unter vielem Fluchen auf ihre Nichtshaberei und unter dem Beschwören , es geh ' ihm so schlimm als den Hinterbacken eines Gaules . - Überhaupt hielt er über jeden Mangel und Unfall lange Schimpfreden gegen das Leben , indem er sagte , auf der Vorhöllen-Fahrt sei das Leben ein Hemde-Wechseln , nämlich mit Hären-Hemden , und zu jedem pis sage das Schicksal bis , und auf das Kanonen-Fieber folge das Lazarett-Fieber - oder indem er fragte , ob nicht so das Gebiß den Zahnfraß bekommen müßte , da es nichts anderes anzubeißen habe , wie Mühlsteine ohne Körner sich selber angreifen . - Bald sagte er auch , das Leben sei durch Eis gut darzustellen - auf einem Eisfeld habe man , außer kalter Küche und Gefrornes , noch seinen russischen Eispalast mit einem guten Eiskeller für Kühltränke , und , von Eisvögeln umsungen , drücke man den Glacier ans Herz , in der heißern Zeit eines Maifrosts . - » Ich kann dir nicht sagen « , sagt ' er unter dem Anziehen einmal , » wie sehr ich wünschte , es wäre bei uns wie bei den Dahomets in Ober-Guinea , wo niemand Strümpfe tragen darf als der König , und es wäre jetzt wie unter Karl dem VII. von Frankreich , wo im ganzen Lande niemand zwei Hemden besaß als seine Gemahlin . « - » Warum ? « fragte Walt . » Ei , dann könnten wir uns recht gut mit unserm Stand entschuldigen « , versetzte er . Durch diese Ergießungen führte er eine Menge Verdruß ab , nur aber dem Bruder manchen zu , weil sich dieser für die Quelle hielt . » Armut « , antwortete Walt , » ist die Mutter der Hoffnung ; gehe mit der schönen Tochter um , so wirst du die häßliche Mutter nicht sehen . Aber ich will gern dein Simon von Cyrene sein , der dir das Kreuz tragen hilft . « - » Bis nämlich auf den Berg « , versetzte jener , » wo man mich daran schlägt . « - Liebe kennt keine Armut , weder eigne noch fremde . Endlich wurde die Kleider-Lotterie gezogen , auf welche beide sich bloß durch Länge der Zeit die größten Hoffnungen angewöhnt und weisgemacht hatten . Die Gewinste waren für Nr. 515 ( Walt ) ein beinah vollständiger Anzug von Schützischem Gichttaffent , so daß er für jeden Gichtischen , es mochte ihn reißen , in welchem Gliede es wollte , brauchbar war . Nr. 11000 ( Vult ) gewann ein erträgliches blaues Fuhrmanns-Hemd . In dieser Minute brachte der Postbote den Hoppelpoppel wieder , den sie an die Buchhandlung Peter Hammer in Köln mit vielen aufrichtigen Lobsprüchen des Hrn . Hammers ablaufen lassen nachdem vorher leider das Mskr . von Hrn . von Trattner mit der kahlen Entschuldigung abgewiesen worden , er drucke selten etwas , was nicht schon gedruckt sei - ; auf dem Umschlag hatte das löbl . Kölnische Postamt bloß bemerkt , es sei in ganz Köln keine Peter Hammersche Buchhandlung dieses Namens zu erfragen , und der Name sei nur fingiert . Hätte Vult je die beste Veranlassung gehabt , über die ewigen Erdstöße des Lebens zu fluchen , etwa zu fragen , ob nicht alle Höllenflüsse für ihn aufgingen und Eis und Flammen führten , oder auch zu behaupten , daß in ihr Schicksal geradesogut Poesie zu malen sei als auf eine Heuschreckenwolke ein Regenbogen - hätte er je eine solche Gelegenheit gehabt , so wäre es jetzt gewesen , wenn er nicht aus diesem Schlagregen wäre herausgekommen gar unter die Traufe eines Wasserfalls . Der Elsasser erschien , aber er gehörte noch zum Regen . Er dankte beiden sehr für die Geburtstags-Arbeiten - noch regnete es - ; darauf aber , da er mit seinem Auftrage von Raphaela herausrückte , welche Walten einen vollständigen Berghabit ihres Vaters , den er zuweilen in seinem Bergwerkchen Gott in der Höh ' sei Ehre trug , für den Larventanz anbot - als Flitte seine Glückwünschungs-Mienen , und Walt seine Danksagungs-Mienen spielen ließ - dann beide wieder die Mienen umtauschten , und dies alles so wohlwollend gegeneinander , daß , wenn der Notar nicht der ausgemachteste Spitzbube des festen Landes war , Raphaela durchaus noch die Geliebte des Elsassers sein mußte : so fiel auf einmal der lange Nebel und Vult in die Traufe . » Gott verdamme , er liebt Wina ( sagte Vult in sich ) und sie wohl ihn ! « Alle seine wilden Geister brauseten nun wie Säuren auf - doch fest zugedeckt , ausgenommen im Tagebuch . » So falsch , so heimlich , so verdammt keck und wie toll emporstrebend dacht ' ich mir doch den Narren nicht « , sagte sein Selbstgespräch , » o recht gut ! - Bei Gott , ich weiß , was ich tue , hab ' ichs nur ganz gewiß ! - Aber auf dem Larventanz entlarv ' ich ; - der Plan geht leicht , darauf kommt der Teufel und holt . Erst recht klar will ich mich , zum Beweise meiner Freundschaft gegen ihn , überzeugen lassen , und zwar von ihr selber . Himmel , wenn der Glückliche meinen refus in der dummen Neujahrs-Nacht erführe ! - Ich tät ' ihm viel an . - O lieber Vult , so sei nur diesmal , eben deswegen , desto gezähmter und stiller und bändige dein Sprech-Zeug und Gesicht , bloß bis morgen nachts ! « Vults bisherige Fehlblicke entschuldigt leicht die Bemerkung , daß dieselbe Leichtigkeit , womit man sich einbildet , geliebt zu werden , ja auch weismachen müsse , daß ein anderer geliebt werde , Walt von Raphaelen . Auch glaubte er , als Weiberkenner , die Weiber so verschieden , und folglich ihre Weisen , die Liebe zu bekennen , noch mehr , daß er nur eine Weise annahm , worauf zu fußen sei , welche aber nicht darin bestehe , daß die Frau etwa an