mit seiner loyalen Preußenmiene . Preußen ! Warum gerade Preußen , das uns zuerst um dreißig Silberlinge verschacherte . Jetzt ist es freilich selber an die Kette gelegt ; aber auf wie lange ... ? Preußen ! Preußen ! Warum nicht Frankreich ? Warum nicht Rußland , grundschlecht , wie es ist ! In seiner Sündenblüte hat es doch wenigstens den Mut , sich zu seinen Taten zu bekennen . Aber nein , es mußte Preußen sein . Und dieses Preußen , in dem der Ladalinskistamm , einer Einbildung , einer Marotte zuliebe , neu blühen und Wurzel schlagen soll , das tritt nun zwischen dich und mich , und um des vielleicht ausbleibenden Lächelns dreier Prinzlichkeiten willen geht in dieser Zeit , in der Gott sei Dank mehr Prinzen auf den Schlachtfeldern als in fürstlichen Wochenstuben geboren werden , unser Glück wie eine Feder in die Luft . Soll es das , Kathinka ? ! Bist du entschlossen ? « Sie schwieg . » Lieben wir uns ? « » Du sagst es . « » So seh ich nur einen Weg . Und du wirst den Entschluß dazu fassen können . So denk ich , so hoff ich . « Kathinka legte die Hand an ihre Stirn ; dann , als entsänne sie sich auf etwas Zurückliegendes , sagte sie : » Ich versprach ihm , nichts zu tun , das seine Stellung untergraben oder seine Zugehörigkeit zu diesem Lande neuen Verdächtigungen aussetzen könnte . « » Und dies Versprechen wirst du halten . Die Flucht wirft alle Schuld auf uns . « » Und doch ist ein Schwanken in mir « , fuhr Kathinka fort » Nicht , daß ich vor meinem Anteil an dieser Schuld erschräke . Du weißt , wie ich bin , und was an Furcht in mir ist , geht unter in der Lust am Wagnis . Also nicht um mich . Aber um deinetwillen ; aus Liebe zu dir . Du sollst nicht in einem falschen Lichte dastehen . Und du wirst es . Wie bittere Worte werden fallen ... von Tubal ... « » ... von Lewin ... « » Nenne nicht seinen Namen . Es schmerzt mich ; denn es ist keiner , den ich mehr gequält und dem ich tiefer verschuldet wäre . Und nun tu ich ihm das Schwerste ! Er liebte mich , und ich war ihm gut von Jugend auf . Das ist nun vorbei . Aber du irrst , wenn du glaubst , daß bittere Worte von seinen Lippen kommen werden . Nicht von ihm : aber die andern ! Erinnere dich des Ballabends , als du von General Yorcks Kapitulation hörtest , und denke deines spöttischen Sans doute , womit du der alten Exzellenz ihre feierliche Geschichte von dem kronprinzlichen Einsegnungsringe verdarbst . Was war die Meinung von alledem ? Eine tiefe Verachtung gegen das , was sich hierlandes als deutsche Treue gibt . Und nun frag ich dich , üben wir die Treue , übst du sie ? « » Auch nicht ihr Gegenteil « , antwortete Bninski . Kathinka schüttelte den Kopf . Der Graf aber fuhr fort : » Und wenn es wäre , wie du meinst , Kathinka , so sprich ein Wort und laß es mich einsehen , daß es so ist , und ich will dem , was ich tue , kein Mäntelchen umhängen . Ich bin kein Ritter von La Mancha , der die Untreue aus der Welt herausfechten will ; ich will sie nicht abschaffen , am wenigsten will ich die Vorstellung großziehen , daß ich ihr persönlich entwachsen sei oder über ihr stünde . Untreue ! sie war das Erste und wird das Letzte sein ; ich erschrecke nicht vor dem Wort und nicht einmal vor der Tat . Aber das Tugendgesicht , das sie hierzulande annimmt , das haß ich . Was mir zuwider ist , das ist die Lüge . Und das eine weiß ich : es ist nicht Lüge , wenn ich das , was geschehen soll , weder Vertrauensbruch noch Untreue , wohl aber Zwang und Konsequenz und Notwehr nenne . Zug um Zug . Gegen das gekünstelte und mißbräuchlich geübte Recht deines Vaters , das uns zum Opfer mir unbegreiflicher Rücksichten machen will , setzen wir unser natürliches Recht , das Recht unserer Neigung . « Eine kurze Pause folgte , und nur um das peinliche Schweigen zu unterbrechen , fügte der Graf hinzu : » Sieh auf die Zukunft , Kathinka . Es kommen bessere Tage . Er wird sich hineinfinden ; das unabänderlich Geschehene bekehrt besser als tausend bittende Worte . « » Du verkennst ihn « , sagte sie , » er hat den ganzen Eigensinn der Gütigen und Schwachen . Ich darf es aussprechen , denn er war schwach gegen mich von Jugend auf . Er wird uns nicht hassen , seine Liebe zu mir wird unerschüttert bleiben , aber er wird sich mit dem Geschehenen nicht versöhnen und wird nicht Frieden mit uns schließen . Ich weiß , was ich tue . Es ist ein Scheiden auf Nichtwiedersehen ! « Der Graf schritt auf und ab . Als er wieder an das Sofa trat , nahm sie seine Hand und sagte , mit einem Ausdruck zu ihm aufblickend , der ihr sonst fremd war : » Und so sei es denn , Jarosch ! Ich fühle , es ist beschlossen , und nicht bloß durch uns . Wir erben alles : erst das Blut und dann die Schuld . Ich war immer meiner Mutter Kind . Nun bin ich es ganz . Sei gut mit mir . Ich habe nur noch dich . « Und sie warf sich an seine Brust . Siebzehntes Kapitel Bei Hansen-Grell Zwei Tage nach diesem Gespräch zwischen Kathinka und Bninski saß Lewin in Briefen , die der Erledigung harrten . Einige , darunter Zeilen von Doktor Faulstich und Tante Amelie , lagen schon so lange unter dem Stein , daß