Hand und in dem Schürzchen die Goldstücke , mit denen sie ihr kindliches Spiel treiben wollte . Bei seinem plötzlichen Eintritte erschrak sie , faßte sich jedoch und blieb ruhig am Tischchen stehen . Etwa eine Viertelstunde mochte er mit ihr in einem Gespräche gewesen sein , welches sie anfangs gar nicht verstand , als jemand , der unter dem offenen Fenster vorbeiging , einen Schrei , ein Klingen wie von fallendem Gelde und ein Geräusch hörte , wie wenn einer zu Boden stürzt und dabei ein Gerät hart berührt . Zugleich erlosch der Schein . Der Mann blieb stehen und gleich darauf kam der Hofschulze aus dem Hause . - » Was gab es da droben ? « fragte ihn jener . - » Eben nichts « , versetzte der Alte . » Junge Frauenzimmer sind schreckhaft , wenn man ihnen die Sache in aller Manier bei dem rechten Namen nennt . Besser Leid tragen , als Schmach tragen . « Er ging in den Baumgarten und gab der ersten Brautjungfer den Auftrag , hinaufzugehen . Das Mädchen verstand ihn in dem Getöse nicht recht und meinte , sie solle Lisbeth zum Tanze herunterholen . Sie sprang rasch hinauf und rief , um sich nicht zu lange von ihrem Vergnügen abzumüßigen , in die dunkele Stube hinein : » Sind Sie hier ? Sie werden gebeten , zum Tanze zu kommen ! « erschrak aber heftig , als ihr aus der Ecke des Zimmers ein inniges Schluchzen antwortete . Bestürzt rannte sie hinab , fand unten ihre Gefährtin , und beide Mädchen kehrten darauf mit einem Lichte zurück . Nun hatten sie einen Anblick , der selbst diese rohen Geschöpfe erschütterte . Denn an der Stelle , wo noch vor einer Viertelstunde eine Jubelnde und Frohlockende gestanden , lag nun eine Zerbrochene . Lisbeth war an dem Tische niedergesunken in ihre Kniee , ihre Arme hingen schlaff herab , schlaff ruhte der Leib in den Hüften , die blonden Locken hatten sich gelöst und umflossen das gebeugte und weinende Gesicht . Das Gold war ihrer Schürze entfallen und hatte sich , eine blanke Saat , um sie ausgestreut , nicht weit von ihr lag die ausgelöschte Lampe . Die Mädchen standen eine Weile verlegen und stumm . Sie wußten mit diesem Bilde des tiefsten Schmerzes nichts anzufangen . Eine erhob die Lampe , zündete sie wieder an , und stellte sie auf den Tisch , die zweite wiederholte schüchtern die Worte : » Sie werden gebeten , zum Tanze zu kommen . « Hierauf hob Lisbeth ihr Antlitz gegen sie empor , und nun zogen sich die Mädchen voll Grauen aus der Stube zurück . Denn die Wangen waren leichenweiß geworden und die Augen in ihren Höhlen zurückgetreten und so voll Tränen , daß sie strömenden Quellen glichen . Die Brautjungfern gingen hinunter zum Tanze , tanzten , hatten den Vorfall bald vergessen , und Lisbeth blieb allein . Denn niemand sprach unten von ihr , sonst wäre der Diakonus wohl zu ihr gegangen , da er sie sehr lieb hatte . Als sie allein war , begann sie ein Werk , so ernst und traurig , als ihre Spiele von vorhin fröhlich und ausgelassen gewesen waren . Mit einem Blicke des Ekels und Abscheus sah sie das Gold am Boden an , dann überwand sie sich dennoch , raffte mit zitternden Fingern die Stücke auf , die nun nur noch ihre Schande widerspiegeln sollten , und rollte sie wieder ein , indem ein erhabener Hohn ihren Mund umzuckte . Dann warf sie die Rolle verächtlich in einen Kasten , und verächtlich warf sie das grüne Särglein dazu , und deckte dann ein Tuch über das Hingeworfene . Sie fand das Blatt mit den Versen Oswalds an sie ; da brachen noch einmal heftige Tränenfluten aus ihren Augen ; es waren die letzten Zähren , welche sie heute abend weinte . Dann hielt sie das Papier an die Flamme der Lampe , und sah kalt es verlodern . Das Tuch , welches der Jäger ihr geschenkt , zerschnitt sie und ließ die Stücke zu Boden fallen , da , wo die Asche von dem Papiere lag . Nun nahm sie an sich entsühnende Handlungen vor . Sie wusch ihre Finger , die sie auf seinen Mund hatte legen müssen . Dann wusch sie die Lippen , welche seine Küsse geduldet und wiedergegeben hatten . Alle diese Handlungen verrichtete sie schweigend , nicht einmal einen Seufzer stieß sie aus . Ihr Schmerz war so groß , daß er auch nicht durch ein Selbstgespräch sich erleichtern mochte . - In den Kelch der Rose , den der süßeste Hauch soeben aufgeschmeichelt , war ein ätzendes Gift getropft worden - fühlt ihr , wie die Rose in ihren keuschesten Tiefen zucken mußte ? - Fragt ihr mich , ob sie dem glauben konnte , was der alte Bauer ihr gesagt , so antworte ich , daß ich es nicht weiß . Denn alles weiß der Dichter zwischen Himmel und Erden , aber eines weiß er nicht : das Innerste , Feinste , Heimlichste eines liebenden Mädchens . Das kann ich sagen : Sie mußte ihre Seele schänden lassen , als diese nackt dalag vor Gott und Oswald , weil sie nichts von ihrer Seele für sich behalten , sondern alles an Gott und den Geliebten ergeben hatte . Nur in Gott und in ihrem Geliebten wollte sie ihre Seele noch besitzen , da hörte sie , daß dieser Wille eine Sünde gewesen sei und eine Torheit . Sie weinte nicht mehr , ihre Augen waren heiß und trocken geworden . Ihre Gestalt hatte sich gestreckt , sie hielt sich gerader als sonst , ihre Bewegungen waren langsamer geworden , sie sah vornehm aus . Ruhig ordnete sie ihr Haar unter dem Mützchen , welches sie aufsetzte , dann verhing sie das Fenster und entkleidete sich still und züchtig . Sie löschte die Lampe und bestieg ihr Lager , auf dem sie sich