Schublade ein Kästchen von Ebenholz und ein Medaillon . Dann verließ er sein Zimmer und ging den Corridor entlang , bis er an eine Thür gelangte , an der er einen Augenblick lauschend stehen blieb . Der Schlüssel steckte im Schloß . Berger zog ihn geräuschlos ab und klopfte : Entrez ! rief eine krähende Stimme . Berger trat ein . Der , den er suchte , stand mit dem Rücken nach der Thür vor dem Spiegel , eifrig beschäftigt , die glänzend braunen Löckchen seiner Perücke über der Stirn zu ordnen . Er wandte sich in der Meinung , daß es der Kellner sei , nicht nach dem Eintretenden um . Dieser ließ einen schnellen Blick durch das Zimmer gleiten , schloß die Thür und schritt dann bis mitten in das Gemach , wo er regungslos stehen blieb . Was wollen Sie ? sagte der Graf Malikowsky , der jetzt mit seiner Cravatte beschäftigt war . Mit Ihnen eine alte Rechnung quitt machen , erwiderte Berger . Der Graf wandte sich erschrocken um und starrte in Bergers bleiches , ernstes Gesicht , das durch das schwarze Pflaster auf der Stirn noch bleicher und ernster erschien . Wer sind Sie ? Was wollen Sie ? rief der Graf . Mein Name ist Berger . Was ich will , habe ich Ihnen bereits gesagt . Wenn Sie eine Forderung an mich haben , wenden Sie sich an meinen Kammerdiener . Ich befasse mich mit dergleichen nicht . Ich weiß es wohl , sagte Berger , ohne eine Miene zu verändern , das der Graf Malikowsky Forderungen , die man an ihn persönlich gerichtet hat , gern durch andere Leute beantworten läßt , und wären diese Andern selbst Meuchelmörder ; diesmal aber , hoffe ich , werden Sie eine Ausnahme von der Regel machen . Bei diesen Worten trat er an den runden Tisch , der in der Mitte des Zimmers stand , setzte das Ebenholzkästchen darauf und nahm die beiden Pistolen , die es enthielt , heraus . Der Graf hatte diesem Beginnen mit einem Erstaunen , das ihn sprachlos und bewegungslos machte , zugesehen . Der Anblick der Pistolen brachte ihn indessen wieder zu sich , er eilte nach der Thür . Berger vertrat ihm , die Pistolen in der Hand , den Weg . Ein Versuch noch , mir zu entwischen , sagte er , ein Hülferuf , und ich schieße Sie nieder . Treten Sie an jene Seite des Tisches , mir gegenüber ; so ! Der Mensch ist verrückt , murmelte der Graf , indem er , an allen Gliedern zitternd , Bergers Befehl Folge leistete . Wohl möglich , sagte Berger mit einem unheimlichen Lächeln ; wenn ich ' s aber bin , so bin ich es zum nicht geringsten Theil durch Sie , mein Herr Graf . Sie kennen mich nicht mehr . Nein ! in der That , nein ! Kann sein ; ich habe mich , seitdem ich zum letzten Male die zweifelhafte Ehre hatte , Ihnen gegenüber zu stehen , einigermaßen verändert ; ich will Ihrem Gedächtnisse zu Hülfe kommen . Kennen Sie auch diese nicht mehr ? Er drückte das Medaillon auf und hielt es dem Grafen über den Tisch hinüber entgegen . Der Graf setzte seine goldene Lorgnette auf und blickte auf das Bild in der Kapsel . Es war das auf Email zierlich gemalte Portrait eines wunderschönen braunäugigen Mädchens , in der Tracht des Anfangs der zwanziger Jahre . Eleonore ! rief der Graf , einen Schritt zurückprallend . Ja , Eleonore ; wiederholte Berger , das Medaillon wieder schließend und zu sich steckend ; und nun werden Sie ja wohl auch hoffentlich wissen , wer ich bin und was das für eine Rechnung ist , die wir miteinander abzumachen haben . Der Graf war selbst durch seine Schminke hindurch todtenbleich geworden ; seine falschen Zähne klapperten , er mußte sich in einen Stuhl , der an dem Tische stand , sinken lassen , da er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte . Berger schien sich an diesem kläglichen Anblick zu weiden . Wie die Memme zittert , sagte er ; wie ihm das faule Herz in der öden Brust an die Rippen pocht um das bischen nichtsnutzige Leben ! Elender Feigling , der nur den Muth hat , unschuldige Mädchen zu verführen , und in die Kniee sinkt , sobald ihm ein Mann entgegentritt ! Hier , nimm die Pistole , und mach ' einem Leben voll Schande durch einen halbwegs ehrlichen Tod ein Ende . Ich kann nicht ! keuchte der Graf , haben Sie Mitleid mit mir ! Sie sehen , ich bin ein vor der Zeit alter Mann ; meine Hände zittern vor Gicht ; ich kann keine Feder , geschweige denn eine Pistole fest halten . Freilich , sagte Berger ; der Mensch ist weiter nichts als ein übertünchtes Grab ! da wäre es wohl eine noch härtere Strafe , wenn man ihn leben ließe ? Er senkte die Stirn und sann einen Augenblick nach . Sei ' s denn , murmelte er . Er legte die Pistolen wieder in das Kästchen . Der Graf athmete auf . Ich habe mich nach dieser Stunde gesehnt dreißig Jahre lang ; ich dachte wunder , wie süß der Trank der Rache sein würde , aber das Gefäß , in welchem er mir geboten wird , ekelt mich an ; ich mag ihn nicht . Berger hatte das gesagt , als ob er mit sich selber spräche . Jetzt hob er den Kopf , heftete seine durchdringenden Augen auf den Grafen , der noch immer zusammengekauert in seinem Stuhl zitterte , und sagte : Ich bin mit Ihnen fertig . Ich will Ihnen Ihr jämmerliches Leben lassen , aber unter einer Bedingung . Noch in dieser Stunde reisen Sie von hier ab und lassen sich nie wieder in Deutschland sehen . Ich will nicht , daß ein Bube , wie Sie , deutsche Luft athmet