umher ; dann ging ich wieder ins Freie hinaus , um darauf eine Stunde oder später zurückzukehren . Völlig erschöpft und leidend durch den Mangel an Nahrung schlug ich einen Heckenweg ein und setzte mich unter die Hecke . Aber nur wenige Minuten vergingen und ich war wieder auf den Füßen ; ich suchte immerwährend nach einem Ausweg oder doch nach jemandem , der mir Auskunft geben konnte . Ein hübsches , kleines Haus mit einem Garten davor stand am Ende des Gäßchens ; der Garten war außerordentlich wohl gepflegt und prangte im schönsten Blumenflor . Ich stand still vor demselben . Wie durfte ich mich der weißen Thür nähern oder den blitzenden Klopfer berühren ? Wie konnte es irgendwie in dem Interesse der Bewohner liegen , mir behilflich zu sein ? Und dennoch trat ich näher und klopfte an . Eine sauber gekleidete , junge Frauensperson mit milden Gesichtszügen öffnete mir die Thür . Mit einer Stimme , von welcher man auf ein hoffnungsloses Herz und einen kranken Körper schließen konnte – einer leisen , stammelnden Stimme – fragte ich , ob man hier ein Dienstmädchen brauche . » Nein , « sagte sie , » wir halten keine Magd . « » Können Sie mir denn nicht sagen , wo ich Beschäftigung irgend welcher Art finden kann ? « fuhr ich fort , » Ich bin hier fremd , ohne Bekannte oder Freunde am Ort . « Aber es war nicht ihre Sache , für mich zu denken oder mir eine Stelle zu suchen . Überdies wie zweifelhaft mußten ihr mein Charakter , meine Lage , meine Erzählung erscheinen . Sie schüttelte den Kopf , » es thäte ihr leid , mir keine Auskunft geben zu können , « und die weiße Thür wurde geschlossen , leise und höflich – aber ich war ausgeschlossen ! Wenn sie sie noch eine kleine Weile offen gelassen hätte , so glaube ich , daß ich um ein Stückchen Brot gebeten hatte , denn jetzt war es zum äußersten gekommen . Ich konnte den Gedanken nicht ertragen , in das geizige , schmutzige Dorf zurückgehen zu müssen , wo sich mir außerdem keine Aussicht auf Hilfe darbot . Ich wäre lieber in einen Wald entwichen , den ich in nicht allzu großer Entfernung sah und der mir mit seinem dicken Schatten einladenden Schutz zu versprechen schien , aber ich war so krank , so schwach , so gemartert durch das natürliche Verlangen nach Nahrung , daß mein Instinkt mich fortwährend in der Nähe menschlicher Wohnungen hielt , wo ich durch Zufall doch vielleicht noch einen Bissen Brot erlangen konnte . Einsamkeit wäre ja keine Einsamkeit gewesen , – Ruhe keine Ruhe – während jener Geier » Hunger « so seine Krallen in meine Seiten schlug . Ich näherte mich wieder Häusern ; ich verließ sie und kehrte doch zurück . Dann wanderte ich von neuem fort , immer wieder fortgetrieben durch das Bewußtsein , daß ich kein Recht zu betteln habe – kein Recht zu erwarten , daß irgend jemand an meiner verzweifelten Lage Anteil nehme . Inzwischen neigte der Nachmittag sich seinem Ende zu , während ich wie ein verlorener , verlaufener Hund umherwanderte . Als ich über ein Feld ging , sah ich den Kirchturm vor mir ; ich eilte näher . In der Nähe des Friedhofs , inmitten eines Gartens stand ein kleines aber schön gebautes Haus , welches ich sofort für den Pfarrhof hielt . Es fiel mir ein , daß Fremde , welche in einen Ort kommen , wo sie ohne jemanden zu kennen irgend eine Beschäftigung suchen , sich zuweilen um Rat und Hilfe an den Geistlichen wenden . Es ist das Amt des Priesters , denen zu helfen – wenigstens mit seinem Rat – welche sich selbst helfen wollen . Mir war ' s , als hätte ich etwas wie ein Recht , mir hier Rat zu holen . So belebte sich denn mein Mut von neuem und indem ich den letzten schwachen Rest meiner Kräfte zusammen nahm , wanderte ich vorwärts . Ich erreichte das Haus und klopfte an die Küchenthür . Eine alte Frau öffnete . Ich fragte , ob dies das Pfarrhaus sei . » Ja . « » Ob der Pfarrer zu Hause sei . « » Nein . « » Ob er bald nach Hause kommen würde . « » Nein , er sei eine ziemliche Strecke vom Hause entfernt . « » Sehr weit ? « » Nicht so sehr weit – vielleicht drei Meilen . Er sei durch den plötzlichen Tod seines Vaters abberufen ; augenblicklich sei er in Marsh End und würde dort wahrscheinlich noch vierzehn Tage bleiben . « » Ob denn nicht die Hausfrau da sei ? « » Nein , außer ihr niemand , und sie sei die Haushälterin . « Aber von ihr , mein teurer Leser , konnte ich nicht Errettung aus der Not erflehen , die mich fast zu Boden sinken ließ . Noch vermochte ich nicht zu betteln . Ich kroch weiter . Wieder löste ich mein kleines Halstuch – wieder fielen mir die kleinen Brötchen in dem Ladenfenstcr des Dorfes ein . Ach , nur eine Brotkruste ! Nur einen Mundvoll , um mich von dem grausamen Hungertode zu erretten ! Instinktmäßig wandte ich das Gesicht wieder dem Dorfe zu ; ich fand den Laden und trat ein , und obgleich sich außer der Frau noch mehr Leute dort befanden , wagte ich doch die Bitte , ob sie mir nicht ein Brötchen für das Seidentuch geben wolle . Mit augenscheinlichem Mißtrauen blickte sie mich an . » Nein , sie sei nicht gewohnt , auf diese Weise ihre Ware an den Mann zu bringen . « Fast verzweifelt bat ich um ein halbes Brot . Sie schlug es mir wieder ab . » Wie könne sie denn wissen , wie ich zu dem Ding gekommen sei ? « sagte sie . » Ob sie denn meine Handschuhe wolle