hochrothen Wangen Emiliens , daß eine Erklärung zwischen Beiden Statt gefunden hatte , die er und die Gräfin lange erwartet , der sie aber nicht hatten vorgreifen wollen . Da Niemand den Wünschen der Liebenden entgegen war , so wurde ihre Verlobung noch denselben Abend geschlossen , und da man glaubte , daß die Angelegenheiten in Portugal bald beendigt sein würden , und hoffte annehmen zu dürfen , daß die Vermittlung Napoleons in der Angelegenheit der spanischen Königsfamilie ohne Blutvergießen eintreten könne , so wurde von allen Seiten beschlossen , daß die Verbindung St. Juliens mit der schönen Emilie dann sogleich geschlossen werden sollte . Freilich seufzte der junge Mann über diesen Aufschub , aber er sah ein , daß nun , da er mit der Erklärung aus seltsamer Zaghaftigkeit so lange gezögert hatte , die Zeit nicht mehr hinreichte , um vor seiner Abreise die nöthigen Vorbereitungen zu einer ehelichen Verbindung zu treffen . Dann wünschte er eben so , wie der Graf , diese unter dem Namen Evremont zu schließen , und da er in seiner Regimentsliste als St. Julien eingetragen war , so konnte er sich nicht eher anders nennen , bis eine Anerkennung von Napoleon und in Folge dessen eine Umschreibung ausgewirkt worden war . Es blieb also für alle Theile nichts anders übrig , als den Schmerz des Aufschubs und der Trennung zu ertragen . Der lang gefürchtete Augenblick war endlich erschienen . Die Gräfin entließ die weinende Adele aus ihren Armen und drückte mit krampfhafter Heftigkeit den Sohn an die Brust . Des Grafen Wangen waren bleich und er bemühte sich vergeblich die Thränen zurückzuhalten , als Adele zu ihm trat und ihm im stummen Schmerz die Hand reichte . Das dunkle , kummervoll auf ihn gerichtete Auge ließ ihn ahnen , daß in der Tiefe der Seele die Neigung nicht ganz erstorben sei , die , wie er glaubte , einst ihr Herz für ihn empfunden hatte . Emilie hatte ihr Gesicht verhüllt und lehnte sich trostlos an die Ecke des Sophas . Endlich riß sich St. Julien aus den Armen der Mutter los , umschlang noch ein Mal die beinah ohnmächtige Geliebte und stürmte mit dem Grafen hinaus . Im Vorzimmer traf er auf Dübois , der die Familie nach Berlin begleitet hatte . Liebevoll richtete der alte Mann die Augen auf St. Julien . Er wollte reden , aber die Wehmuth versagte ihm die Sprache . Der junge Mann drückte den Greis mit Heftigkeit an die Brust , und küßte die von Alter und Gram gefurchten Wangen , dann stürzte er mit dem schmerzhaften Ausruf : Ach mein Vater ! in die Arme des Grafen . Muthig , mein Sohn ! sagte der Graf mit bebenden Lippen , standhaft , wir sehen uns wieder ! Auch Adele war hinzugetreten und reichte sprachlos , weinend Dübois die Hand , die dieser mit zitternden Lippen küßte und mit heißen Thränen benetzte . Alle stiegen die Treppe hinunter . Noch ein Mal umarmte der Vater den geliebten Sohn , noch ein Händedruck , noch ein letzter Blick - und dahin rollte der Wagen und war bald den Blicken des Grafen entschwunden , der langsam , allein und kummervoll , die Treppe wieder hinauf stieg und sich zu den trostlos weinenden Frauen verfügte . Die Zeit besiegte endlich auch die Heftigkeit dieses Schmerzes . Er hatte sich in stille Trauer verwandelt , und leise schlich sich die Hoffnung in die verwundeten Herzen . Die Phantasie machte sich aus der Gegenwart los und zeigte in naher Zukunft schimmernde Bilder des Glücks . So hatte nach mehreren Tagen die Familie die äußere Ruhe wieder gewonnen , und jeder Posttag wurde nun ein Festtag , denn jeder brachte Briefe voll inniger Liebe und zärtlicher Freundschaft von den Reisenden . Aber endlich wurde auch diese Mittheilung von Seiten St. Juliens seltener , denn als er sein Regiment erreicht hatte , machten die militärischen Bewegungen desselben einen regelmäßigen Briefwechsel unmöglich . Der Graf hatte indessen von dem Prediger einen Brief erhalten , der mancherlei Gedanken in ihm erregte . Der Pfarrer theilte ihm nämlich mit , daß er einen Brief von dem Baron Schlebach , dem Bruder der Gräfin , erhalten , den dieser aber nicht selbst geschrieben habe , sondern , da er durch eine heftige Erschütterung des Gemüths gefährlich erkrankt sei , habe schreiben lassen . In diesem Briefe sagte der Baron , daß er sich an den Prediger wende , damit dieser dem alten Lorenz die Nachricht eines Unglücks auf eine gelinde Art beibringen möge , das der alte Mann doch erfahren müsse und aus dem Munde des Predigers am besten erfahren könne , der durch den Trost der Religion den nothwendigen Schmerz zu lindern vermöge . Das bezeichnete Unglück selbst wurde auf folgende Art dargestellt . Es habe sich häufig ereignet , daß sie auf ihrer Reise nach der spanischen Gränze mit ebenfalls sich dahin begebenden französischen Truppen zusammengestoßen wären , und es wäre nicht zu vermeiden gewesen , daß die Offiziere der verschiedenen Corps nicht oft Spielgesellschaften veranstaltet hätten , woran sowohl der Baron , als auch sein Freund Lorenz hätten Theil nehmen müssen . Bei einer solchen Gesellschaft , wo viel Geld hin und her sei verloren worden , habe sich ein heftiger Streit erhoben , in den unglücklicher Weise sein Freund wäre verwickelt worden . Ein Duell wäre von den erhitzten Gemüthern als das einzige Mittel betrachtet worden , die verletzte Ehre zu reinigen , und dieses habe eine so unglückliche Wendung genommen , daß sein Freund , von einer Kugel durchbohrt , nicht weit von Bayonne geblieben sei . Dieser Unglücksfall habe ihn selbst , den Baron , so erschüttert , daß er schwer erkrankt sei . Deßhalb eile er eine traurige Pflicht zu erfüllen , ehe es vielleicht durch sein Ende unmöglich würde , damit er sich nicht sterbend den Vorwurf zu machen habe , daß der alte Vater auch das ihm zukommende Erbe noch verlöre , nachdem er schon so