Schlag eines Helden zurechtschmiedet ; was Dir auch begegne , es muß sich fügen , die Form auszufüllen , die Dein Glück bedarf , der Schmerz , der andre zum Mißmut und zur Klage bewegen würde , der wird ein Stachel für Deine Begeistrung . Was andre niederschlägt , das entfaltet Deinen Flug , der Dich den Bedrängnissen enthebt , wo Du den reinen Äther trinkst und die Empfindung des Elends Dich nicht verdirbt . Du nimmst Dein Geschick als Kost nur aus den Händen der Götter und trinkst den bitteren Kelch wie den süßen mit dem Gefühl der Überlegenheit . Du läßt Dich nicht berauschen , wie ich mich berauschen lasse auf dem Weg , der zu Dir führt . Du würdest nicht , wie ich , der Verzweiflung hingegeben sein , wenn ein Abgrund Dich von Deinem Glück trennte . Und so hat Unglück nichts mit Dir zu schaffen . Du weißt es zu schaffen , Dein Glück , in jedem kleinen Ereignis , wie die allselige Natur auch der geringsten Blume eine Blütezeit gewährt , in der sie duftet und die Sonne ihr in den Kelch scheint . Du gibst jedem Stoff , jedem Moment alles , was sich von Seligkeit in ihn bilden läßt , und so hast Du mir gegeben , da ich doch zu Deinen Füßen hingegeben bin ; und so hab auch ich einen Moment Deines Glückes erfüllt . Was will ich mehr ! Da in ihm eine Aufgabe liegt bis zum letzten Atemzug . * * * Ich vergleiche Dich mit Recht jener freundlichen , kalten Winternacht , in der sich die Geister meiner bemächtigten , in Dir leuchtet mir nicht die Sonne , in Dir funkeln mir tausend Sterne , und alles Kleinliche , was der Tag beleuchtet , schmilzt mir unberührt in seinen vieleckigen Widerwärtigkeiten in erhabenen Massen zusammen . Du bist kalt und freundlich und klar und ruhig wie die helle Winternacht ; Deine Anziehungskraft liegt in der idealischen Reinheit , mit der Du die hingebende Liebe aufnimmst und aussprichst . Du bist wie der Reif jener Winternacht , der die Bäume und Sträucher mit allen kleinen Zweigen , Sprossen und Knospen zukünftiger Blüte mit weicher Silberdecke umkleidet . Wie jene Nacht , wechselnd mit Mond- und Sternenlicht , so beleuchtest Du Dein Begreifen und Belehren in tausend sich durchkreuzenden Lichtern und deckst mit milder Dämmerung und verschmilzst im Schatten ; die aufgeregten Gefühle übergießest Du mit idealischen Formen , jede Stimmung wird durch Dein liebendes Verstehen individueller und reizender , und durch Dein sanftes Beschwichtigen wird die heftige Leidenschaft zum Genie . * * * Von jenen abenteuerlichen Geister-Nachtwegen kam ich mit durchnäßten Kleidern zurück , vom geschmolzenen Schnee ; man glaubte , ich sei im Garten gewesen . Über Nacht vergaß ich alles , erst am andern Abend um dieselbe Stunde fiel mir ' s wieder ein und die Angst , die ich ausgestanden hatte ; ich begriff nicht , wie ich hatte wagen können , diesen öden Weg in der Nacht allein zu gehen und auf dem wüsten , schaurigen Platz zu verweilen ; ich stand an die Hoftüre gelehnt , heute war ' s nicht so milde und still wie gestern , die Winde hoben sich und brausten dahin , sie seufzten auf zu meinen Füßen und eilten nach jener Seite , die schwankenden Pappeln im Garten beugten sich und warfen die Schneelast ab , die Wolken trieben mit ungeheurer Eile , was festgewurzelt war , schwankte hinüber , was sich ablösen konnte , das nahmen die jagenden Winde unaufhaltsam mit sich . - In einem Nu war auch ich über die Hoftür und im flüchtigen Lauf atemlos bis an die Kirche gekommen , und nun war ich so froh , daß ich da war ; ich lehnte mich an das Gemäuer , bis der Atem beschwichtigt war , es war , als ob Leib und Seele in dieser Verborgenheit geläutert würden , ich fühlte die Liebkosungen von meinem Genius in der Brust , ich fühlte sie als echte Mitteilungen im Geist . Alles ist göttliche Mitteilung , was wir erfahren , alles Erkennen ist Aufnehmen des Göttlichen , es kommt nur auf die zweifellose unschuldige Empfängnis unseres Geistes an , daß wir auch den Gott in uns empfinden . Wie ich zum erstenmal vor Dir stand und mich Dein Blick wie ein Zauberstab berührte , da verwandeltest Du allen Willen in Unterwerfung , es kam mir nicht in den Sinn , etwas anders zu verlangen , als in dieser Lichtatmosphäre in die mich Deine Gegenwart aufnahm , zu verweilen , sie war mein Element ; ich bin oft aus ihm verdrängt worden , immer durch eigene Schuld . Die ganze Aufgabe des Lebens ist ja das Beharren in ihm , und die Sünde ist das , was uns daraus verdrängt . * * * So erlangen wir Seligkeit , wenn wir auf dem Weg uns zu erhalten wissen , auf dem wir sie ahnen . Nie hatte ich eine bestimmtere Überzeugung von ihr , als wenn ich glaubte , von Dir geliebt zu sein . Und was ist sie denn , diese Seligkeit ? - Du bist fern , wenn Du Dich der Geliebten erinnerst , so schmilzt Deine Seele in diese Erinnerung ein und berührt so liebend die Geliebte , wie die Sonnenstrahlen wärmend den Fluß berühren ; wie die leisen Frühlingslüfte , die den Duft und den Blütenstaub zu dem Fluß tragen , der diese schönen Geschenke des Frühlings mit seinen Wellen vermischt . Wenn alles Wirken in der Natur sich geistig in sich selbst fühlt , so empfindet der Fluß diese liebkosenden Berührungen als ein innerlichstes Wesentlichstes . - Warum sollte ich dies bezweifeln ? - Warum empfinden wir die Entzückungen des Frühlings , als nur weil er den Rhythmus angibt , mit dem der Geist sich aufzuschwingen vermag ? - Also , wenn Du meiner gedenkst , so gibst Du den Rhythmus an , mit dem meine Begeistrung sich zu