachter doch so viele Spuren von wahrer Kraft und Vaterlandsliebe , daß wenigstens die Hoffnung für die Zukunft nicht in seiner Brust erstarrte und er um so lieber in der Gegenwart schwieg , weil derjenige , welcher der Begeisterung der Berliner zu widersprechen wagte , beinah wie ein Landesverräther betrachtet wurde . Dem Obristen Thalheim war es unmöglich , dieselbe Mäßigung zu beobachten . Ihm , als einem alten Militär aus der Schule Friedrich des Zweiten , schien es an Wahnsinn zu gränzen , daß alle jungen Leute eine Stimme über kriegerische Operationen und über die Verwaltung des Staates haben wollten . Ihm schien es die einzig mögliche Verwaltungsart , daß der König und seine Minister über Krieg und Frieden bestimmten , dann ein Heer ordneten und dessen Leitung erfahrenen Offizieren übertrügen . Alles ,