noch den Ort zu finden ? KIND . Wohl weiß ich Wiese , Busch , den Fels , die Myrte . VATER . Du kannst nicht fehlen , ferne wirst du hören Ein schwärmerisch entsetzlich Klagen von den Vögeln , Die schwarzen baden sich im Meer , um weiß zu werden , Die weißen baden sich darin , um sich zu schwärzen , Vergebens , schwarz wird schwärzer , weiß wird weißer , Die höre ja nicht an , sieh auch nicht nieder . Der Boden wölbt sich , daß du überm Meere Ganz ohne Rettung hoch zu schweben scheinest , Und von dem Luftstrom eingesogen wirst , Da siehe ja nicht hin , verricht dein Wesen , Denn mit geheimer Sehnsucht füllet sich das Herz Der Jugend nach des Meeres blauen Hügeln , Und jede Welle glänzt im Waffenschmuck besonnet , Den jungen Führer huld ' gend zu begrüßen . KIND . O Vater , wo du bist , da ist mein Hoffen . VATER . Recht gut , mein Kind , doch hör mich jetzt auch aus . KIND . Ich weiß schon alles , alles bring ich dir . Ab . VATER . Fort ist er . Wie er leicht den Boden rührt , Es ist , als wär er nicht von dieser Welt , Und noch so kindisch ist sein ganzes Wesen , Doch immer wie in einem andern Sinn . Der Blumenstrauß von seiner Hand gebrochen , Er ordnet sich geheimnisvoll in Farben , Recht wie ein Regenbogen andrer Art , Darob die Leute staunend sich erfreuen Und wissen nicht , was sie so tief entzückt . Ich will es nicht und muß ihn oftmals kränken , Er sagt es nicht und darum muß er leiden ; Mich treibt ' s zu oft , das Schmerzliche zu fühlen , Das Bittere zu sagen , weil das Stumme , Das Stumpfe mich viel bittrer quälen kann ; So fühl ich mich ganz hingerissen jetzt , Ganz lebhaft jener Vögel Ton zu denken , Viel widriger als irgend Scharren , Reißen ; Es ist der Mißlaut , der zum Leben worden , Verruchte Wollust , Lachen nicht , kein Klagen , Jetzt mußt du weichen , du verruchter Mißlaut . Er geht unruhig auf und nieder . Wie alle Lebensalter in mir schwanken , Und keines kann sich meiner ganz bemeistern , Ein Kindskopf bin ich oft mit weißen Haaren . Als ich mein Schwert am Hochzeittag begraben , Dort unterm Myrtenbaum beim Vogelschreien , Da freute meine Jugend dieses Schrecken , Denn das vollendete zum Mann mein Wesen . Was mich zur sicheren Gestalt umflossen , Der Lebensquell , den rings die Welt ergossen , Hat mich umsteinet , daß ich so viel Fremdes Bewußtlos wie mein Eignes brauchen muß . Es ist der harte Stein , der mich umschlossen , Wenn ich bewußtlos einem wehe tue , Denn wo ich ' s weiß , da mag ich ' s gern vergüten . Hier muß ich viel vergüten und entschuld ' gen , Und wenig kann ich ihr zum Troste sagen , Wird sie dies wenige auch wohl beachten ? Sie wird ' s. Sie wird entschuld ' gen mich und deuten , In ihrer Sehnsucht werd ich schuldlos sein ; O wie sie mich geliebt , so liebt doch keine . Wer kommt da ? Pochst du nicht , mein ahndend Herz , Du fühlst wohl nicht genug , bist du so tot ! Was hast du dich denn taglang so gestellet , Als wenn nichts Schönres dir begegnen könne . Sind ' s dreizehn Jahre , daß ich sie nicht sah ? Mir ist wie gestern ! Langsam gehn die Stunden , Wenn unser Leben fiebernd stille steht , Und doch vergeßlich wie der Glocken Töne , Wenn Lust sie nicht zu Melodieen band : Ein Augenblick umschloß die Ewigkeit , Und dreizehn Jahre werden Augenblicke ! Wer sieht der Flur wohl an vergangne Jahre , Wenn sie den Frühling noch am Busen trägt , Entgegen , entgegen mit offener Brust , Mit klopfendem Herzen der nahenden Lust . Hält inne . Nein , so bezwingen soll mich selbst die Freude nicht , Erst hör ich , was sie mit sich selber spricht . 3. MUTTER kommt langsam ohne den Vater zu merken . Woher der wunderbare Knabe war ? Er grüßte mich und eilte dann vorbei . Ach Mutterherz , ach wär doch so dein Sohn ! Und ich war so betäubt vom Angedenken , Daß ich mit keinem Wort ihn hergeladen . Was trieb mich heute auch zum Myrtenstrauche ; Da war es geistig und erinnernd voll Von schmerzlich wandernden Gedankenreihen , Als zög vor mir ein Trauerchor vorüber . Da war es , wo ich mit dem Manne stand , Wo er in töricht leerer Eifersucht , Daß ich vor ihm , eh ' ich ihn jemals kannte , Schon einen Jüngling herzlich angeblicket , Sein Schwert ergriff , und mir den Arm verletzte , Den ich zum Schutze ängstlich vorgehalten , Wohl seh ich noch die fast verwachsne Narbe . Als da mein Blut fiel rot auf weißen Stein , Ergriff ich einen Myrtenstrauch zur Stütze Und flehete vom Himmel , mein vergessend , Ein Kind so rot wie Blut , so weiß wie Schnee , Daß meines Mannes Liebe wieder mein ! - Mir ward Gewährung , doch die Eifersucht Des harten Mannes raubte es sogleich , Es ist gestorben , lieget dort begraben ; Ob er es umgebracht , ich glaub ' s gewiß Aus mancher Rede zweifelhaftem Sinne , Auch mit dem Kind wollt er die Lieb nicht teilen : Ach auch die Liebe wird im Schlechten schlecht , Und mit Entsetzen schied ich mich vom Manne , Verzweifelnd ging er in die Welt hinein . Sie geht zu ihrem Tische . Ein Wandrer hat das Frühstück mir verzehrt , Er ahndete , daß mir heut weh ums Herz . Da steht ein Fremdling , ist '