verzogen unförmlich das feindliche Gesicht vor ihm . » Albano ! « sagte zorn-erschöpft Roquairol , auf den weinenden Regenbogen des Friedens bauend ; » Albano ? « fragt ' er und gab ihm die Hand . » Lebe froh , aber geh , noch bin ich unschuldig , geh ! « versetzte Albano , der hart das Gewitter des ersten Zorns über sich fühlte , das , zwischen seine Gebürge eingesenkt , fortschlug . » Ins Teufels Namen geht ! Am Ende werd ' ich auch angesteckt « , fuhr Schoppe dazwischen . » In solchem Namen geht man gern ! « sagte der Hauptmann , dem in Schoppens Gegenwart immer die Zungenmuskeln erfroren , und ging schweigend ; aber Albano sah ihn längst nicht mehr an , weil er keine fremde Erniedrigung vertrug , sondern , wie jede starke Seele , mit der gebückten Menschheit zugleich sich selber niedergebogen empfand , so wie große Thronen keine Knechts-Abzeichen in ihrer Nähe dulden.147 Schoppe fing nun an , ihn an seine frühesten Weissagungen über Roquairol zu erinnern und sich das große Propheten-Quartett zu nennen - dessen unheilbare Mund- und Herzensfäule zu rügen - dessen theatralische Festigkeit mit dem römischen Marmor und Porphyr zu vergleichen , der außen eine Stein-Rinde habe , innen aber nur Holz148 - anzumerken , dessen innere Besitzung heiße , wie die des deutschen Ordens , nur eine Zunge und überhaupt so heftig gegen alle Selbst-Zersetzung durch Phantasie , gegen alle poetische Weltverachtung sich zu erklären , daß ein anderer als Albano wohl eben den Eifer für einen Schutz gegen das leise Gefühl einer Ähnlichkeit nehmen konnte . - Schoppe hoffte sehr , Albano hör ' ihm glaubend zu und werde zürnen , lachen und antworten ; aber er wurde ernster und stiller ; - er sah den rechtschaffenen Bibliothekar an - und fiel ihm heftig und stumm an den Hals - und trocknete schnell das schwere Auge . O , es ist ein finsterer Trauertag , der Begräbnistag der Freundschaft , wo das ausgesetzte , verwaisete Herz allein heimgeht , und es sieht die Todeseule vom Totenbette derselben schreiend über die ganze Schöpfung fliegen . Albano hatte anfangs noch heute nach Blumenbühl gehen und seine verlassene Schwester auf das Trauer-Gerüste der Wahrheit führen wollen ; aber jetzt war sein Herz nicht stark genug dazu , seine eignen Worte an die Schwester zu ertragen oder ihre Tränen ohne Maß und ohne Tröster . Einundzwanzigste Jobelperiode Die Leseprobe der Liebe - Froulays Furcht vor Glück - der betrogne Betrüger - Ehre der Sternwarte 90. Zykel Seit dem vertilgten Bunde und seit Gaspards Briefe war Albanos Auge nach der schönsten Ruine der Zeit-wenn man die Erde selber ausnimmt - , nach Italien gerichtet , und sein verletzter Blick hielt an diesem neuen Portale seines Lebens fest , das ihn vor das Schönste und Größte , was Natur und Menschen schaffen können , führen sollte . Wie taten ihm die Feuer-Berge und Romas-Ruinen und ihr warmer , blaugoldner Himmel schon ihren Glanz auf , wenn er die leidende Liane vor sie führte und die frommen Augen erquickt die Höhen maßen ! - Ein Mensch , der mit der Geliebten nach Italien reiset , hat dadurch , eben weil er eines von beiden entbehren könnte , beide verdoppelt . Und Albano hoffte diese Seligkeit , da alle Zeugnisse , die ihm über Lianens Genesung begegneten , diese versprachen . Den Doktor Sphex - der einzige , der für sie eine Grube öffnete und darin die Totenglocke goß und jedem schwur , mit den Blättern falle sie sah er nicht mehr . Er wollte indes - sagt ' er sich - bei der ganzen Mitreise nur ihr Glück , gar nicht ihre Liebe . So sah er sich immer in seinem Selbst-Spiegel , nämlich nur verschleiert ; so hielt er sich oft für zu hart , wiewohl er es so wenig war ; so hielt er sich für den Sieger über sein Herz , als sein schönes Angesicht schon kranke , blasse Farben trug . Die Gegenwart stand noch dunkel über ihm , aber ihre benachbarten Zeiten , die Zukunft und Vergangenheit , lagen voll Licht . Welche Reise , worauf eine Geliebte , ein Vater , ein Freund , eine Freundin schon unterwegs die Merkwürdigkeiten sind , zu welchen andere erst ziehen ! - Die Fürstin war die Freundin . Seit Gaspards Briefen an sie und an ihn , seit der Hoffnung einer längern und nähern Gegenwart überwältigte sie alles Gewölke um sich her immer glücklicher , um den Freund nur aus einem blauen Himmel anzulachen und anzuleuchten . Sie allein am Hofe schien den barschen Jüngling , dessen stolze Offenheit so oft gegen den verdeckten Hofstolz und besonders gegen den offnen des Fürsten anrennte , mild und recht zu nehmen ; sie allein schien - da nichts seltener in und von Zirkeln erraten wird als schöne Empfindsamkeit , zumal von höfischen , zumal die männliche - sanft die seinige auszuspähen und teilend fortzuwärmen . Sie allein ehrte ihn mit jener strengen , bedeutenden Achtung , die so selten die Menschen geben so wie fassen können , weil sie immer nur Liebe und Leidenschaft nötig haben , um - recht zu geben , unfähig , anders als bei Kometenlicht , bei Kriegsflammen und bei Freudenfeuern die beste Hand zu lesen . Alles , was er war , setzte sie bei ihm bloß voraus ; seine Vorzüge waren nur ihre Foderungen und seine Schutzbriefe ; sie machte seine Individualität weder zu ihrem Muster noch zu ihrem Widerschein , beide waren Maler , keine Gemälde . Er hörte zwar oft , daß sie männlich-strenge sei , zumal als Befehlshaberin , aber doch nicht , daß sie weiblich-grausam werde . Für das gewöhnliche Höflings-Gewürme , das sich auf seinen Wurm-Ringen nur durch Kriechen Höhen gibt , war sie abstoßend und marternd ; ob sie gleich als Neu-Gekommene hätte ein neugebornes Kind sein sollen , das den ältern Kindern Rosinen mitbringt . Am Sonntage ,