sechs oder sieben Jahren , seinen Vorgänger , der mir allein über Wandel ' s weiteres Ergehen hätte Aufschluß ertheilen können , im Amte abgelöst hatte . Der abgelöste Missionair aber war nach Südamerika geschickt worden , also zu weit fort , als daß ich , der ich wie der Vogel in der Luft über Länder und Meere dahinstreifte , mit ihm in brieflichen Verkehr hätte treten können . Eine letzte Hoffnung blieb mir noch , nämlich , nach meiner Rückkehr in die östlichen Staaten Erkundigungen über Dalefield und Halbert und daher auch über Kate einzuziehen und zu versuchen , ob diese nicht in der Lage seien , mir den Schlußtheil zu dem aufgefundenen Manuscript zu liefern . Doch auch das lag vielleicht noch in weiter Ferne , und in welcher Richtung ich Dalefield und die Seinigen aufzusuchen haben würde , mochte Gott wissen . Dies hinderte mich indessen nicht , meinen Schatz auf das Sorgfältigste aufzubewahren und in ein Stück Wildleder gewickelt , wie einst der Doktor Wakitamone gethan , beständig in meiner Kugeltasche mit mir herumzutragen . 9. Capitel . Der Weingärtner Neuntes Capitel . Der Weingärtner . Der Frühling war dem Winter gefolgt , und die heißen Tage des Sommers reihten sich ihm an , als ich fröhlich und wohlgemuth auf einem alten gebrechlichen , dafür aber mit schöner Musik ausgerüsteten Dampfboot – neue Fahrzeuge wagen sich nämlich nicht so weit hinauf – den Missouri hinunterreifte . Anfangs bildeten die wenigen Passagiere eine ziemlich gemischte und etwas rauhe Gesellschaft ; je häufiger sich aber , zu beiden Seiten Ansiedelungen , Dörfer und Städte wiederholten , um so mehr traten an Stelle der verwilderten westlichen Gestalten der feine schwarze Leibrock , der sauber gebürstete Cylinderhut , das seidene Kleid und der grüne Schleier , bis ich zuletzt der einzige Reisende an Bord war , der statt der modischen Stiefel peilengestickte Mokassins , und statt der Erzeugnisse eines gediegenen Kleiderkünstlers nur eine phantastisch geschnittene Umhüllung von festem Elkleder trug . Mein sonderbarer Aufzug , in dortigen Regionen eben nichts Ungewöhnliches , weit entfernt davon , mich in den Augen meiner Mitreisenden herabzusetzen , öffnete mir deren Herzen , was sich vorzugsweise darin äußerte , daß sie mich mit Fragen nach meinen Erlebnissen und Erkundigungen über die wilden Regionen der Rocky-Mountains förmlich überschütteten . Aber ich befand mich ganz wohl dabei ; aufregende Getränke , vom Champagner bis zum unschmackhaftesten Whisky herab , flössen in einer Weise , als ob ich in ein irländisches Paradies versetzt worden wäre , und oft bedurfte es von meiner Seite der mehr als dringenden Versicherungen , um nicht wie ein spakes Weinfaß behandelt und wie so mancher Reisegefährte der Zahl der treuesten Jünger Noah ' s eingereiht zu werden . Die Leute , obwohl sie nicht zu den ästhetischsten Mitteln griffen , mir ihre Freundschaft zu beweisen , meinten es indessen gut , und so kam ich denn auch mit Keinem in Berührung , für den ich nicht ein freundliches Wort und eine entsprechende Erklärung in Bereitschaft gehabt hätte . Den Männern erzählte ich von schönen Pferden und von Meisterschüssen ; den Frauen von indianischen Klöstern und Bibelgesellschaften ; den jungen Lassen von der Kälte , welche den Missouri bis auf den Boden in eine einzige Eismasse verwandele , und den niedlichen jungen Mädchen von Veilchen und Maiblumen , welche undurchdringliche Waldungen bildeten ; und mit dieser Mischung von Wahrheit und Dichtung – um mich höflich auszudrücken – gewann ich die Herzen Aller in so hohem Grade , daß ich bei meinem Landen in St. Charles gleichsam Spießruthen zwischen den mir dargereichten Händen laufen mußte , und ein reicher Kentuckier sich sogar veranlaßt fühlte , mich zu fragen , ob ich ihm nicht erlauben wolle , mir so viel Geld in meine Kugeltasche zu schieben , wie ich gebrauche , um meinen Lederrock mit einem passenderen Kleidungsstück zu vertauschen . Ich wies das aufrichtig gemeinte Anerbieten dankend zurück , versicherte sogar bei allen Tomahawks , welche jemals einen Schädel spalteten , daß ich reicher , als der heilige Crösus selber sei und nur incognito reise , wodurch ich in der Achtung Aller wenigstens noch um hundert Procent stieg , und verfolgt von manchem fröhlichen : » Good bye , merry Germany ! « und » old Germany for ever ! « sprang ich an ' s Ufer . Das Dampfboot erreichte noch an demselben Tage St. Louis , mein nächstes Ziel . Da ich nun auf dem Winkel , welchen der Missouri mit dem Mississippi bildet , in frühem Zeiten vielfach gejagt und unter den dort lebenden Farmern manche Bekanntschaft geschlossen hatte , so zog ich es vor , zu Fuß quer über den Winkel hinüber nach St. Louis zu wandern , bei dem Einen oder dem Andern vorzusprechen und ihn zu überzeugen , daß ich trotz der über mich umlaufenden Gerüchte wirklich noch am Leben sei , überhaupt über meine Zeit so zu verfügen , wie ich es seit Jahren gewohnt war , das heißt , ganz so , wie es mir beliebte und behagte . Meine geringen Habseligkeiten hatte ich auf dem Dampfboot zurückgelassen , um sie einige Tage später in St. Louis persönlich in Empfang zu nehmen . Mein Gepäck bestand nur aus meiner Kugeltasche mit dem Manuscript , einem mächtigen gefüllten Pulverhörn und meiner Büchse ; ich wanderte daher so leichten Herzens durch die üppig und prachtvoll bewaldeten Bottomländereien dahin , als ob der alte Lederrock und alles Uebrige , was mich sonst noch beschwerte , nicht mehr Gewicht besessen hätte , als der Federstaub auf den breiten , stahlblau schillernden Schwingen der Trauerfalter , die mich in reicher Zahl beständig umspielten . Zu meinem Wege hatte ich die offene Landstraße gewählt . Die Sonne schien mir daselbst wohl etwas heißer auf den breitkrämpigen abgenutzten Filzhut , doch was kümmerte ich mich damals viel um Sonnengluch oder winterliche Kälte . Ich wollte nicht auf den dunkeln Waldpfaden wandern , weil es daselbst nichts Neues für mich zu sehen gab ,