: » Lieber Bruder - ich soll dir melden - sie - ist nun bei uns alle Tage . « Aufschluchzend lagen wir einander in den Armen , indessen Sibylle still für sich weinte . » Du weißt alles , Bruder ? « fragte Heinrich weich . Ich nickte . » Und wirst zu uns kommen ? « Ich drückte seine Hand und auch Sibyllens Hand : » Sie will es so ; gerne komm ich mit ; ich danke euch . Lasset mich nur noch das Liebste aus meiner Habe zusammenraffen . « Wir saßen beisammen und weinten still . Dann hub der Umzug an . Sibylle führte die Ziege ; Heinrich trug meine Waffen , in seiner Hucke waren meine Bücher ; hinterdrein wankte irr der Oheim mit der Harfe . So schwanden sie im Walde . Auch für mich lag ein Bündel bereit . Doch ging ich noch nicht , mir blieb noch etwas zu tun . Ich durfte ja die Abendburg nicht lassen , wie sie war . Sonst hätte sie in goldgierigen Menschen aufs neue den Dämon reizen können , der doch schon genung des Unheils hier angerichtet . Trümmer sollten den Höhleneingang verschütten . Da kamen mir nun zustatten die vorhandenen Pulverfässer . Ich brachte sie in Spalten der Grotte und leitete Zündschnur zur Balkenklause . Ein letzter Abschiedsblick ins alte Heim , dann zerrte ich aus dem Ofen Feuerbrände und zündete an . Von Ferne beobachtete ich , wie die Flammen aus Fenster und Dach loderten . Plötzlich huben sich Stücke des Felsens , als ob ein riesiger Maulwurf den Grund emporwühle , dicke Feuerstrahlen schossen herfür , es krachte , als berste der ganze Berg . Und zusammen in sich sank die Abendburg wie ein zertrümmerter Turm , dann war alles in schwarzen Qualm gehüllt , aus dem die Funken stoben . Bald legte sich der Aufruhr , die Balken verkohlten und verglühten , ich trat herzu und vergewisserte mich , daß der Felsen ob der Höhle zusammengebrochen war und den Eingang zur Tiefe , den ohnehin außer mir , dem Oheim und Kiesewalds kein Lebender mehr wußte , völlig begraben hatte . Ein Seufzen ; dann lud ich mein Bündel auf und ließ die Stätte hinter mir . Auf des Zackenberges Rücken schaute ich zurück , überm Hohen Stein schwebte noch Rauch . Der war wie ein letztes finstres Mahnen an die Welt der Gier und Fehde . Mein Hund schnopperte unruhig und glotzte scheu . Dann zog er den Schwanz ein , hub den Kopf und heulte aus tiefer Brust . Er heulte , und ich schluchzete . Endlich faßte ich mich und ging . Wie ich nun an die Schlucht des tosenden Bergstroms kam , allwo ich vor einem halben Jahr Thekla erwartet und das Feuer entzündet hatte , flog mein Blick hinüber zur Waldwiese , als ließe sich aufs neue die Braut finden . Und sieh doch ! ich traute meinem Auge nicht : sie stund , wo sie damals gestanden . Wenigstens schien es eine Menschengestalt zu sein . Einmal meinte ich , Sibylle sei es . Bei schärferem Spähen kam es mir vor , es müsse ein Baumstumpf sein - oder ein Felsen - vielleicht gar nur ein Schatten . Sei ' s , wie es wolle ! Mir war dies Gebilde meine Thekla , ich erkannte ihr stahlblau Gewand und Kopftuch , sogar das Braun der Locken und ihr liebes Angesicht , still lächelte sie mich an . Dem Schauen hingegeben , war ich ins Beerenkraut gesunken , sanfter Jubel sang mir im Herzen : » Süße ferne Braut ! Mein Schatz der Abendburg ! « Dazu vernahm ich in weiter Ferne Glockenläuten , als begebe sich zu Hirschberg , im ganzen Tale drunten , ein groß Feiern . Und ich träumte , die Stadtruinen seien bekränzt , auf den Knien lägen die wenigen Bewohner : » Friede ! Das lange Sengen und Morden ist aus ! Endlich Friede ! « Und leibhaftig erschien der Friede , ein weißgekleidet Kindlein . So mag gelächelt haben jenes Kindlein , das der Abendburgfelsen seiner Mutter zurückgab ; und so mag strahlen das Mägdlein vom Krökentor , wann die lichte Ewigkeit ihm seine finstre Mauerklause hat aufgetan . Und nun sieh ! Küsse warf mir von drüben meine Braut zu ; war dann um ein Freudenfeuer beflissen - und nun sollte auch das meinige lodern . Waldfeuer drüben an der Bergeshalde , Dein Wölkchen Rauch Schwebt einsam nicht ; aus meinem Tannenwalde Steigt gleicher Hauch . Ob dort und hier zwei treue Herzen flammen , Getrennt durch Kluft und Strom - Den Rauch , die beiden Säulen , schmilzt zusammen Ein Himmelsdom . Die Ferne hat ein Minnen uns gegeben , Das nicht genießt , Nur segnend grüßt - und sanft zu Gottes Frieden Hinüberfließt . Waldfeuer drüben an der Bergeshalde , Dein Wölkchen Rauch Schwebt einsam nicht ; aus meinem Tannenwalde Steigt gleicher Hauch .