innerlich , ob ich ' s nicht wagen möchte ? - Ich schüttelte den Gedanken ab , er kam wieder , immer furchtsamer war ich , immer mehr wehrte ich mich gegen diesen unausführbaren Einfall , immer dringender wurde die Aufforderung dazu . Ich wollte ihr entgehen und setzte mich in eine andere Ecke des wohlerleuchteten Zimmers , aber da war ' s grade der offnen Tür eines dunklen Raumes gegenüber , nun spielten und zingelten Winke in der Finsternis , sie webten und schwebten bis an mich heran . Ich wickelte mich in den Fenstervorhang vor diesen Scheinwesen in der dunklen Kammer , ich drückte die Augen zu und träumte in mich hinein , da war ein freundlich Zureden in mir , ich solle an die Klostermauer gehen , wo die Geister spuken . Es war acht Uhr abends , ich überlegte , wie ich ' s wagen solle , in dieser Stunde einen einsamen weiten Weg zu gehen , den ich nicht genau kannte und den ich selbst bei Tag nicht allein machen würde . - Es zog mich immer tiefer in einen vertrauten , abgeschlossenen Kreis ; die Stimmen der Spielenden vernahm ich wie aus weiter Ferne , wie eine fremde Welt , die außer meinem Kreis sich rege . Ich öffnete die Augen und sah die wunderlichen , unauflösbaren Rätselgesichter der Spielenden dort sitzen , vom hellen Kerzenschein beleuchtet ; ich hörte die Ausrufungen des L ' Hombrespiels wie Bannsprüche und Zauberformeln ; diese Menschen mit ihrem wunderlichen Beginnen waren gespensterhaft ; ihre Kleidung , ihre Gebärden unverständlich , grausenerregend ; der Spuk war mir zu nahegekommen - ich schlich mich leise hinaus . Auf der Hoftreppe atmete ich wieder frei ; da lag der reine Schneeteppich zu meinen Füßen und deckte sanft anschwellend alle Unebenheiten ; da breiteten die bereiften Bäume ihre silbernen Zweige unter dem wandelnden Mondlicht aus . Diese Kälte war so warm , so freundlich , hier war nichts unverständlich , nichts zu fürchten , es war , als sei ich den bösen Geistern da drinnen entwischt ; hier draußen sprachen die guten um so vernehmlicher zu mir , ich zauderte keinen Augenblick mehr , ihrem Geheiß zu folgen . Wie es auch werden mag , leise und behend klettere ich über das Hoftor , jenseits werf ich mein Kleid über den Kopf , um mich zu verhüllen , und in flüchtigen Sprüngen setz ich über den Schnee . Manches begegnet mir , dem ich ausbeuge , mit gesteigerter Angst und klopfendem Herzen komme ich an , scheu und furchtsam seh ich mich um , aber ich zaudere nicht , den öden Platz zu betreten ; ich bahne mir einen Weg durch das zusammengefallne , überschneite Gestein bis zur Kirchenmauer , an die ich den Kopf anlehne . Ich lausche , ich höre das Klappern der Ziegeln im Dach , und wie der Wind in dem losen Sparrwerk rasselt ; ich denke : » Ob das die Geister sind ? « - Sie senken sich herab , - ich suche meine Angst zu bekämpfen - sie schweben in geringer Höhe über mir , - die Furcht beschwichtigt sich allmählich ; es war , als ob ich die offne Brust dem Hauch des Freundes biete , den ich kurz vorher noch für meinen Feind gehalten hatte . Wie ich zum erstenmal vor Dir stand - es war im Winter 1807 - da erblaßte ich und zitterte , aber an Deiner Brust , von Deinen Armen umschlossen , kam ich so zu seliger Ruhe , daß mir die Augenlider zufielen und ich einschlief . So ist ' s , wenn wir Nektar trinken , die Sinne sind dieser Kost nicht gewachsen . Da mildert der Schlaf den Sturm der Beseligung und vermittelt und schützt die gebrochnen Kräfte ; könnten wir umfassen , was uns in einem Moment geboten ist , könnten wir sein verklärendes Anschauen ertragen , so wären wir hellsehend ; könnte sich die Macht des Glückes in uns ausbreiten , so wären wir allmächtig ; drum bitte ich Dich , wenn es wahr ist , daß Du mich liebst , begrabe mich in Deinem Denken , decke mir Herz und Geist mit Schlaf , weil sie zu schwach sind , um ihr Glück zu tragen . Ja Glück ! Wer sich mit ihm verständigte , wie mit einem Geist , dem er sich gewachsen fühlte , der müßte durch es seine irdische Natur zur göttlichen verklären . Gestern kam ein Brief von Dir , ich sah das blaue Kuvert auf dem Tisch liegen und erkannte ihn von weitem , ich verbarg ihn im Busen und eilte in mein einsames Zimmer an den Schreibtisch , ich wollte Dir gleich beim ersten Lesen die Fülle der Begeistrung niederschreiben . Da saß ich und faltete die Hände über dem Schatz und mochte ihn nicht vom warmen Herzen herunternehmen . Du weißt , so hab ich mich auch nie aus Deinen Armen losgemacht ; Du warst immer der erste und ließest die Arme sinken und sagtest : » Nun geh ! « - Und ich folgte dem Befehl Deiner Lippen . Hätte ich dem Deiner Augen gefolgt , so wär ich bei Dir geblieben ; denn die sagten : » Komm her ! « Ich schlief also ein über dem Bewachen meines Kleinods im Busen , und da ich erwachte , las ich die zwei Zeilen von Deiner Hand geschrieben : » Ich war auch einmal so närrisch wie Du , und damals war ich besser als jetzt . « O Du ! - Von Dir sagt die öffentliche Stimme , Du seist glücklich , sie preisen Deinen Ruhm , und daß an den Strahlen Deines Geistes Dein Jahrhundert sich zum Äthergeschlecht ausbrüte , zum Fliegen und Schweben über Höhen und den Flug nach Deinen Winken zu richten ; aber doch sagen sie , Dein Glück übersteige noch Deinen Geist . O wahrlich , Du bist Deines Glückes Schmied , der es mit kühnem , kräftigem