Beider Lippen . Sie fanden Hippoliten auf dem Taburett neben Gabrielens Sessel knieend , ihr Haupt ruhte an seiner Brust , einer ihrer Arme hielt ihn umschlungen , die Hand des andern hielt er in der seinen , ein liebes Lächeln umspielte ihre Lippen , sie schlummerte tief und süß . Hippolit regte sich nicht beim Eintritt seiner Freunde . Sie winkten ihm , sie riefen leise seinen Namen , er achtete nicht darauf oder ward es nicht gewahr . Endlich nahte sich ihm Frau von Willnangen leise und behutsam . » Sie schläft , « flüsterte sie , » wie sanft , wie fest , doch auch wie unbequem ; sehen Sie , wie ihr Arm , ihre Wange gedrückt werden . « Mit diesen Worten versuchte sie es , Gabrielen mit großer Sorgfalt , wie ein unter Spielen eingeschlummertes Kind , zurück in die Kissen zu legen . Es gelang . Hippolit ließ es ohne Widerstand geschehen , und Gabriele erwachte nicht . Ernesto nahte und zog Hippoliten in die fernste Ecke des Zimmers , Frau von Willnangen blieb gleich einer über die Wiege ihres kranken Kindes gebeugten Mutter neben Gabrielen stehen und bewachte ihren Schlummer ; Hippolit folgte gelassen dem Freunde , wohin er ihn führen wollte . » Gabrielen steht beim Erwachen eine große Erschütterung bevor , « flüsterte Ernesto Hippoliten mit freudig glänzenden Augen zu . » Da gilt es Vorsicht und die sorgsamste Behutsamkeit . Lieber Hippolit ! weiß ich doch kaum wie ich Dir es entdecken soll . Gabrielens Prophezeihung ist eingetroffen , Ottokar ist wirklich da und harrt der Erlaubniß , ihr zu nahen . Was er bringt , wird sie weit später , nach und nach erfahren müssen ; es ist ein Glück , aber es wird ihr sanftes Gemüth doch verwunden . Ottokar kommt von Pisa . Lieber Hippolit ! Moritz ist gestorben , ach ! nun kann alles noch sehr gut werden , und - « » Gabriele ist tod ! « schrie Frau von Willnangen mit dem klanglosen Tone des wildesten Schreckens , und sank neben ihr hin . Was läßt sich von den Ueberlebenden ferner sagen ? Allein , von niemanden gesehen , verweilte Ottokar eine Weile neben der geliebten Todten , der untergesunknen Sonne seiner Jugend ; dann schloß er den unglücklichen Freund in seine Arme , der bewußtlos und starr ohne Thränen , ohne einen Laut , kaum noch dem Leben anzugehören schien . Seinen mit ihm gekommnen Sohn übergab Ottokar dem treuen Ernesto , und bat ihn , den armen , mit den Weinenden ängstlich weinenden Knaben zurück nach Rom zu begleiten , dort seiner Zurückkunft zu harren . Er selbst nahm den durchaus in nichts widerstrebenden Hippolit an seine Brust , führte ihn in den noch dastehenden Reisewagen , in welchem er eben gekommen war , und fuhr mit ihm fort , gleichviel wohin . Man sagt , Ottokar sey nach etwas mehr als Jahresfrist traurig und ganz allein wieder in seinem Hause in Rom angelangt , eben noch früh genug , um den treuen Ernesto zur Piramide des Cestius zu geleiten . Fußnoten 1 Nimm das letzte Pfand meiner Liebe - Freiheit und Tod . Aus Virginia , Trauerspiel von Alfieri . 2 Dem Schmerze lächeln .