, den sie gleich darauf mit dem groben braunen Habit der Karmelitessen vertauschen sollte . Wie eine Königin stand sie da , in dem weißen Seidenkleide und mit den herrlichen Perlenschnüren von der seligen Mutter um den Hals - wie die Königin einer höheren Welt , in welcher Diamanten als Staubeskörner gelten . So stand sie da und das Gitter im Sprachzimmer war weit geöffnet . Der Vater hatte durchaus verlangt , sie im letzten Augenblick zu sprechen und wir waren alle dabei . Alle Verwandten waren gekommen zu der heiligen Feierlichkeit , die der Bischof vollzog . Papa sagte ihr vieles und Onkel Levin auch ein paar Worte ; aber sie erwiderte nur : Der Bräutigam ruft , ich muß ihm folgen ! und ähnliches mehr , ganz sanft , ganz bestimmt - wie sie immer war . Endlich kniete sie am Gitter nieder und bat Papa und Onkel Levin um ihren Segen - und als sie dann aufgestanden war und uns alle und jeden einzelnen ansah mit ihrem tiefen unvergeßlichen Blick , da sagte sie : Auf Wiedersehen im Himmel ! und wie eine wandelnde Lilie verließ sie das Zimmer . Jetzt , wenn wir kommen , ist sie immer von einer ganz herzzerschmelzenden Liebe , als ob sie ihr Leben aushauchen möchte , um Seelen zu Gott hinzuziehen . Diesen Sommer fragte ich sie : Kommst Du vom Kalvarienberg , um so zu lieben ? Da antwortete sie so recht nach alter Art , damit nur niemand sie für etwas Besonderes halten möge : Ach nein ! aus meiner Zelle ! Wir gehen dann immer in die Klosterkapelle , um sie singen zu hören ; am Abend nach der Vesper ein Salve Regina oder Regina coeli , laetare . Die Karmelitessen singen wunderschön , mit gedämpfter Stimme , nach der Tradition der heiligen Therese , welche gesagt hat , die laute Stimme , der weithin tönende Gesang schicke sich nicht für Klosterfrauen , bei denen alles das Gepräge der Abtötung , nicht der natürlichen Gabe , tragen müsse . Und so singt denn auch Regina wie vom Himmel herab . Die Leute kommen aus der Stadt , um sie zu hören . Ihre Stimme schwebt gleichsam über den anderen Stimmen , wie ein Balsamduft über Blumen . Ach , Uriel , von Regina gilt das Wort unseres Heilandes : Sie hat den besten Teil erwählt ! « » Für sich selbst - gewiß ! « sagte Uriel . » Auch für uns ! « entgegnete sie . » Regina ist unsere Beterin . Es gibt in den Familien einige Glieder , die zahlreichsten , welche für irdischen Bestand und irdische Wohlfahrt der Familie sorgen . Damit sich diese nicht zu tief und zu ausschließlich in das Irdische versenke und verliere , hat sie auch andere Glieder , welche ihr himmlische Gnaden zuwenden . Das Gebet des Gerechten vermag viel : so lehrt und beweist uns die heilige Schrift . Wir sind reich an betenden Seelen : Onkel Levin , Hyazinth , Regina . « » Und was haben sie denn für Dich erbeten ? « fragte er bewegt und blickte in ihr melancholisches Auge . » Das , was mir not tut , lieber Uriel , « sagte sie mild . » Nun aber sprich von Orest ! « rief er . » Diesen Brief erhielt ich soeben von ihm ; der sagt Dir alles , was ich selbst weiß , « entgegnete sie ausweichend und reichte ihm das Schreiben . » Daraus wirst Du sehen , daß ich am Vorabend einer Reise nach Italien bin . Morgen werden die Koffer gepackt , übermorgen gehe ich nach Windeck und mit dem Papa gen Süden , nach Rom - wo ich Orest finde . « Uriel war über allemaßen durch den Inhalt dieses Schreibens betroffen . Orest brauchte enorm viel Geld - Corona sollte nichts brauchen ! Er reiste mit Reitpferden - sie sollte ohne Diener reisen ! Zuerst nannte er sein Pferd - dann sein Kind ! Er fing an , ihre melancholischen Augen zu verstehen . Sie sprachen den ganzen Abend traulich und offenherzig wie Geschwister mit einander ; aber Coronas eheliche Verhältnisse berührten sie nicht . Corona schwieg darüber und Uriel fühlte alles , was in diesem Schweigen lag . Als er ihr seine Verwunderung aussprach , daß sie ihr Söhnchen nicht in ihrer Nähe habe beerdigen lassen , sagte Corona : » Sieh ' , ich bin hier nicht recht heimisch ! « Aber gleich setzte sie erklärend hinzu : » Ringsumher alles protestantisch - das macht mir den Eindruck von unüberwindlicher Fremdheit . « » Und die Kapelle ? « fragte er . Corona kramte tief in ihrem großen chinesischen Arbeitskorb , um ihr Erröten zu verbergen und wo möglich die Frage im Eifer der Geschäftigkeit zu überhören . Als Uriel sie aber wiederholte , schlug Corona ihm zierlich mit einer Häkelnadel von Elfenbein auf die Finger und erwiderte : » Warum hast Du sie nicht ausgebaut ? Wir haben kein Geld dazu . « Ihn überfiel ein unsägliches Mitleid mit dieser Frau , die in der Blüte der Jugend und Schönheit , und umringt von Reichtum und Wohlbehagen dennoch ein verzichtendes Leben zu führen hatte , dessen Entbehrungen grell abstachen gegen den äußeren Glanz . Sie rührte ihn umso mehr , als sie sehr heiter war . Ihre Kindheit und ihre erste Jugend wachten in tausend Bildern und Erinnerungen in ihr auf , als sie Uriel wiedersah ; die zehn Jahre , die er vor ihr voraus hatte , trugen dazu bei , jene aufzufrischen und zu vervollständigen ; und daß er darauf einging , daß er es nicht langweilig fand , wie Orest , von der Vergangenheit zu sprechen ; daß er nicht vergessen hatte diese Kinderei und jenen Scherz und daß er gar noch mehr wußte als sie - das stimmte sie so froh , wie sie lange nicht gewesen war , die arme Corona . Diese Freude traulicher Mitteilung