gar nicht zu machen ! Die Leute , die unsere Feinde zu sein scheinen , erzählen es uns selbst . Seid froh , daß ihr es ehrlich meint ! Denn , wäre dies nicht der Fall , so würdet ihr heut abend die ersten sein , die unter unseren Kugeln fallen . « » O , was das betrifft , so würden wir wahrscheinlich gar nicht bös darüber sein , uns morgen tot zu wissen ! Es gibt bei uns weder Glück noch Stern . Das ist der Fluch , der vom Vater auf die Söhne erbt . « » Nicht der Fluch , sondern der Segen ! « widersprach ich ihm . » Wieso ? « fragte er . » Der Segen , welcher darin liegt , Geschehenes gut zu machen und dadurch den Vater erlösen zu können . « » Und daran glaubt Ihr , Mr. Shatterhand ? « » Ja . « » Wirklich ? Wirklich ? Ich bitte Euch , sagt es mir aufrichtig ! « » Gewiß und wirklich ! « » Gott sei Dank ! So gibt es also doch noch einen Zweck für uns ! Wir wollen es fernerhin tragen ! Ihr wißt also nun , daß wir heute abend angewiesen sind , uns in eure Nähe zu machen ? « » Ja . « » Wollt Ihr uns das erlauben ? « » Gern . « » Und uns dennoch nicht mißtrauen ? « » Wir sind überzeugt , daß ihr es ehrlich meint . « » Gott segne Euch für dieses Wort ! Habt Ihr irgend einen Befehl für uns ? « » Jetzt noch nicht . Vielleicht heute abend . Wahrscheinlich kommt es gar nicht zu einem Kampfe . Der Ueberfall wird auf alle Fälle vermieden . « » So nehmt Euch aber , mag es gehen wie es will , vor dem Nigger in acht . Er haßt Euch glühend . Er schreibt alles auf Eure Schuld . Wenn er die Wahl hat , Euch eine Kugel zu geben oder keine , so gibt er Euch sicherlich zwei ! Jetzt müssen wir gehen . Wir haben schon so lange gewartet , und doch soll niemand wissen , daß wir hier verkehren . « Sie entfernten sich . » Sie tun mir leid , unendlich leid ! « sagte das Herzle . » Sie sind ganz anders als früher . Ich wollte , sie hätten ein recht , recht glückliches Leben vor sich liegen ! « Als wir dann bei unserem verspäteten Kaffee saßen , stellten sich zwei andere Personen ein , die uns aufzusuchen kamen . Das waren die Squaw des Häuptlings Pida und » Dunkles Haar « , ihre Schwester . Sie wurden ganz selbstverständlich in der herzlichsten Weise aufgenommen . Das Herzle setzte gleich noch einmal Kaffee an , um sie an unserem Frühstück teilnehmen zu lassen . Wir erfuhren von ihnen , daß gestern abend die Frauen der Komantschen und der Kiowa hier angekommen waren . Sie hatten sich sofort mit den Frauen der Sioux unter deren Führerin Aschta vereinigt , um bei den Denkmalsberatungen auch ihre Stimmen zur Geltung zu bringen . Heute früh waren sie alle nach dem Gebäude gezogen , in dem die beiden jungen Künstler ihr Rundgemälde und das Modell zur Winnetoufigur sehen ließen . Sie hatten es ganz enttäuscht verlassen . Was ihnen da gezeigt worden war , hatte nichts mit dem herrlichen Winnetou zu tun gehabt , den man liebt und verehrt , so weit die Zungen der roten Völker erklingen . Nein ! Den Winnetou , den sie da gesehen hatten , den lehnten sie ab . Den wollten sie nicht haben . Und mir das sofort zu sagen , waren sie gekommen . Aber es galt , mir noch eine andere Mitteilung zu machen , die weit schwieriger war . Sie wußten nicht so recht , wie sie es anzufangen hatten , mich genügend zu warnen , ohne einen Verrat gegen ihre eigenen Krieger zu begehen . Ich machte ihnen Mut , indem ich ihnen erklärte , daß ich bereits alles wisse . Ich sagte ihnen , daß die viertausend Indianer heute durch die große Höhle ziehen würden , um den unsinnigen Plan der alten , gegen uns verschworenen Häuptlinge zur Ausführung zu bringen . Das machte es ihnen möglich , aufrichtig zu sein . Ich erfuhr von ihnen , daß Pida , ihr Mann und Schwager , heut frühzeitig nach dem » Tal der Höhle « geritten sei , weil man ihn ausersehen hatte , den unterirdischen Marsch zu kommandieren . Nun stand für sie die Sache folgendermaßen : Siegte er , so mußte ich zugrunde gehen , und siegte ich , so war es um ihn geschehen . In dieser Herzensangst hatten sie es für das Beste gehalten , mich aufzusuchen und sich mir anzuvertrauen . Ich versprach ihnen Verschwiegenheit und gab ihnen die Versicherung , daß weder mir noch Pida irgend etwas Böses geschehen werde . Als sie uns nach einiger Zeit verließen , waren sie vollständig beruhigt . Hierauf ging das Herzle zu Tatellah-Satah , um ihn zu photographieren . Ich begleitete sie . Als die Aufnahme vorüber war , verließ sie uns . Es trieb sie zum photographierenden Ingenieur . Wir aber machten einen Spaziergang nach dem Wartturm , um den » jungen Adler « aufzusuchen . Dieser schien von dem Kommen unseres ehrwürdigen Freundes und Beschützers unterrichtet zu sein , denn er rief uns , als wir dort anlangten , von der Höhe seines Daches aus zu : » Kommt herauf ! Es ist alles bereit . Mein Adler ist fertig ! « Wir traten in den Turm und stiegen die vielen Stufen bis zum platten Dach hinauf . Da stand auf vier Beinen ein großes , vogelähnliches Gebilde mit zwei Lebern , zwei ausgebreiteten , mächtigen Flügeln und zwei Schwänzen . Die beiden Leiber vereinigten sich vorn durch ihre Hälse zu einem einzigen Kopfe , zu einem Adlerkopfe . Sie waren