gebe nichts in der Welt , was solchen Eindruck auf sie mache wie ein Mann , der wirkliche Gefahren bestanden , sein Leben aufs Spiel gesetzt habe . Sie wurde nicht satt , zu fragen ; bei jeder seiner spärlichen Antworten schüttelte sie verwunderungsvoll den Kopf , dann stützte sie die Ellenbogen auf die Knie , den Kopf auf die Hände , und weit vorgebeugt starrte sie ihn an wie ein Wundertier . Sie fragte , ob er bei den Kannibalen gewesen , ob er Wilde totgeschossen , ob er Löwen gejagt habe und ob es wahr sei , daß jeder Negerhäuptling Hunderte von Weibern besitze . Dabei machte sie ein verfängliches Gesicht und meinte , das täten auch die Europäer , wenn man ' s ihnen freistellte , und nicht bloß die Häuptlinge . Hierauf sagte sie , daß sie sich nicht erinnere , ihn , als sie noch Kind war , im Haus ihres Vaters gesehen zu haben , und darüber wundre sie sich jetzt , da er doch so was ganz Eigenes an sich habe . Und ihre Augen verschlangen ihn ; sie begannen zu brennen wie jedesmal , wenn sie einen Fang tun wollte und die blinde Gefräßigkeit über sie kam . Sie entfaltete sich , sprach mit ihren süßesten Lauten , und ihr Lachen und Lächeln hatten in der Tat etwas Unwiderstehliches wie bei einem zutraulichen und guten , nur zuweilen ein wenig eigensinnigen Kind . Aber sie merkte , daß dieser Mann sie betrachtete , als sei sie nicht ein junges Weib , das sich bemühte , ihm zu gefallen und seine Sympathie zu erobern , sondern wie eine kuriose Spielart . Es war etwas in seinem Blick , das sie zittern ließ vor Gereiztheit , und auf einmal war in ihren Augen Argwohn und Haß . Benda fühlte Mitleid . Dies Haschen nach der verführerischen Gebärde und dem beziehungsvollen Wort , dieser Selbstverrat , dieser Rausch um nichts , es stimmte ihn traurig . Dorothea erschien ihm nicht schlecht ; welches Vergehens man sie auch bezichtigt hätte , schlecht wäre sie ihm nicht erschienen , nur mißleitet und vergiftet , Trugbild und arme Törin . Er dachte an gewisse äthiopische Frauen im verschlossensten Kernland des Kontinents , an ihren adeligen Gang , an die stolze Ruhe ihrer Züge , an ihre keusche Nacktheit und wie sie eins waren mit der Luft und mit der Erde . Dennoch begriff er den Freund ; der Musiker mußte dem Trugbild verfallen , der Einsame dem uneinsamsten aller Wesen . Während er diesen Schluß zog , trat Daniel ein . Er begrüßte Benda und sagte zu Dorothea : » Es ist ein Mädchen draußen und behauptet , sie habe Straußfedern für dich . Hast du Straußfedern bestellt ? « » Richtig , « erwiderte Dorothea mit Hast , » es ist ein Geschenk von der Emmy Büttinger . « » Wer ist das ? « » Das weißt du nicht ? Die Schwester der Kommerzienrätin doch . Da müssen Sie mir helfen , « wandte sie sich an Benda , » Sie sind ja wahrscheinlich ein Sachverständiger ; dort , wo Sie waren , laufen ja die Strauße herum wie bei uns die Hühner . « Lachend ging sie hinaus und kam mit einer ziemlich umfangreichen Schachtel zurück , der sie vorsichtig und beglückt zwei große Federn entnahm , eine weiße und eine schwarze . Indem sie sie an den Stielen hielt , legte sie beide über ihr Haar , trat vor den Spiegel und schaute sich mit trunkener Miene an . In dieser Miene , dieser Haltung war etwas so Außerordentliches , beinahe Unheimliches , daß Benda einen erschrockenen Blick auf Daniel heftete . Ich habe bisher nicht gewußt , was ein Spiegel ist , sagte er zu sich selbst . 3 Am Abend ging Daniel mit Benda in dessen Wohnung . Benda zeigte ihm Waffen und Geräte , die er aus Afrika mitgebracht und verbreitete sich bei einigen der merkwürdigsten Stücke über die Sitten der Negervölker . Dann bekam er Kopfweh , setzte sich in den Lehnstuhl und schwieg lange . Er sah plötzlich wie ein Greis aus ; die Zerstörung , die sein Körper erlitten hatte , wurde augenscheinlich . » Hast du einmal Dorotheas Mutter gesehen ? « fragte er , das tiefe Schweigen endend . Daniel schüttelte den Kopf . » Es heißt , sie vegetiert nur noch da draußen in der Anstalt , « erwiderte er . » Ich habe mir sagen lassen , daß sich weder Andreas Döderlein noch seine Tochter in all den vielen Jahren um die unglückliche Frau gekümmert haben , « fuhr Benda fort . » Nun , was von Andreas Döderlein zu halten ist , weiß ich ohnehin . « Daniel blickte empor . » Du hast mir einmal eine Andeutung gemacht , als hätte Döderlein in bezug auf die Frau eine Schuld auf sich geladen . Entsinnst du dich ? Hängt das mit Dorothea und ihrem Leben zusammen ? Kannst du darüber sprechen ? « » Ja , ich kann ' s , « antwortete Benda . » Es hängt auch mit Dorothea zusammen , und vielleicht erklärt sich manches in ihrer Art daraus , daß sie unter einem solchen Vater aufwachsen und eine solche Mutter verlieren mußte . Es ist eine eigene Verkettung , daß ich nun in dein Schicksal verflochten bin . « Er schwieg erinnerungsvoll , dann begann er : » Hättest du Margaret Döderlein gekannt , sie wäre dir ebenso unvergeßlich , wie sie es mir ist . Sie und Lenore , das waren die beiden musikhaften Frauen , denen ich im Leben begegnet bin , ganz Natur , ganz Seele . Margarets Jugend war ein Kerker . Ihr Bruder Carovius war der Kerkermeister . Als sie Döderlein heiratete , glaubte sie dem Kerker zu entrinnen , aber sie vertauschte ihn nur . Trotzdem wußte sie kaum , wie ihr geschah . Sie nahm alles auf sich , alles mit gleicher