hab auf dich acht gehabt . Leg dich hier schlafen , hier ist Schatten und Frische ! Ich will bei dir wachen , daß dich niemand stört . « » Ich kann nicht schlafen « , sagte er . Sie spritzte ihm von dem Schaume des Wassers ins Gesicht . » Das Wasser tut mir wohl « , sagte er und tauchte gleichfalls die Hand ein , um sich die Augen zu kühlen . » In dir geht etwas vor « , sagte sie . » Wenn sich der Mensch umkehren soll wie ein Handschuh « , erwiderte er , » so ist das nicht auf einmal geschehen . « Er stützte den Kopf in die Hand und brütete vor sich hin . » Wie meinst du das ? « fragte sie . Er richtete sich wieder auf . » Die Habsucht von ihrem Überfluß erleichtern « , hob er nach einer Weile an , » gegen harte Menschen streng auftreten , dazu kann sich der Mensch mit Leichtigkeit entschließen . Aber die Leute quälen und martern , wie die Henker , das geht mir wider die Natur . Es sind diese Nacht bei dem Schultheißen Dinge geschehen , die mir am Herzen nagen und die ich nicht aus dem Gedächtnis bringen kann . « » Du redest recht schultheißenmäßig « , sagte sie . » Möchtest du jetzt vielleicht noch Schultheiß von Ebersbach werden ? « » Nein , ich rede keinem Schultheißen das Wort , aber foltern soll man ihn nicht . « » Hast du nicht selbst gesagt , daß diese deutschen Henker das den Unsrigen tun ? « » Ich will ' s ihnen lassen . « » Was ? Und man soll ' s ihnen nicht vergelten , den Ungeheuern ? Weißt du nicht mehr , welche Reden du gegen deine Ebersbacher geführt hast ? Hast du nicht gesagt , dein Herz werde keine Ruhe finden , bis du den ganzen Flecken zusammenbrennen sähest , den Magistrat mit Pfarrer und Amtmann an der Spitze möchtest du hinschlachten , deinen eigenen Vater nicht verschonen und den schwangeren Weibern den Leib aufschneiden ? Nun , die ungeborenen Kinder sind doch gewiß unschuldiger als der Schultheiß von Börtlingen . « Er starrte unmutig vor sich hin . » Prahlst du mit Worten « , fuhr sie fort , » und schrickst recht deutsch und feig vor einem bißchen Gequiek und Geschrei zurück ? Du Maulheld , geh zu deiner Ebersbacherin und laß dich mit ihr ins Zuchthaus sperren . « Er sprang auf wie ein gereizter Tiger , und seine rotumsäumten Augen funkelten . » Weibsbild ! « schrie er , » ändere deine Zunge , oder du sollst den Maulhelden spüren , bis du mürb wirst . « Sie war ebenfalls aufgesprungen und blickte ihm fest und keck ins Gesicht . » Glaubst du , daß ich dich fürchte ? « rief sie . » Du kannst bloß drohen , du bist ein Weib . « Mit einem Schrei der Wut stürzte er sich auf sie und suchte sie zu ergreifen , aber mit Erstaunen mußte er sich bekennen , daß ihm dieses Weib gewachsen sei . Sie zeigte ihm eine unerhörte Muskelkraft und dabei eine Behendigkeit , mit der sie ihm wie eine Flamme unter den Händen durchschlüpfte ; dann hielt sie ihm wieder beide Hände fest , daß er der äußersten Anstrengung bedurfte , um sich loszureißen und den Kampf von neuem zu beginnen , wozu sie ihn durch ein fortwährendes Hohnlachen reizte . Lange hatten sie miteinander gerungen , bis er sie endlich bemeisterte und zu Boden warf , daß ihr die Glieder knackten . » Willst du degenmäßig werden ? « schrie er . » Nein ! « antwortete sie und suchte sich wieder emporzuringen . » Willst du mich für deinen Herrn erkennen ? « » Nein ! « » Parieren mußt du ! « schrie er , drückte sie zwischen seine Knie , daß sie nach Luft schnappte , und zog das Messer . Sie stöhnte , aber nicht vor Angst . Ihre Augen spien Feuer , ihr heißer Atem durchglühte ihm die Wange , und ihre braune Haut brannte von dem Blute , das ihr die Anstrengung in Gesicht und Hals hervorgetrieben hatte . Er kämpfte bebend mit der Gewalt ihrer Schönheit , aber entschlossen setzte er ihr das Messer auf die Brust und rief : » Willst du dich unterwerfen ? « Sie sah ihn mit großen Augen ruhig an . » Vor einer Minute noch wär ich freiwillig dein gewesen « , sagte sie , » aber eher will ich sterben , als gezwungen einem Mann zu Willen sein . « » Was fällt dir ein ? « rief er stolz sich zurückbeugend . » Du traust mir zu , an was mein Herz nicht denkt . « » Was willst du denn ? « fragte sie . » Respekt , sonst gar nichts ! « antwortete er mit seltsam strengem Tone . » Du mußt versprechen , daß du nie in deinem Leben mehr solche Ausdrücke wider mich brauchen willst . « » Wenn ' s nichts weiter als das ist ! « rief sie lachend . » Der Respekt ist schon von selbst da , und ich will tun , was du haben willst . Aber erst steck dein Messer ein , denn damit bringst du mich zu nichts , ich hab im Gefängnis schon den ersten Grad der Tortur überstanden , und sie haben nichts aus mir herausgebracht . « Er stand auf und steckte sein Messer ein . Mit wunderbarer Schnellkraft schoß sie vom Boden auf : » Ich habe meinen Meister gefunden « , rief sie , » so hätte keiner von den anderen gehandelt ! Dafür will ich dich auch achten und ehren und will dir leibeigen sein und mit meiner Hand dich ernähren mein Leben lang . « Sie ließ sich zu Boden , umfaßte seine Knie und sah zärtlich zu