hängen . Die Moral ist , ' s ist nicht gut mit großen Herren Kirschen essen . Pro secundo habe ich vom Legationsrath drei kurze Wechsel auf drei lange prolongirt ! Denken Sie , neun Monat ! Darüber muß ein Kind zur Welt kommen ; wenn nun ein Krieg kommt , wenn er eclipsirte ! Die Moral ist : wenn man einen Aal am Kopfe hält , muß man nicht loslassen , sonst sitzt man bald am Schwanzende . Und drittens , denken Sie sich , da habe ich eben eine ganze Schrift , die der Nachbar Herr Mittler gedruckt hat , für mein baares schweres Geld aufkaufen lassen , verstehen Sie , alle fünfhundert Exemplare « » Was ! Wollen Sie auch Buchhändler werden ? « » Gott bewahre mich ! Kontobücher , die andern taugen nichts . « » Was steht denn drin , was Sie so sehr interessirt ? « » Lauter dummes Zeug . « » Was wollen Sie damit ? « » Verbrennen ! Sind schon Asche . « » Pestilenz ! « rief der Rittmeister . » Sie sind mir ein kurioser Mann . « » Möglich . Sehen Sie , das dumme Zeug rührte von mir her , nämlich Blut von meinem Blut , von meinem Sohn . Konnte ich ' s nun übers Herz bringen , das dumme Zeug unter die Leute laufen zu lassen ? Also fix in die Tasche gegriffen und Manteuffeln es machen lassen . « » Nu , das ist pfiffig gehandelt . « » Recht dumm , Herr von Dohleneck . Manteuffel glaubt zwar , er hat sie Alle gekriegt , aber Eins oder das Andere ist doch unter den Tisch gefallen , und wer das weg hat , giebt ' s nicht raus . Wird ' s nun erst bekannt , man kriegt keine mehr , dann fallen sie drüber her wie die Fliegen über ' s Aas , Jeder will ' s lesen . Ist das nun nicht eine pure Dummheit , hundert Thaler wegzuschmeißen , damit ich was Dummes erst recht in die Welt schicke ! « Das lag außer dem Departement des Rittmeisters . Er stellte ein leeres Glas auf den Tisch : » Herr ! wissen Sie was ? - Aber verrathen müssen Sie mich nicht . Den einen dummen Streich wollen wir Ihnen repariren . Dem Legationsrath passen wir Alle auf die Finger , und wenn er sich mal attrapiren lässt , dann soll er Ihnen kein Kopfweh mehr machen . « Der Kaufmann war aufgesprungen und fasste den Rittmeister mit beiden Händen , ich glaube es war nur an den Kragen ; ursprünglich war die Liebkosung den Ohren oder Backen zugedacht . Der Respekt ließ die Hände tiefer sinken : » Herr , sind Sie des Teufels ! Keine Hand angerührt an meinen theuren Legationsrath ! Wollen Sie mir fünftau - wissen Sie , wie hoch die Wechsel sind ? - Herr , Goldmann , daß Dich ! Nicht rühren an den Mann , bis - Wollen mich doch nicht ruiniren ? - Und Alles bleibt geheim , nicht wahr ? « » Die Wände werden nicht plaudern , « sagte der Rittmeister . Ein deutscher Handschlag , und der Rest der Flasche floß in das Glas des Offiziers . » Also , « sagte der Kaufmann , » indem er den bewussten Wechsel zum nicht geringen Befremden des Offiziers wieder aus der Brusttasche zog « , » also auf wie lange wollen Sie ihn prolongirt ? - Denke auf neun Monat . Lieber Gott , in neun Monat , was ist da nicht geboren ! « Mit einem raschen Schriftzug war die Prolongation erfolgt . » Sie haben mir ' nen recht großen Gefallen gethan , « schloß van Asten . » Könnte man alle Geschäfte so schnell abwickeln ! Passirt aber auch nur unter Freunden , die sich ganz verstehen . Und wenn Sie sonst zur Equipage noch etwas bedürfen , einhundert oder zweihundert Thälerchen , klingeln Sie nur , Spandauerstraße , gleich um die Ecke , das dritte Haus , und dann links auf dem Hofe ist der Eingang . « Zweiundvierzigstes Kapitel . Fensterskizzen . Es war ein grauer Herbsttag , an dem die Sonne nur dann und wann einen Blick auf die Dächer von Potsdam warf . Der Wind wehte die gelben Blätter durch die Straßen ; öde sonst , heute belebt von Köpfen , Uniformen , Livreen aller Farben und Muster , von Physiognomien , die den verschiedensten Nationen , ja Welttheilen anzugehören schienen . Die Equipagen von Ministern , Generalen , von Gesandten und fremden Prinzen , rollten unaufhörlich zwischen den Palästen und Wirthshäusern , und zu diesen Gästen von diplomatischem Charakter kamen aus der Hauptstadt zahlreiche Postchaisen , Lohnfuhrwerke und jene langen und schmalen , ihrer Zeit wohlbekannten Charlottenburger Korbwagen , deren magere und keuchende Pferde zwölf Neugierige oder noch mehr aus der ersten auf ein Mal in der zweiten Residenzstadt absetzten .. Es musste ein großes Ereigniß oder eine große Erwartung sein , welche so viele Berliner , und an einem Tage , den beschwerlichen Weg unternehmen ließ . Ja , Potsdam , das lange verödete , schien wieder der Mittelpunkt eines europäischen Lebens geworden . Man sah es an den Blicken , man hörte es am Geflüster der Gruppen , aber nicht an den laut gewordenen Reden . Denn wenn Zwei sich begegneten , fragten sie nur : » Haben Sie ihn schon gesehen ? « - Wenn ihn nicht , den ritterlichen Gast , hatte man doch einen seiner silberumgürteten Kosacken gesehen , die Straße auf , die Straße ab sprengten , angestaunt und bewundert von Allen . Und es war doch auch sonst so viel auf den Straßen zu sehen , was da selten sich zeigt : die ersten Männer des Staates , Militär und Civil , im Freien promenirend , in den Hausthüren , an den Ecken stehend . Es schien ein öffentliches Leben in der Stadt