« erwiederte der rohe Mensch , dem ältern Kumpan um den Hals fallend : » aber , setzte er hinzu : da sich zwei wackre Edelleute um solches Ungethüm - auf den Mönch zeigend - vermeinigt haben , so muß der Bube uns beiden Genugthuung leisten , und auf der Stelle den Teufel beschwören , der in dem Gaule sitzt , oder es geht ihm nicht gut . « - » Recht , Hornberg ; « bekräftigte Bechtram , der sich mit dem Übergewichte eines hochmüthigen Zwingherrn gegen den Mönch wendete : Mache Dich fertig , Pfäfflein , sonder Widerrede , heile mir das Pferd . Ehe die Abendsonne hinter jene Linde sinkt , muß es geschehen seyn . Mangelt Dir etwas vom geistlichen Staat , so zu diesem Werke nöthig wäre , so soll es Dir gereicht werden . Weihkessel und Wedel , Stola und Meßrock findet sich in meiner Kapelle . » Darum sprich und treibe Deine Schwänke , damit mein Gaul gesunde , und es Dir wohl gehe auf Erden . « » Muß ich denn wiederholen , was ich früher sagte ? « fragte der Mönch achselzuckend , mit etwas verächtlicher Miene , so weit sich sein blasses Gesicht unter der Kaputze erkennen ließ . - Bechtram stampfte wild mit dem Fuße . » Hagel , Sturm , Pest und rother Hahn ! « schrie der vorlaute Hornberg : » Tagdieb ! willst Du wohl gehorchen ? Seit einer Stunde schon gibt Dir ein biedrer Rittersmann die besten Worte , und Du , schmutziger Bettelgänger , treibst Deinen Spott mit ihm ? An ' s Werk , oder ich lähme Dich wie den Gaul hier . « - Er griff nach seinem Lieblingswerkzeug , dem Messer am Gürtel . - » Bist Du denn toll ? « rief ihm der Leuenberger in ' s Ohr , und hielt seinen Arm . Der wilde Junker sträubte sich jedoch ungeberdig , und rief außer sich : » Laß mich , Veit , laß mich ! Ich will die Kniesehne des Faullenzers treffen , so gut als die eines Pferdes ! « - Leuenberg ließ indessen nicht ab , und die Übrigen standen ihm bei . Der Mönch kehrte sich gelassen zu Bechtram , und sprach : » Ich weiß wohl , daß der gute ungestüme Junkherr Wort halten würde . Einen Menschen zu verstümmeln wie ein Thier fällt ihm nicht schwer . Demungeachtet kann ich Euerm Wunsche durch eine Beschwörung nicht genügen , wohl aber durch leichtere Hülfsmittel . Das Roß ist nicht behext , und wenn es der Hufschmidt Sr. kaiserlichen Majestät behaupten wollte . In seinem Hufe sitzt die ganze Zauberei , und diese Krankheit nennt man die Steingalle . Gefällt es Euch , so will ich noch diese Nacht ein wundätzend Wasser bereiten , und morgen das Pferd damit von Grund aus heilen . Mit Zauberei gebe ich mich aber nicht ab . « - Die Edelleute standen ungläubig und stumm bei diesen Worten . Als aber der Mönch mit gewandter Faust des Pferdes Huf aufhob , und ihnen Allen den kleinen braunrothen Fleck darinnen zeigte , den ihr ungeübter Blick übersehen hatte , und sie sich überzeugten , daß bei der Berührung dieses verletzten Fleckchens das Thier zusammenschauerte , und mit aller Macht zu hauen und zu beißen verlangte , da kam ihnen doch nach und nach zu Sinne , daß der verachtete Klostermann wohl Recht haben könnte , und eine gewisse Art von Bewunderung trat an die Stelle des pöbelhaften Hohns . - » Ei , hochwürdiger Herr , « sprach Bechtram so verbindlich als es ihm möglich war : » Ihr verrathet einen Mann , der nicht in die braune Haut gehört , die Ihr auf dem Rücken tragt . Solch adlich Reitergewerbe zu verstehen , wie Ihrs versteht , was sich aus Euren Handgriffen und zuversichtlichen gerechten Worten ermessen läßt , - das lernt man sonst in Euern Klöstern nicht , worin der Bettelesel das einzige Thier ist , das von Ferne eine Ähnlichkeit mit dem edlen Rosse hat . Sagt , womit ich Euch erfreuen kann ; nur die Freiheit muß ich Euch für jetzo versagen , da mir es eine andre Pflicht gebietet . « - » Ich weiß zwar nicht , welche Pflicht Euch gebieten kann , « - versetzte der Mönch , - » die Gewaltthätigkeit fortzusetzen , die jener junge unbesonnene Mann an mir und meinem armen Fuhrmann verübt hat . Allein eben in die Gewalt muß man sich fügen , so man nicht der Stärkre ist . Heile ich Euch jedoch den Hengst , und findet Ihr morgen , daß ich nicht zu viel versprochen , so erleichtert in etwas das Schicksal des armen Bauers , der mit mir in Euerm Thurme schmachtet . Bedenkt , daß er ein Weib daheim hat , und fünf Kinder , die nicht ahnen , wohin ihr Ernährer gerathen ist , und die vielleicht vergehen in Noth und Jammer , wie Er dahin schwindet in Heimweh und verzehrendem Gram . Behandelt ihn nicht schlechter als Euere Rüden , die denn doch dann und wann eine bessere Atzung erhalten , als verdorbnes Haferbrod und schlammiges Wasser . Mit einem Worte : haltet den Unschuldigen wie einen Menschen ; dann habt Ihr mir reichlich den geringen Dienst vergolten , welchen ich Euch leisten will . « - Bechtram schwieg etwas beschämt . Die edeln Herren sahen sich der Reihe nach verwundert an . - » Ein wunderlicher Heiliger ! « lachte der Hornberger , der sich aus seiner Wuth wieder zum Scherz gefunden hatte : » Wenn Ihr ihn auf der Fahrt hieher gesehen hättet , ... geschworen hättet Ihr , der Mensch sey stumm . Auch kein Wörtlein hat er verschwendet , so tapfer Leuenberger ' s Base ihn in ' s Gebet nahm . Ohren und Augen in die Kutte gehüllt , saß er da , wie ein Bild von Holz , und ich schwörs , er hat auch