nit Sorg haben . « Malimmes sagte , was er selber glaubte . » Aus dem Treffen ist er aufrecht und lebendig heraus . Derzeit hab ich ihn nimmer gesehen . « Unter den Toten und Verwundeten , die man zusammentrug , hatte er den Bauer nicht gefunden . » Ein Schub von adligen Herren , die man gefangen hat , ist nach Landshut abgegangen . Kann sein , da hat ihn der Seipelstorfer als Geleitsmann mitgeschickt . Mußt nit Angst haben ! Komm , jetzt laß dich sauber machen - wie du sein mußt - heut - « Er füllte den Eisenhut mit Wasser und goß es über Julas Schultern hinunter , um ihr den Moorschlamm von den Gliedern zu spülen . Den zweiten Guß bekam der Ritter Someiner . Dann Jula wieder einen . Guß um Guß . Malimmes teilte redlich . Und als die beiden auf dem schmalen Brett sich schauernd aneinander preßten , schöpfte er immer flinker und goß so reichlich , daß an den Triefenden bald keine Spur von Moorschlamm mehr zu entdecken war . » Gelt , ja ? « Er lachte wild . » Das ist gut für euch zwei , ein lützel kalt Wasser ! « Dann wurde er ernst . Und seine Hände zitterten , als er den Mantel um Julas Körper hüllte . » Nimm ! Da draußen sind Leut . Ich mag nit , daß die Grasaffen dich anschauen . « Ein Zug von Schmerz erschien in seinem braunen , hageren Gesicht , dessen große Narbe so weiß wurde wie ein Kreidestrich . Und da fand er sein Lachen wieder und stülpte lustig den Eisenhut über Julas Kopf . » So ! Du Kriegsmann ! Laß nur dein feines Raubgut nimmer aus ! « Lachend watete er den beiden voraus dem festen Boden entgegen . 9 Der Sonntagabend von St. Matthäi brannte mit allem Farbenzauber der Moorluft über dem trunkenen Lager , das erfüllt war von einem johlenden Gewühl . Hunderte von Bauersleuten waren aus den nahen Dörfern herbeigelaufen . Unternehmungslustige Wirte kamen mit großen Karren angefahren und verzapften Bier , Branntwein und gesüßten Roten . Fiedler und Blatterpfeifer spielten auf , und die Heertrödler handelten den Kriegsleuten die Beute ab . Von den Fußknechten des Ingolstädters , die man gefangen , entwaffnet und gegen Schwur auf Urfehde entlassen hatte , war die Hälfte geblieben , um sich mit den Siegern anzubrüdern und bei leeren Hosensäcken zu einem Trunk und Bissen zu kommen . Und die zahlreichen Lagerdirnen des Ingolstädtischen Trosses hatten sich , den Wechsel des Lebens klug erfassend , zu Herzog Heinrichs beutereichem Heer geschlagen ; eins von ihren großen Huschelzelten stand mit Pfeifenklang und Gelächter nicht weit von dem Wiesenfleck , auf dem in langen , stillen Reihen die Kaltgewordenen lagen , deren Bestattung man wegen des heiligen Sonntags auf den kommenden Morgen verschoben hatte . Der Lärm in den Lagergassen , das Gequiekse der Musikanten , die brüllenden Liederklänge , das Gelächter und Aufkreischen der Weiber und das emsige Dullenklopfen eitler oder gewissenhafter Kriegsleute - das alles schwoll zu einem Brummton ineinander wie von einer schwingenden Riesensaite . Inmitten des in Tollheit schwärmenden Menschenhaufens stand ein stilles Zelt mit geschlossenen Tüchern . Malimmes hatte dieses Leindwandhaus einem Landshuter Söldner abgehandelt , dessen Beute es geworden war . Als Jula den erschöpften , taumelnden Mann da hereinführte , wurde Lampert von einer grauenvollen , an seinen letzten Kräften reißenden Erschütterung befallen . Es war das Hauptmannszelt , in welchem Herzog Ludwig die müde Rast dieser mörderischen Nacht gehalten hatte . Die erloschene Kienfackel stak noch im Eisenring , im Winkel war noch die schlammige Pferdekotze , auf der die beiden Hunde gelegen , und daneben das grobe Deckenlager , niedergedrückt und zerwühlt von einem schweren Körper , der sich hin und her gewälzt hatte in unruhigem Schlaf . Beim Anblick des leeren Lagers riß sich Lampert von Julas Händen los , griff mit suchenden Fäusten ins Leere und schrie : » Ein Roß - nach München - ich muß nach München - « Malimmes mußte den besinnungslos zu Boden Taumelnden auffangen und auf das Lager heben . » Hilf ihm ! Hilf ihm ! « bettelte Jula in Sorge . » Eins nach dem andern « , sagte Malimmes , » fliegen kann ich nit . « Er holte dürres Holz und Reisig , schlug Funken und schürte ein kleines Feuer an , dessen Rauch durch die Zeltgabel hinausquirlte . » Da tu dich trücknen , Maidl ! Sonst mußt du morgen dein Glück mit Niesen und Husterei beginnen . Was ihr sonst noch nötig habt , ihr zwei , das treib ich schon auf . « Als er gehen wollte , umklammerte Jula seinen Arm . Er sagte ruhig : » Laß aus ! Heut tu ich den letzten Dienst als meines Bauren redlicher Knecht . Der Krieg ist aus . Ich muß auch was haben . Morgen reit ich nach Regensburg . Da geht mein freies , lustiges Leben an . « Das heitere Lachen , das er bei diesem letzten Wort versuchte , gelang ihm nicht . Stumm , mit nassen Augen , sah Jula ihm nach , als er davonging . Er brachte Wasser in zwei Tränkeimern , brachte Leinwand und Wäsche , Zehrung , Brot , Geschirr und Löffel , einen zinnernen Becher und einen Krug mit Wein , Gewürz und Honig ; er brachte nach seinem erprobten Augenmaße Kleider , Mäntel , Wehrstücke , Waffen , brachte alles , was man braucht zu einer Reise durch unsicheres Land . Wie ein Zaubermeister war er . Und wenn ihm einer nicht gutwillig geben wollte , redete Malimmes mit seiner Faust . Um alles herzuschaffen , tat er Dinge , für die ein strenger Profos ihn zu Stock und Bank , vielleicht zum Galgen gesprochen hätte . » So ! Da liegt , was nötig ist ! « Während seine schwer atmende Brust sich hob , betrachtete er prüfend den jungen Someiner